1. Saarland
  2. Merzig-Wadern
  3. Wadern

Parteien und Gruppierungen zur Entwicklung bei der Nordsaarlandklinik

Nach Podiumsdiskussion in Wadern : Es gibt viel Hoffnung, aber auch offene Fragen

Nach der Podiumsdiskussion zur medizinischen Versorgung im Nordsaarland äußern sich Vertreter mehrerer Parteien.

„Wer einen Gradmesser gesucht hat, wie sehr das Thema der medizinischen Versorgung die Menschen im Hochwald bewegt, wurde am Montag in der Waderner Herbert-Klein-Halle fündig“, kommentiert Bernd Theobald, Fraktionschef der Wählergemeinschaft Pro Hochwald im Waderner Stadtrat, die Podiumsdiskussion in der Herbert-Klein-Halle (die SZ berichtete). „Konzepte für eine zukunftsfähige Gestaltung der saarländischen Krankenhauslandschaft, speziell mit Blick auf das Nordsaarland“ hatte die Bürgerinitiative Nordsaarlandklinik (BI) als Thema für die Veranstaltung vorgegeben, die an den zweiten Jahrestag der Schließung des Waderner Krankenhauses erinnerte, wie BI-Sprecher Bernd Schröder sagte.

Neben Schröder im Podium saßen die saarländische Gesundheitsministerin Monika Bachmann, Dr. Magnus Jung (SPD), der Vorsitzende des Gesundheitsausschusses im saarländischen Landtag, Michael Quetting (Pflegebeauftragter des Verdi-Landesbezirks Rheinland-Pfalz-Saarland), Dr. Christoph Stöhr (Chefarzt im Ruhestand) und Waderns Bürgermeister Jochen Kuttler. Dass mehr als 700 Besucher die Diskussion verfolgten, beweist nach Ansicht von Theobald, dass diese Leute „die Nordsaarlandklinik wollen und einfordern“.

Das Interessenbekundungsverfahren, das Monika Bachmann einleitete, nennt Theobald ein erstes, erfreuliches Etappenziel auf einem langen Weg. „Dass wir so weit gekommen sind, ist in erster Linie der Hartnäckigkeit und Präsenz der Bürgerinitiative Nordsaarlandklinik mit ihrem Vorsitzenden Bernd Schröder und dem unermüdlichen Einsatz der Stadtverwaltung der Stadt Wadern zu verdanken. Beide sind seit Schließung des St.-Elisabeth-Krankenhauses nicht müde geworden, die Missstände in der Krankenhausversorgung im nördlichen Saarland in Saarbrücken klar und deutlich anzuprangern“, sagt er.

Ein wenig enttäuscht war Theobald nach seinen Worten, dass weder Bachmann noch Jung präzisere Aussagen zum Standort des Neubaus und zur finanziellen Beteiligung der Landesregierung machen wollten – genau die Fragen, die nach seiner Ansicht den Besuchern der Diskussion unter den Nägeln brannte. Für Pro Hochwald gibt es nach den Worten des Fraktionschefs für das zentrale Klinikum in Nordsaarland keine Alternative. „Das Krankenhaus wurde im Mittelzentrum Wadern geschlossen, also muss es auch dort wieder neu errichtet werden. Eine zentralere Lage zwischen Merzig und St. Wendel, direkt an der Nordsaarlandstraße, gibt es im nördlichen Saarland nicht.“

Jetzt nehme man Bachmann erst einmal beim Wort und schenke ihr das „von ihr auch zu recht eingeforderte Vertrauen“ in die intensive, bundesweite Suche nach einem neuen Krankenhausträger. Klinken müssen jetzt nach seiner Ansicht geputzt werden, Briefe schreiben allein reiche sicherlich nicht aus. „Insofern werden wir das anberaumte Interessenbekundungsverfahren bis zum Abschluss im Frühjahr 2020 mit höchster Aufmerksamkeit verfolgen. Und natürlich hoffen wir inständig, dass sich ein solventer Träger findet.“

Die SPD-Landtagsabgeordnete Martina Holzner freut sich über das nun Gesagte; „Endlich kommt Bewegung in die Sache.“ Nach ihrer Ansicht dürfen die geweckten Erwartungen nicht enttäuscht werden und es müsse eine Lösung für Bau und Betrieb der Nordsaarlandklinik gefunden werden. „Dabei präferiert die SPD eine saarländische Lösung mit kommunalen oder gemeinnützigen Trägern.“ Die Entscheidung für die Nordsaarlandklinik müsse Antworten für alle Klinikstandorte im Norden des Saarlandes geben, insbesondere mit Blick auf die Versorgung der Patienten und die Beschäftigten.

„Dieser freudigen und überraschenden Ankündigung müssen nun auch Taten folgen“, fordert Karsten Kiefer, SPD-Fraktionssprecher im Weiskircher Gemeinderat. Der Dank gelte vor allem der Bürgerinitiative. „Ohne deren beharrliches Handeln wäre diese Ankündigung niemals entstanden“, lobt Kiefer im Namen seiner Fraktion und des Gemeindeverbandes. Den Menschen im Hochwald stehe die gleiche gesundheitliche Versorgung zu wie denen an der Saarschiene. „Lange Fahrzeiten in ein Krankenhaus könnten hierdurch – besonders bei Notfällen – endlich wieder vermieden werden.“

Nach Ansicht von Dagmar Ensch-Engel, Kreisparteichefin der Linken, scheinen die Bemühungen von Waderns Bürgermeister Jochen Kuttler, der Bürger, der Initiativen und und ihrer Partei Früchte zu tragen. Denn Gesundheitsministerin Bachman sehe sich mit ihrem Haus nunmehr in der Pflicht, einen Investor für die Klinik zu binden – einen Schritt, den Ensch-Engel, auch Landtagsabgeordnete, nach ihren Worten begrüßt. Ihre Kritik: Die Bürgerinitiative habe man in ihrem Bemühungen lange alleine gelassen. „Stattdessen wurde immer wieder auf die neue Rettungswache und auf den Aufbau einer optimalen ärztlichen Versorgung verwiesen“, ergänzt sie.

Diese Maßnahmen sind aus ihrer Sicht löblich, aber nicht sofort umsetzbar und können kein Krankenhaus ersetzen. „Deshalb haben wir nie aufgehört – sowohl das Land als auch den Kreis – auf den unbedingten Versorgungsauftrag im Gesundheitsbereitch im ländlichen Raum hinzuweisen und haben immer wieder die Forderung nach einer Nordsaarlandklinik mit Standort Wadern gestellt.“ Die Ankündigungen des Ministerium wecken aus Sicht ihrer Partei große Hoffnungen. Jedoch seien bei der Podiumsdiskussion viele Fragen offen geblieben – so die Zukunft des Losheimer Krankenhauses, das Angebot der Landesregierung an einen möglichen Investor und welchen Standort die Ministerin präferiert.