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Saarländerin leitet Schule in Bolivien: Bericht über ihre tägliche Arbeit

Vereinshilfe für Bildung : Saarländerin leitet Schule in Bolivien – und erzählt, was sie dort täglich erlebt

Rabea Lang aus Büschfeld hat einen ungewöhnlichen Arbeitsplatz, Fern ihrer Heimat wirkt sie in Südamerika. Jetzt schildert sie dem Unterstützerverein Bildung für Bolivien von dem, was sie täglich dort erlebt.

Aus Liebe für das Land und die Menschen in Südamerika ist das Projekt „Rabeas Traum – Gerechte Schulbildung für Kinder und Jugendliche in Bolivien“ von Rabea Lang aus Büschfeld entstanden. Und damit hat sie sich einen Herzenswunsch erfüllt: die Gründung der Privatschule Monte Christo in der Hauptstadt Sucre, eine erste nicht staatliche Schule in diesem Land. Seit 2008 leitet die Diplom-Theologin diese Schule, die anfangs 50 Kinder zählte und derzeit rund 550 Schülern hat. Dort arbeiten insgesamt 40 Lehrer, Mitarbeiter, Angestellte und weiteres Personal wie Handwerker und Reinungskräfte. Mit drei Jahren werden die Kinder im angeschlossenen Kindergarten aufgenommen, um dann anschließend in der Schule bis zum Abschluss dort verweilen können.

„Mir persönlich gibt das Vertrauen, welches so viele Menschen aus der Heimat in meine Person und meine Arbeit setzen, auch immer wieder aufs neue Kraft, trotz aller Widrigkeiten noch lange Zeit an unserem Projekt weiterzumachen und dafür zu kämpfen, dass unsere Schüler später ein selbstbestimmtes Leben führen können“, sagte Rabea Lang. Sie war mit ihrem Ehemann und ihren beiden Kindern auf Heimaturlaub und sagte dies den Mitgliedern des Vereins „Bildung für Bolivien“. Der Verein hielt seine Jahreshauptversammlung im Schlossberg-Restaurant in ihrem Heimatort Büschfeld. Erstmalig konnte sie bei einer solchen Versammlung dabei sein. Da war es schon ihr Anliegen, nicht nur allen danke zu sagen, die ihr helfen und sie unterstützen. Sie  nahm dabei auch die Gelegenheit wahr, die Mitglieder der Versammlung über ihre tagtägliche Arbeit in der Schule, in der zum Ende dieses Schuljahres die ersten Abschlusszeugnisse übergeben werden konnten, und das politische Geschehen in Bolivien zu berichten.

„Unsere Arbeit trägt staatlich anerkannte Früchte, denn nunmehr können etliche Schülerinnen und Schüler ins Arbeits- und Berufsleben einsteigen und ihr Leben mit dem Abschluss in Angriff nehmen.“ So freute sich die Schulleiterin ganz besonders mit den ersten Abgängern, die zwölf Jahre durchgehalten haben. Sie ist nach wie vor davon überzeugt, dass Bildung der beste Weg ist, den Kindern und Jugendlichen eine gute Grundlage für die Zukunft mitzugeben. „Wir haben Pläne und Visionen, wie unser Schulprojekt den Herausforderungen, vor denen wir stehen, gerecht werden kann“, versicherte sie ihren Zuhörern.

Auch für sie war wiederum der Heimatbesuch über die Advents- und Weihnachtszeit gekommen, denn in Südamerika sind jetzt Sommerferien, weil das Schuljahr mit dem Kalenderjahr übereinstimmt. „Leider müssen wir auf ein Jahr zurückblicken, das für sehr viele unserer Schüler und deren Familien durch Leid und Verluste geprägt war. Es ist sehr traurig, was die Pandemie in Sucre angerichtet hat, viele Kinder haben Großeltern, ein Elternteil oder andere Angehörige verloren. Nicht nur an Corona Erkrankte hat es getroffen, sondern auch Menschen mit anderen Krankheiten, die nicht mehr behandelt werden konnten, weil das Gesundheitssystem zeitweise komplett zusammengebrochen war. Sehr viele Familien haben sogar mehrere Todesfälle zu beklagen. Andere haben durch die Situation ihre Arbeit oder Existenzgrundlage verloren“, beschreibt sie die zurückliegende und zugleich schreckliche Zeit. Wirklich bitter und traurig war dies alles für die Kinder und Jugendlichen, denn seit März 2020 war und ist kein Präsenzunterricht mehr möglich. Die Sehnsucht wächst natürlich mit jedem Tag, dass ab dem neuen Schuljahr im Februar die Jungen und Mädchen wieder in die Schule kommen können. Groß sei die Hoffnung aber nicht, denn leider gehen die Zahlen seit mehreren Tagen wieder deutlich nach oben.

Lobend erwähnte sie alle ihre Kolleginnen und Kollegen an dieser Stelle, denn alle hatten an einem Strang gezogen und konnten die Schüler über verschiedene Wege der Kommunikation erreichen. „Was meine Mitarbeiter geleistet haben, war mehr als nur Schadensbegrenzung“, erkannte sie deren außergewöhnliches Engagement an. Auch über viele politische Unruhen konnte Lang berichten. „Unzufriedenheit herrscht derzeit bei den Menschen, dazu Korruption, Amtsmissbrauch, falsche politische Entscheidungen mit fatalen Folgen waren an der Tagesordnung. Die Pandemie hat vieles schlimmer gemacht. Derzeit gibt es überall schwere Proteste, Demos und Straßenblockaden, bei denen sich die Leute gegen neue Gesetze wehren, die Grundrechte und Freiheiten beschneiden und zudem das Recht auf Privateigentum infrage stellen. In Sucre spitzt sich die Lage gerade zu, die Menschen sind dazu aufgefordert worden sich mit Lebensmitteln und anderen notwendigen Dingen einzudecken, weil die Blockaden noch verschärft werden, sollten besagte Gesetze nicht außer Kraft gesetzt werden. Dialogbereitschaft ist derzeit keine vorhanden. Wie immer wissen wir nicht, wo die Reise hingeht und was uns in der kommenden Zeit erwarten wird“, beschrieb Lang die Lage im südamerikanischen Staat.

Mit ihren Schilderungen und Ausführungen über die schulischen und politischen Unruhen weckte sie schon das Interesse der Vereinsmitglieder, sie hätte noch mehr Fragen und Antworten über sich ergehen lassen können, doch die Abarbeitung der Regularien der Mitgliederversammlung forderte ihren Tribut. Der Vorsitzende Hubert Zimmer überzeugte mit seinem Rechenschaftsbericht, dass die Vereinsarbeit der Mitglieder wohl von großer Bedeutung sei. Auch viele Gönner und Freunde aus allen Teilen der Bevölkerung unterstützen den Verein mit Aktionen, um Spenden zu generieren. Großzügig war der Rotary Club Lebach-Wadern, der mit seinen Initiativen und etlichen Zehntausend Euro quasi Hauptsponsor ist, wie Zimmer versicherte. So war es für Kassierer Franz-Josef Willems wohl eine Genugtuung, einen äußerst positiven Kassenbericht vortragen zu können, der mit der einstimmigen Entlastung der Versammlung gekrönt wurde. Zügig und harmonisch ging auch die Neuwahl des Vorstandes über die Bühne, in der alle bisherigen Mitglieder für eine weitere Wahlperiode gewählt wurden. Hubert Zimmer ist weiterhin Vereinsvorsitzender, seine beiden Stellvertreter Charly Schmitt und Sonja Lang, Kassierer Franz-Josef Willems, Schriftführerin Karin Lang und Kassenprüfer Rudolf Mann und Heinz Nimmesgern.