Wadern: Rasche Hilfe rückt für BI in weitere Ferne

Wadern : Rasche Hilfe rückt für BI in weitere Ferne

Initiative befürchtet Verschlechterung der Notfallversorgung und fordert klares Bekenntnis zur Nordsaarlandklinik.

Die Bürgerinitiative (BI) Nordsaarlandklinik sieht nach den jüngsten Beschlüssen des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) eine deutliche Verschlechterung der Notfallversorgung im Hochwaldraum.

„Die SZ-Leser im nördlichen Saarland mögen sich verwundert die Augen gerieben haben, als sie am 20. April erfuhren, dass weder Landesregierung noch Krankenhausträger oder Kassen Probleme für die Notfallversorgung im Nordsaarland sehen“, erklärt Bernd Schröder, Sprecher der BI. Und moniert weiter: „Hat etwa über Nacht eine Gebietsreform stattgefunden, die große Teile der Kreise Merzig-Wadern und St. Wendel, ähnlich wie zu Saargebietszeiten, aus dem Saarland ausgegliedert hat? Nein, leider gehören wir weiterhin zu einem Bundesland, dessen Regierung offensichtlich nicht die exakte Ausdehnung des Territoriums kennt, in dem sie für gleichwertige Lebensbedingungen zu sorgen hat.“

Aus Sicht der BI bleibt es dabei: „In der medizinischen Versorgung ist das Nordsaarland deutlich benachteiligt gegenüber der Saarschiene.“ Mit dem Wegbrechen der Notfallversorgung in Losheim und Mettlach verschlechtere sich die Erreichbarkeit rascher Hilfe wieder um eine Stufe, befindet Schröder. „Es ist ja nicht so, als ob die nächst erreichbaren Krankenhäuser wirklich ständig aufnahmebereit wären.“ Jeder im Nordsaarland kenne Fälle, in denen Notfallpatienten erst nach einigen Irrfahrten schließlich in Trier, Saarbrücken oder Homburg eingeliefert wurden, weil keines der Krankenhäuser auf dem Weg Personal und Betten frei hatte.

Schröder weiter: „Die Merziger Landrätin kann mit ihrem Zweckoptimismus in Bezug auf Losheim nicht überzeugen. Auch Gespräche des Gesundheitsministeriums mit dem Krankenhausträger werden nichts daran ändern, dass die Neuregelung am 1. Januar 2019 in Kraft treten wird.“ Ab dann würden die Krankenkassen den Krankenhäusern, die nicht hinreichend für die Notfallversorgung ausgerüstet sind, ihre Behandlungskosten nur mit Abzügen erstatten und umgekehrt den voll funktionsfähigen Krankenhäusern Zuschläge zahlen. „Das heißt: Große Kliniken werden wirtschaftlicher und kleine Kliniken werden unwirtschaftlicher“, hält Schröder fest.

Es gibt nach seinen Worten derzeit noch 21 Marienhaus-Kliniken, darunter eine ganze Reihe kleinerer Häuser mit ähnlichen Problemen wie das in Losheim. „Da wird der Träger sich verständlicherweise vorrangig auf die Ertüchtigung solcher Standorte konzentrieren, wo der erforderliche Mindeststandard mit geringen Mitteln zu erreichen ist. In Losheim fehlt eine komplette Fachabteilung mit allem, was das an Fachpersonal, Räumen und Geräteausstattung bedeutet“, sagt der BI-Sprecher. Die jetzt vom Gemeinsamen Bundesausschuss beschlossene Regelung sei zudem nicht vom Himmel gefallen, betont Schröder: Bereits am 30. August 2017 habe der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen (GKV) sein diesbezügliches Positionspapier „Neustrukturierung der Notfallversorgung“ verabschiedet und auf seiner Homepage veröffentlicht. „In Kenntnis dieser zu erwartenden Vorgaben haben wir unser Konzept der Nordsaarlandklinik so ausgelegt, dass dieses Krankenhaus alle Fachabteilungen und die personelle und technische Ausstattung haben wird, die für eine über das Basisangebot hinausgehende Notfallversorgung der Menschen in einem Einzugsbereich von 30 Autominuten um Wadern nötig sind.“ Das Konzept sehe auch die Einrichtung einer zentralen Notaufnahme vor, wie sie von den gesetzlichen Krankenkassen gefordert wird.

Für Schröder und die Mitstreiter der Bürgerinitiative ist klar: „Wenn die Landesregierung sich jetzt klar zur Nordsaarlandklinik bekennt, kann diese in fünf Jahren in Betrieb gehen. Dann hätten wir in der Mitte des Nordsaarlands ein Krankenhaus, das fähig ist, nahezu 100 Prozent aller Notfälle in der Region, auch Schlaganfallpatienten, zu jeder Zeit des Tages oder der Nacht aufzunehmen, ihren Behandlungsbedarf mit kompetentem Fachwissen und modernsten technischen Geräten zügig und doch zuverlässig festzustellen und sie mit seinem breiten Leistungsspektrum adäquat zu versorgen.“ Darum fordert die BI alle politisch Verantwortlichen und insbesondere die Gesundheitsministerin auf, alles in ihrer Macht Stehende zu tun, damit die Nordsaarlandklinik so rasch wie möglich errichtet werden kann. Schröder: „Es wäre der Einstieg in eine unbedingt notwendige Modernisierung und Neustrukturierung der saarländischen Krankenhauslandschaft.“

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