Polizei befreit in Nunkirchen 140 Tiere

Tierrettung in Nunkirchen : Polizeieinsatz  dauerte fast zehn Stunden

Rund 140 Tiere aus einem „Privat-Zoo“ hat die Polizei am Mittwoch in Nunkirchen sichergestellt (wir berichteten). Der Tag danach.

Wir hätten ja an dem großen Haus am Ortsausgang von Nunkirchen auch klingeln können, um die Bewohner um ihre Darstellung der spektakulären Polizeiaktion vom Vortag zu bitten, haben dann aber aus sicherlich nachvollziehbaren Gründen darauf verzichtet. Immerhin leisteten zwei Brüder im Haus bei dem „Behördenbesuch“ am Dienstag so heftigen Widerstand, dass ein Polizeibeamter anschließend zur ambulanten Behandlung das Krankenhaus in Merzig aufsuchen musste.

Mit einem richterlichen Beschluss in der Tasche hatten zunächst Mitarbeiter des Landesamtes für Verbraucherschutz (LAV) an der Haustür geklingelt, um über 140 Tiere aus einer Art Privatzoo zu befreien. Vorsichtshalber hatten sie ein stattliches Polizeiaufgebot zu diesem heiklen „Hausbesuch“ mitgebracht, auch die Feuerwehr war dazu angerückt.

Nachbarn sind erleichtert

Alle Nachbarn, die wir gestern antrafen, zeigten sich erleichtert, dass „dort oben“ am Ortsausgang endlich etwas passiert ist. Ausnahmslos schilderten sie eine dauernde Lärmbelästigung von dem dicht bewaldeten Grundstück, wo unter anderem immer wieder Hunde gebellt, Esel geschrien und Papageien gekrächzt hätten. Ausnahmslos baten unsere Gesprächspartner uns aber auch, im SZ-Bericht bloß nicht ihre Namen zu nennen. Ein harmonisches Nachbarschaftsverhältnis sieht offenbar anders aus!

Hauptkommissar Andreas Riemenschneider, Leiter der Polizeiinspektion Nordsaarland, schilderte der SZ später den Einsatz seiner Beamten, die von einer Hundestaffel und der Operativen Einheit Saarland verstärkt worden seien. „Zunächst präsentierten wir den Bewohnern des Hauses einen richterlichen Beschluss, aber dann fing der Ärger auch sofort an!“

Brüder widersetzten sich der Polizei

Zwei Brüder, 31 und 33 Jahre alt, hätten sich den polizeilichen Maßnahmen widersetzt und erheblichen Widerstand geleistet. Bei der Fixierung eines der beiden Brüder sei der andere plötzlich auf einen Beamten der Operativen Einheit losgegangen.

Riemenschneider: „Der trat den Kollegen gegen den Kopf und verletzte ihn so schwer, dass er zur ambulanten Behandlung ins Merziger Krankenhaus eingeliefert werden musste. Das konnte er zwar nach der Behandlung wieder verlassen. Der Kollege ist aber vorerst noch dienstuntauglich geschrieben.“ Mit dem Einsatz von Pfefferspray sei die heikle Situation letztlich bereinigt worden.

Verletzter Polizist vorerst dienstuntauglich

Insgesamt habe sich der aufregende Polizeieinsatz von etwa 10.30 bis 20 Uhr hingezogen. Die Beamten der hinzugezogenen Hundestaffel hätten dann noch unter anderem den beteiligten Veterinären des LAV geholfen, die auf dem Gelände gefundenen Hunde nach gefährlichen und ungefährlichen Vierbeinern zu klassifizieren. Unter dem Strich zeigte sich der Leiter der Polizeiinspektion Nordsaarland, abgesehen von der Verletzung eines Kollegen, zufrieden mit diesem langen Einsatz: „Wir waren gut vorbereitet und zugleich gut aufgestellt.“

Insgesamt nahmen die Veterinäre des Landesamtes mehr als 140 Tiere auf dem großen Gelände unter die Lupe. Der Ausgangsverdacht auf eine nicht artgerechte Tierhaltung habe sich nicht zuletzt bei einigen exotischen Arten bestätigt. So stießen die Kontrolleure unter anderem auf Kängurus, ein Lama und eine Würgeschlange vom Typ Boa Constrictor – Tierarten, die man im Hochwald zweifellos nicht als heimisch einstufen kann!

Wo die Tiere unterbringen?

Sabine Schorr, Pressesprecherin des Umweltministeriums, berichtete der SZ gestern noch von großen Schwierigkeiten, für alle von der Behörde mitgenommene Tiere eine zumindest vorübergehende neue Heimat zu finden. Das sei ja nun auch wirklich keine alltägliche Herausforderung, für beschlagnahmte Arten wie zum Beispiel eine Boa Constrictor eine artgerechte Unterbringung zu finden.

Vorsichtig näherten sich die Polizisten den Tieren auf der Nunkircher Anlage. Foto: BeckerBredel

Anlass für diese aufwändige Tierschutzaktion unter dem unmittelbaren Schutz der Polizei sei eine eingegangene Tierschutzanzeige gewesen. Nachdem diese ganze Aktion nach viele Stunden abgeschlossen werden konnte, sei für die ganze betroffene Familie noch ein allgemeines Tierhalteverbot ausgesprochen worden.