Schmuggler, Saargänger und der Restkreis

Schmuggler, Saargänger und der Restkreis

Es ist eine bewegende Geschichte voller Wendungen, die der Landkreis Merzig-Wadern in den letzten 200 Jahren erlebt hat. Eine aufwändige Ausstellung erzählt jetzt mit zahlreichen Exponaten davon.

Das Stadtmuseum Wadern zeigt bis zum 15. Januar 2017 eine Sonderausstellung über 200 Jahre bewegte Geschichte des Landkreises Merzig-Wadern. Dabei besteht die Ausstellung aus zwei Teilen: So verfolgt das Stadtmuseum in seiner Präsentation den Weg des ehemaligen preußischen Kreises Merzig bis hin zum heutigen modernen Landkreis Merzig-Wadern und beleuchtet die Frage, welche Auswirkungen die tiefgreifenden Umbrüche auf die Bewohner der Region hatten.

Der zweite Teil der Ausstellung in der Sparkasse beschäftigt sich mit den Veränderungen der 1857 gegründeten Sparkasse, die mit ihrer wechselvollen Geschichte ein beredtes Zeugnis davon ablegt, wie untrennbar der Wandel ihrer traditionsreichen Institution mit der Geschichte des Landkreises verbunden ist, dem sie verwurzelt war und immer noch ist.

Dabei konnte das Stadtmuseum auf die finanzielle und ideelle Unterstützung der Sparkasse Merzig-Wadern und des Landkreises Merzig-Wadern das Stadtmuseum bauen. Nicht zuletzt Landrätin Daniela Schlegel-Friedrich , die Schirmherrin der Ausstellung, ließ es sich nicht nehmen, als eine der ersten eine Zeitreise durch die Kreisgeschichte zu unternehmen.

Auch dieses Mal haben zahlreiche Leihgeber private Objekte zur Verfügung gestellt, um die Ausstellung durch ihre eigenen Erinnerungen zu ergänzen.

Viele Menschen erinnern sich noch an die Zeiten, als das Saargebiet und später das Saarland durch Grenzen vom übrigen Deutschland getrennt war und seinen Sonderweg beschritt.

Dabei sind nicht nur Themen wie die Bedeutung des Bergbau- und Hüttenwesens, die Erfahrungen der beiden Weltkriege oder die mühevolle Zeit des Wiederaufbaus tief im kulturellen Gedächtnis verankert, sondern auch prägende Ereignisse wie etwa die heftig diskutierte Volksabstimmung über einen Wiederanschluss des Saarlands an die noch junge Bundesrepublik 1955.

Es waren wechselvolle Zeiten, bis wieder zusammenwuchs, was zusammengehört: Im Rahmen der territorialen Neugestaltung Europas durch den Wiener Kongress wurde 1816 der preußische Landkreis Merzig geschaffen. Rund 100 Jahre später ordnete der Versailler Vertrag nach dem Ende des Ersten Weltkriegs die politisch-territorialen Gegebenheiten im Bereich des Kreises Merzig neu.

Während der größere Teil des Kreises als "Stammkreis Merzig" zum ab 1920 abgetrennten "Saargebiet" gehörte und unter der Verwaltung des Völkerbundes stand, verblieb der "Restkreis Merzig(-Wadern)" weiterhin im Deutschen Reich und wurde nun von Wadern aus verwaltet. Die neue Grenze bedeutete eine Trennung der engen sozialen und wirtschaftlichen Verbindungen im des ehemaligen Kreis und damit für die Menschen einen tiefen Einschnitt in ihr gewohntes Leben.

Erst im Oktober 1946 wurden Stamm- und Restkreis in verwaltungstechnischer Hinsicht aus der französischen Besatzungszone ausgegliedert und unter dem Namen "Merzig-Wadern" wiedervereinigt. Seine endgültige Gestalt erhielt der Landkreis schließlich im Zuge der Saarländischen Gebiets- und Verwaltungsreform 1974.

Der Ausstellungsstart an der Museumsnacht anlässlich der Waderner Blue Night lockte bereits zahlreiche Besucher ins Stadtmuseum.

Weitere Infos unter Telefon (0 68 71) 50 71 83 www.stadtmuseum-

Klebezettel der Wiederanschlussbefürworter im Abstimmungskampf 1955 gegen die profranzösische Politik des Ministerpräsidenten Johannes Hoffmann, den alle nur JoHo nannten, hier als „der Dicke“ diffamiert. Foto: Stadt Wadern. Foto: Stadt Wadern

wadern.de

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