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Schelte wegen „Flickschusterei“

Schelte wegen „Flickschusterei“

Die Steinberger Ortsdurchfahrt, die schon schadhaft war, verkehrssicher zu machen, war das Hauptanliegen, heißt es von Seiten des LfS. Eine aufwendigere Sanierung sei aufgrund der Finanzlage nicht zu machen.

 Die Unterschiede der Straßenerneuerungen sind deutlich: oben die Bergstraße, darunter die Ortsdurchfahrt. Fotos: Erich Brücker
Die Unterschiede der Straßenerneuerungen sind deutlich: oben die Bergstraße, darunter die Ortsdurchfahrt. Fotos: Erich Brücker
 LfS-Sprecher Klaus Kosok
LfS-Sprecher Klaus Kosok

In Zeiten von vielerorts reparatur- und sanierungsbedürftiger Straßen sollten die Bewohner von Ortschaften froh sein, wenn diese durch die entsprechenden Träger und Behörden instand gesetzt werden. Nicht so groß ist die Freude bei den Bürgern im Waderner Stadtteil Steinberg . Im Gegenteil: keine Spur von Friede, Freude, Eierkuchen.

Grund sind die Asphaltarbeiten in der Ortsdurchfahrt auf einer Länge von 1100 Metern, von der Kreuzung Richtung Konfeld bis zum Ortsausgang Richtung Reidelbach. "Das angewendete Patchverfahren, welches jede Menge umher fliegenden losen Split verursacht, ist zwar kostengünstig und soll dazu, was noch zu beweisen wäre, auch dauerhaft sein", beschreibt Ortsvorsteher Christoph Trampert die Art der Ausbesserungsarbeiten auf der Landstraße II 365, die vom Landesamt für Straßenbau (LfS) als verantwortliche Behörde ausgeführt wurden.

Weiter moniert er, dass die Arbeiten ohne Information und Rücksprache mit ihm oder mit der Stadt Wadern ausgeführt wurden. Von Bürgernähe könne hier keine Rede sein, ausgerechnet von einer Behörde, die sich als Dienstleister verstehe, findet Trampert. Für den ersten Mann im Ort und seine Mitbürger steht fest: "Dieses Verfahren ist Flickschusterei und hat die Hauptdurchgangsstraße unseres Dorfes verunziert und beeinträchtigt unser Ortsbild in ganz erheblichem Maße."

Die Reaktionen in der Bevölkerung reichten von "Es ist wirklich schlimm" bei den Älteren bis zu "Das ist saudoof" bei den Kindern. Einig seien sich alle, dass es zudem hässlich aussieht. "Und dieses Malheur im Hochwaldort Steinberg , der sich seit zehn Jahren auf die Fahne geschrieben hat, nach und nach alle innerörtlichen Straßen in einen guten Zustand zu versetzen", ist Ortsvorsteher Trampert enttäuscht, dass dieses Ansinnen, das bislang so gelungen sei, so mit den Füßen getreten werde. Seit 2006 wurden auf Betreiben des Ortsrates und in der Zuständigkeit der Stadt Wadern für insgesamt 250 000 Euro die Straßen Am Bremerkopf, zwei Nebenarme der Wadriller Straße, die Hochstraße, die Waldstraße, Zur Alten Schule und, zeitgleich mit den Arbeiten des LfS, die Bergstraße ordentlich instand gesetzt. Und zwar so: Die Straßenflächen wurden gefräst und anschließend komplett neu asphaltiert. Dort, wo sich Unebenheiten in Rinne und Bürgersteig befanden, wurden diese ebenfalls beseitigt.

"So stellen wir Bürger von Steinberg uns die Wiederherstellung unserer Straße vor und so hätte auch die Ortsdurchfahrt als Aushängeschild in Angriff genommen werden sollen", lässt Trampert kein gutes Haar am Straßenbau-Landesbetrieb.

Der Ortsvorsteher weiß in seiner Kritik den Bürgermeister der Hochwaldstadt, Fredi Dewald, und seine Mitarbeiter im Rathaus hinter sich. Wie Dewald gegenüber der SZ erklärte, teile er die Position Tramperts. Dewald, der selbst in Steinberg lebt, sagte, dass er ebenfalls "mehrere Male auf die Sache angesprochen wurde". Die LfS-Schelte, die Trampert auch via amtlichem Bekanntmachungsblatt öffentlich gemacht hat, sei in der Sache zutreffend. Klaus Kosok, Sprecher des Landesbetriebs für Straßenbau (LfS), hat die Kritik an der Art der Fahrbahnsanierung in der Ortsdurchfahrt von Steinberg zurückgewiesen. Kosok erklärte gegenüber der SZ, die vom LfS vorgenommene Ausbesserung von Schäden an der Fahrbahn sei erforderlich gewesen, um die Straße verkehrssicher zu gestalten und zudem um eine weitere Verschlimmerung der Schäden durch den bevorstehenden Winter zu vermeiden.

Nach den Worten von Kosok ist dabei nicht, wie von Ortsvorsteher Trampert angegeben, das so genannte Patchverfahren angewendet worden, sondern die Sanierung sei im Minimax-Verfahren erfolgt. Dies sei technisch dem Patchverfahren ähnlich und stelle, ebenso wie jenes, nur eine provisorische Lösung dar. "Wir wissen, dass dies keine optimale Lösung ist, aber so ist die Straße zumindest verkehrssicher für den Winter ." Dem Landesbetrieb sei bekannt, dass die Straßendecke der L 365 in der Ortsdurchfahrt von Steinberg schadhaft sei. "Wir werden diese Straße in eines unserer kommenden Sanierungsprogramme aufnehmen müssen." Für das kommende Jahr sei eine "große" Sanierung allerdings noch nicht vorgesehen. Dafür fehle das Geld, so Kosok. Das Minimax-Verfahren werde überall dort angewandt, "wo das vorhandene Schadensbild so deutlich ist, dass im Winter größere Schäden zu erwarten wären", sagte Kosok. Auch in Hülzweiler oder zwischen Elm und Bous seien Straßen auf diese Weise ausgebessert worden. Der Vorteil des Minimax-Verfahrens liege darin, dass die Ausbesserung der schadhaften Stellen relativ zügig, ohne aufwendige Verkehrssicherung und auch vergleichsweise kostengünstig erledigt werden könne. Wenn die Straße grundlegend saniert werden sollte, wäre dies wohl nur unter Vollsperrung machbar, sagte Kosok. Und auch nur eine solche große Maßnahme werde dann mit den betroffenen Kommunen abgestimmt. "Wo wir, wie in Steinberg , nur Verkehrssicherungs-Maßnahmen betreiben und keine grundlegenden Straßenbau-Arbeiten, tun wir dies ohne Abstimmung mit den Kommunen."

Es handele sich dabei um rein betriebliche Maßnahmen , die seitens der Straßenmeistereien erledigt würden. Die Ausbesserung der Strecke werde für etwa zwei bis drei Jahre einen verkehrssicheren Zustand gewährleisten, erklärte der LfS-Sprecher.