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Obst- und Gartenbauverein Löstertal informiert zu Verbesserung der Artenvielfalt

Infoveranstaltung : Damit Steinkauz und Co. wieder herkommen

Mit einem Maßnahmepaket zur Biodiversität sollen bessere Lebensräume für Vögel, Insekten und Reptilien geschaffen werden.

Was kann man tun für mehr Ökosystemstabilität und Biodiversität und welche Möglichkeiten gibt es, Streuobstwiesen im Löstertal zu fördern? Mit diesen Fragen beschäftigte sich eine Informationsveranstaltung des Obst- und Gartenbauvereins Löstertal. Die Veranstalter luden zu diesem Anlass Ende Februar gleich mehrere Institutionen ein, darunter das Landesamt für Vermessung, Geoinformation und Landentwicklung, das Ministerium für Umwelt und Verbraucherschutz sowie die Landwirte und Imker, um zusammen darüber zu diskutieren, wie man das Löstertal wieder attraktiv für Insekten und Vögel gestalten kann.

Den Anfang machte Simone Hell vom Landesamt für Vermessung, Geoinformation und Landentwicklung, die über den aktuellen Stand der Flurbereinigung im Löstertal berichtete. So sei die 2009 gestartete Flurbereinigung von Oberlöstern-Kostenbach abgewickelt und die Zuordnung der Flächen zu ihren neuen Besitzern festgelegt. Somit können die Obst- und Gartenbauer in der Region Löstertal mit der Neuanlage von Streuobstwiesen und den Maßnahmen der Pflege und dem Erhalt alter Bestände beginnen. Wie Hell ausführte, „werden große Obstwiesen mit Hochstämmen gefördert“, die Mindestpflanzabstände von zehn, am besten 15 Metern einhalten. „Gepflanzt wird durch eine Baumschule und weitere drei Jahre gepflegt“, sagte Hell. Zusätzlich werde eine Absicherung im Grundbuch eingetragen, die 30 Jahre Bestand hat.

Björn Gebauer, zuständig für Agrarpolitik und Landwirtschaftliche Erzeugung beim Umweltministerium, stellte klar: „Antragsberechtigt sind Landwirte, Privatpersonen, Städte und öffentliche Einrichtungen.“ Um eine Förderung zu erhalten, müssen Empfänger sicher stellen, dass im zugesprochenen Verpflichtungszeitraum von fünf Jahren mindestens ein sachgerechter Erhaltungsschnitt erfolgt und dass Bäume in dieser Zeit nicht entfernt werden dürfen.

Darüber hinaus soll die Streuobstwiese regelmäßig gepflegt werden. Gebauer erläuterte, dass die Förderung aus Mitteln der Europäischen Union (ELER) und der Bund-Länder-Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes“ (GAK) pro gepflegtem und bewilligtem Baum 6,50 Euro beträgt – neu gepflanzte Hochstammobstbäume werden einmalig mit 55 Euro pro Baum gefördert. Besitzer müssen beim Setzen der Bäume auf zehn Meter Abstand mit Pfahl, Verbissschutz und Baumscheibe achten – „es gibt Kontrollen“, kündigte er an.

Um ehemals heimische Vögel wie den Wendehals, Grünspecht und Steinkauz wieder im Löstertal anzusiedeln, regte Bernd Konrad, Vorsitzender der Ortsgruppe Lockweiler-Krettnich des Naturschutzbundes (NABU), an, alte und ausgehöhlte Obstbäume stehen zu lassen und für den Artenschutz von Reptilien Steinhaufen zu verteilen.

Damit die Streuobstwiesen auch ein Zuhause für Insekten werden, forderte Johannes Neugebauer vom Imkerverein Wadern ein Umdenken und dass künftig auf Unkrautvernichter in Privatgärten verzichtet werde. Auch die Landwirtschaft sollte ihre Betriebsweise so umstellen, dass eine biologische Artenvielfalt und Ökosystemsstabiltät erzielt werde. „Zulassungsverbot von Steingärten, Aufzeigen von alternativen Bepflanzungsmöglichkeiten und die Anpflanzung von heimischen Arten in Gärten“, schlug Neugebauer ebenso vor. Für das Löstertal will er eine gleichmäßige Verteilung der Streuobstwiesen mit früh-, mittel-, und spätblühenden Bäumen. Auch an öffentlichen Plätzen müsse mehr getan werden: „Das wöchentliche Mähen muss aufhören“, sagte Neugebauer mit Blick auf die Stadt Wadern.

„Wir wollen die Akteure bündeln und in das Projekt zur Stabilisierung des Ökosystems und der Erhöhung der Biodiversität von Flora und Fauna im Löstertal einbinden“, resümierte Manfred Rappold, Vorsitzender des OGV Löstertal, nach der Veranstaltung. Ziel soll es sein, einen Konsens und ein Maßnahmenpaket mit einer kurz-, mittel- und langfristiger Vorgehensweise zu schnüren.