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Wadern
Grüne enttäuscht vom Termin in Saarbrücken

Wadern. Die Waderner Grünen sprachen bei Verkehrsministerin Anke Rehlinger wegen der Radwege-Situation vor.

Der Ärger bei den Waderner Grünen über die unzulänglichen Radwege im Stadtgebiet hält an. Nach mehr als acht Jahren Stillstand, so sehen es zumindest die Grünen selbst, wollen sie endlich Fortschritte sehen und nehmen die politisch Verantwortlichen in die Pflicht.


Demonstrativ radelten sie an einem Junisonntag über Autostraßen von Wadern nach Nunkirchen, denn einen geeigneten Weg für Radfahrer gibt es nicht (die SZ berichtete). Danach suchten Vertreter der Grünen das Gespräch mit Bürgermeister Jochen Kuttler und waren kürzlich zum Gespräch mit der zuständigen Verkehrsministerin Anke Rehlinger (SPD) in ihrem Büro in Saarbrücken. „Das Gespräch verlief zwar in angenehmer Atmosphäre, aber die unterschiedlichen Positionen fanden nicht zusammen“, teilten Ute Lessel und Peter Rohles, die Sprecher der Waderner Grünen, mit. Sie seien von dem Gespräch enttäuscht.

Mit von der Partie: Albert Räsch und Volker Morbe. Die Verkehrsministerin habe auf 750 Kilometer touristische Radwege hingewiesen. Ein Ausbau verzögere sich, da ihr Ministerium chronisch unterbesetzt sei und Fachkräfte, vor allem Ingenieure fehlten. Sie rechne mit einer weiteren Zunahme des Radverkehrs, besonders durch die Vorzüge der E-Bikes.



Rehlinger nannte die Kritik der Grünen an dem lückenhaften Radwegenetz in der Stadt Wadern nach deren Darstellung „verständlich“. Seit 2010 sei die Fortsetzung des Radweges von Münchweiler nach Nunkirchen – also direkt vor ihrer Haustür, die Ministerin lebt dort – geplant, aber immer noch nicht gebaut. Sie bedauerte die Lücken im Radwegenetz und den langen Verfahrensweg für solche Maßnahmen. Sie müsse sich aber an Recht und Gesetz halten, habe Rehlinger gegenüber den Grünen-Vertretern erklärt.

Das sahen die Waderner Grünen anders. Sie betrachten Aufwand und Kosten für das wenig mehr als einen Kilometer lange Teilstück als völlig unverhältnismäßig. „Es mangelt am politischen Willen“, stellt Ute Lessel fest. Johannes Hahn, der Referent der Ministerin aus dem Landesbetrieb für Straßenbau, habe bestätigt, dass die Entwurfsplanung abgeschlossen und mit dem Baubeginn im nächsten Jahr zu rechnen sei. In der Diskussion um die Prioritätenliste für die folgenden Maßnahmen nannten die Grünen Alternativen zum straßenbegleitenden Radweg – die Verbindung von Bardenbach nach Dagstuhl über die alte Bahntrasse. Über andere notwendige überörtliche Strecken gab es keine Differenzen. „Einig waren wir uns darin, dass in Wadern auch für den Alltagsradverkehr und in Sachen Versorgung und Infrastruktur noch einiges geschehen muss“, sagt Peter Rohles. Lessel und Rohles rechnen zwar nicht mit merklichen Nachwirkungen des Gespräches. Sie glauben aber, wenigstens mehr Aufmerksamkeit auf das Thema gelenkt zu haben.

Im Gespräch mit Bürgermeister Jochen Kuttler war Tage zuvor nach Ansicht der Grünen erkennbar geworden, dass auch er dem Radverkehr mehr Aufmerksamkeit schenken will. Seit Kurzem nutze der Verwaltungschef oft und gerne ein Rad mit Hilfsmotor für viele Unternehmungen.

Die beiden Sprecher der Grünen sehen ihre Partei im Aufwind. Neue, vor allem junge Mitglieder, seien hinzugekommen, der regelmäßige Stammtisch werde stark besucht.

(eb)