50 Jahre Abitur: Ohrfeigen gab es schon auf Verdacht

50 Jahre Abitur : Ohrfeigen gab es schon auf Verdacht

50 Jahre nach dem Abitur erinnern sich Ehemalige der ersten Abschlussklasse am Hochwaldgymnasium an die Schulzeit.

() Lang, lang ist’s her: Der erste Abiturjahrgang des Hochwald-Gymnasiums (HWG) Wadern verließ die Schule vor genau 50 Jahren. Anlässlich dieses Jubiläums hatte HWG-Schulleiterin Ellen Küneke die Abiturienten von 1968 zu einer Feier in ihre alte Schule eingeladen. Sie hat die Absolventen durch die alten und neuen Räume des HWGs geführt, wo sie ihren Erinnerungen nachspüren konnten. Andrea Bleil-Kunschert, Abiturientin des 68er Jahrgangs, hat ihre Erfahrungen zusammengetragen.

„1960 kamen wir in die fünfte Klasse des damaligen Realprogymnasiums Wadern. 56 Schüler in einer Klasse – es muss ein Alptraum gewesen sein, nicht nur für die Lehrer, nein auch für die Kinder“, erinnert sich Andrea Bleil-Kunschert. Sie habe sich sehr verloren gefühlt, wie sie es schildert. 1968 haben ihr zufolge 13 Schüler Abitur gemacht, wobei nur neun Schüler aus dieser ursprünglichen fünften Klasse stammten. „Es wurde also brutal gesiebt. Und auch ich wäre durch dieses Sieb gefallen, wenn ich in der fünften Klasse keinen Nachhilfeunterricht bekommen hätte“, weiß die 68er-Abiturientin zu erzählen.

„Im Vorfeld unseres Abiturjubiläums hatten wir viel diskutiert. Einige von uns waren der Meinung, wir hätten in der Abiturrede die Missstände zumindest erwähnen müssen, unter denen wir gelitten haben“, erinnert sich Andrea Bleil-Kunschert. Zu diesen Missständen gehören ihren Worten nach etwa Lehrer, die Schüler noch in der zehnten Klasse ohrfeigten, auch ohne dass diese Schüler etwas ausgefressen hatten. „Der Verdacht allein genügte“, blickt Andrea Bleil-Kunschert zurück. Dabei habe ihre Generation, die 68er, nach Meinung von Bleil-Kunschert maßgeblich dazu beigetragen, dass es solche Lehrer nicht mehr gibt.

1969 sei das „Verbot der körperlichen Züchtigung an Schulen“ in Kraft getreten. „Es liegt uns wirklich fern, im Nachhinein Schelte an unserer Schule zu betreiben, denn es war an allen Schulen so. Wir wollen vielmehr der jüngeren Generation zeigen, wie sehr sich die Schule zum Besseren verändert hat.“ HWG-Leiterin Ellen Küneke wurde von einer Schülerin ihrer fünften Klasse gefragt, wie es denn zu ihrer Schulzeit in der fünften Klasse gewesen sei. Sie meinte daraufhin, die Schüler seien sehr brav gewesen und die Lehrer sehr streng. „Die Antwort der Kleinen bringt es auf den Punkt“, sagt Andrea Bleil-Kunschert, „sie meinte, heute sei es genau umgekehrt.“

Trotz dieser Missstände hätten sich die Schüler damals dennoch wohl gefühlt. Weshalb? Andrea Bleil-Kunschert erzählt: „Uns fielen die vielen Lehrer ein, die freundlich waren, die uns gefördert haben, die uns mochten. „Zu dem erfreulichen Teil unserer Schulzeit gehört aber ganz essentiell unsere tolle Klassengemeinschaft. Wir sind immer noch befreundet und besuchen uns gegenseitig, auch über große Entfernungen. Für ihre Freundschaft, ihre Fröhlichkeit und ihren Humor möchte ich meinen Mitschülern ganz herzlich danken“, sagt Andrea Bleil-Kunschert abschließend.

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