| 21:09 Uhr

Unwetter-Schäden
Schäden gehen in die Hunderttausende

Massiv durch die Überschwemmungen von Montag in Mitleidenschaft gezogen: das Freibad in Wadern.
Massiv durch die Überschwemmungen von Montag in Mitleidenschaft gezogen: das Freibad in Wadern. FOTO: Ruppenthal
Weiskirchen/Wadern. Am Tag nach den schweren Überschwemmungen ziehen die Verantwortlichen in betroffenen Gemeinden erste Bilanz.

Zeit, einmal durchzuatmen, bleibt Weiskirchens Bürgermeister Werner Hero und seinem Kollegen aus Wadern, Jochen Kuttler, nicht. Am Montag der nervenaufreibende Einsatz wegen dem Unwetter, das sich über dem Hochwald ausgetobt hat. Am gestrigen Dienstag die Aufarbeitung der ersten Schäden, die durch die Wassermassen verursacht wurden. „Die Kita in Thailen ist in Mitleidenschaft gezogen worden, ebenso das Bürgerhaus in Rappweiler“, zieht Hero eine erste Schadensbilanz der öffentlichen Gebäude. Jetzt müssen nach Worten des Verwaltungschefs die Brücken begutachtet werden. „Viele Rinnsale haben sich in reißende Ströme verwandelt und einiges mit sich gerissen.“ Was dem Rathauschef zu Herzen geht: die vielen Schäden, die Privatleute erlitten haben. Er berichtet von Totalschäden an Autos, die in Garagen standen, die überflutet wurden, von Einliegerwohnungen und Kellern, die jetzt verwüstet sind. „Viele Leute, die an kritischen Stellen wohnen, haben sich Pumpen angeschafft. Durch den Stromausfall ab kurz vor 13 Uhr, der eine Stunde anhielt, sind sie nicht angesprungen. So liefen Einliegerwohnungen, Keller und Garagen voll.“ Weit über 120 Häuser sind nach Heros Worten betroffen – selbst an hoch gelegenen Stellen, die sonst nie von Hochwasser gefährdet sind. Als Beispiel nennt er die Straße am Campingplatz.


Die Bürgermeister-Sitzung in Eppelborn hat er nach seiner Auskunft aufgrund des Unwetters sausen lassen. „Ich war mit meinem Team mit der Feuerwehr vor Ort“, sagt er. Die blauschwarzen Wolken, die sich über dem Hochwald um die Mittagszeit ballten, haben ihn nichts Gutes ahnen lassen. Dann habe es wie aus Eimern zu schütten begonnen. Kurz vor 13 Uhr: der erste Einsatz der Feuerwehr. „Alle Weiskircher Wehren waren draußen.“ Dass die Einsatzkräfte Unterstützung von Kameraden aus benachbarten Wehren erhielten, nennt er eine großartige Sache. „Sie hatten ein enormes Pensum abzuleisten, im Akkord geschafft und eine Superarbeit gemacht.“ Kurz vor 21.30 Uhr hätten die Weiskircher endlich einrücken können – „zu einer Uhrzeit, zu der sich die Lage entspannt hat“, wie Werner Klein, Pressesprecher im Landratsamt sagt. „Die letzte Sitzung des Krisenstabes war um 21 Uhr. Zu dem Zeitpunkt beruhigte sich auch in Wadern die Lage.“ In Beckingen waren laut Klein noch 20 Feuerwehrleute im Einsatz, um die Dillinger Straße von den Fluten zu befreien. Grund: Der Kondeler Bach war über die Ufer getreten und hatte die Straße in einen Fluss verwandelt. Klein: „In Spitzenzeiten waren gleichzeitig 400 Hilfskräfte im Einsatz, Feuerwehrleute, Teams vom THW, Malteser und vom DRK. Insgesamt zählten wir 550 Einsatzkräfte.“

Einer Krisensitzung am Morgen folgen für Waderns Verwaltungschef Jochen Kuttler Touren durch die Kernstadt und die Stadtteile. „Ich will den Leuten helfen, das Gefühl geben, da zu sein“, sagt er. „Wir wollen den Betroffenen auch Tipps geben, wie und wo sie finanzielle Unterstützung erhalten können.“ Gut 150 Haushalte sind nach Worten von Kuttler betroffen – durch Wasserschäden. „Viel Inventar ist unbrauchbar“, bedauert der Verwaltungschef. Er berichtet von vollgelaufenen Kellern, verwüstetem Wohnraum, Autos, die Opfer der braunen Brühe wurden, von Asphaltblöcken, die sich aus dem Straßenbelag lösten, von Bürgersteigen, die unterspült und weggeschwemmt wurden. Besonders getroffen wurden laut Kuttler die Stadtteile Morscholz, Löstertal und Bardenbach. „Im Löstertal wurde die Landstraße von Kastel zum reißenden Strom mit dramatischen Konsequenzen für die Anwohner der Kreuzung in Buweiler: Keller wurden überflutet, ein Restaurant überschwemmt.“ In Grenzen halte sich der Schaden, den das Wasser an der Kita Morscholz und am Feuerwehrgerätehaus in Bardenbach angerichtet habe.

Die Herbert-Klein-Halle ist nach seinen Worten gesperrt. „Das Wasser, das mit enormem Druck sich seinen Weg in den Keller bahnte, hat die Fenster bersten lassen. Wir rechnen mit massiven Schäden an der Technik. Auch sind viele Gegenstände und Mobiliar, die die Vereine im Keller gelagert haben, zerstört worden.“ Betroffen ist nach seiner Darstellung auch das Hallenbad. „Wir müssen kontrollieren, ob die Technik noch funktioniert. Auch wenig eindringendes Wasser kann, je nachdem wo es einströmt, großen Schaden anrichten.“ Ob das Freibad, nach dem Unwetter am Samstagabend gerade erst hergerichtet, in diesem Jahr wieder öffnen wird, ist nach seinen Worten fraglich. „Ein Becken kann man sauber machen. Aber was ist mit den Pumpen? Sind die unbrauchbar, so müssen neue her. Und auf die Lieferung muss man mindestens sechs Wochen warten. Dann ist der Sommer rum.“ Die Schäden allein auf städtischer Seite schätzt er auf Abertausende Euro. „Eine seriöse Bilanz kann erst dann gezogen werden kann, wenn die Aufräumarbeiten abgeschlossen sind und Gutachter die Orte des Geschehens in Augenschein genommen haben.“ Die ersten Techniker haben sich nach seinen Worten ein Bild von der ernsten Lage in Wadern gemacht. „Morgen habe ich einen Termin mit der Versicherung“, verrät der Verwaltungschef. Vom frühen Nachmittag bis weit in die Abendstunden hinein stand er mit seinem Team aus dem Rathaus den Hilfskräften zur Seite. „Die Feuerwehrleute sind am späten Abend eingerückt.“

Was die beiden Verwaltungschefs aus Wadern und Weiskirchen ein wenig beruhigen kann: Die Landesregierung hat mittlerweile den Betroffenen des Unwetters von Montag und vom Wochenende Hilfen zugesagt. Innenminister Klaus Bouillon (CDU) und Umweltminister Reinhold Jost (SPD) sagten auf der Landespressekonferenz zu, dass das Hilfspaket, das vergangene Woche beschlossen worden war, auch ihnen offenstehe.



(mst)