| 20:20 Uhr

Noswendel
Betroffene: Containerlösung wäre akzeptabel

Jenny Schirra zeigt mit Töchterchen Fiene das Außengelände der Kita, auf dem ihrer Meinung nach ein Container ohne weiteres unterzubringen wäre.
Jenny Schirra zeigt mit Töchterchen Fiene das Außengelände der Kita, auf dem ihrer Meinung nach ein Container ohne weiteres unterzubringen wäre. FOTO: Dieter Ackermann
Noswendel.

Wie konnte es zu der problematischen Entwicklung in der Kita „Villa Wackelzahn“ in Noswendel kommen, und wie kann es dort weitergehen? Darüber unterhielt sich die SZ mit Jenny Schirra, die als Diplom-Pädagogin fachlich fundiert etwas zu den pädagogischen Konzepten einer solchen Einrichtung sagen kann. Die außerdem eine fünfjährige Tochter, Elli, bereits in der Kita gut untergebracht weiß, und eine zweieinhalbjährige Tochter, Fiene, demnächst tagsüber dort gut betreut wissen möchte. Die junge Frau vertrat in diesem SZ-Gespräch auch die Meinung des gesamten Elternausschusses sowie des Fördervereins, als sie versicherte, dass sich bezüglich des Kindergartens eine wirklich paradoxe Entwicklung ergeben habe.


Noch vor fünf Jahren habe man den damals dreigruppigen Kindergarten wegen aktuellen Kindermangels auf zwei Gruppen verkleinern müssen. „Dazu gestaltete man den dritten Gruppenraum in einen kleinen Gymnastikraum um, was den Betreuerinnen und den Kleinen den Weg zur benachbarten Turnhalle ersparte.“ Ursprünglich sei diese Kita für insgesamt 50 Kinder ausgelegt gewesen. Die Kinderzahl habe sich dann auf aktuell 42 reduziert. Ab Sommer 2019 stünden dagegen insgesamt 75 Kindern im Dorf je ein gesetzlich garantierter Kita-Platz zu: „Und genau das brachte die Stadt Wadern als Träger unserer Einrichtung in die Bredouille.“

Ungeachtet der Zukunftsplanung, in einigen Jahren einen neuen Kindergarten im Freizeitzentrum zu errichten, sei jetzt wirklich Not am Mann: Wohin mit den zusätzlichen Kindern? Die angedachte Fahrerei einer neuen Kita-Gruppe nach Dagstuhl komme für die Eltern als Übergangslösung ebenso wenig in Betracht wie die Unterbringung im schimmelbelasteten Pfarrheim. Die stellvertretende Vorsitzende des Fördervereins belässt es aber nicht nur bei der Beschreibung von „unzumutbaren Lösungen“ – vielmehr haben sie und ihre Mitstreiter konkrete Ideen im Kopf, bei denen die meisten anderen Eltern ihrer Meinung nach „mitspielen“ würden. Alles zurück auf Anfang: „Aus dem umgewidmeten Gymnastikraum könnte wieder ein dritter Gruppenraum werden.“



Parallel dazu sollte der vorhandene Essraum in einen Container ausgelagert werden, der auf dem reichlich vorhandenen Gelände rund um die Kita leicht Platz finden würde. Schirra: „Damit würden die räumlichen Gegebenheiten so gestaltet werden, dass die Betreuerinnen des Kindergartens ihre großartigen pädagogischen Konzepte an Ort und Stelle weiterhin umsetzen können. Und der vorhandene Fußweg zur angrenzenden Turnhalle könnte wie früher wieder für den Gang zum Sport genutzt werden.“ Mit etwas gutem Willen und der Bereitschaft zu einer einvernehmlichen Lösung wäre damit der Stadt, dem Dorf und vor allem den Kindern zumindest als Übergangslösung geholfen.

Um Platz für den geforderten Container zu schaffen, wären die Eltern auch gerne bereit, vorhandene Spielgeräte gegebenenfalls in Eigenregie umzusetzen. Dies hatten sie schon in der vergangenen Ortsrats-Sitzung angeboten.

Auch der bei dieser Gelegenheit vom Ortsvorsteher angemahnten besseren Kommunikation habe sie bereits Taten folgen lassen. „Ich habe mich heute mit Bürgermeister Jochen Kuttler auf eine Gesprächsrunde mit kleiner Besetzung am 17. Dezember verständigt. Er konnte diesen Termin zwar noch nicht definitiv zusagen, aber das wäre zweifellos eine gute Gelegenheit, die verfahrene und unter großem Zeitdruck stehende Problematik einvernehmlich aus der Welt zu schaffen.“

Die engagierte Mutter zeigte in diesem SZ-Gespräch übrigens auch Verständnis für die Verärgerung der Kommunalpolitiker: „Die Politik in Berlin beschließt für alle einen Rechtsanspruch auf Kita-Plätze, und lässt dann die Kommunen finanziell im Regen stehen.“

Jenny Schirra sei jetzt aber zuversichtlich, dass eine Übergangslösung für Noswendel gefunden werden kann, mit der allen geholfen werden könne. Klar fügte sie aber ferner hinzu: „In das schimmelbelastete Pfarrheim schicke ich meine Kinder mit Sicherheit nicht!“ Am Rande erwähnte sie auch noch die nicht gerade geringen Kindergartenbeiträge, die schließlich von allen Eltern aufgebracht werden müssen.

Auch an der Treppe ist die Schimmelbelastung erkennbar.
Auch an der Treppe ist die Schimmelbelastung erkennbar. FOTO: Dieter Ackermann
Unübersehbarer Schimmelbefall in der Toilette des Erdgeschosses im alten Pfarrheim.
Unübersehbarer Schimmelbefall in der Toilette des Erdgeschosses im alten Pfarrheim. FOTO: Dieter Ackermann
Bei der Sitzung des Ortsrates von Noswendel wurde engagiert über das Kita-Problem diskutiert – mittendrin Ortsvorsteher Rudolf Hero (hinten rechts).
Bei der Sitzung des Ortsrates von Noswendel wurde engagiert über das Kita-Problem diskutiert – mittendrin Ortsvorsteher Rudolf Hero (hinten rechts). FOTO: Dieter Ackermann
(a-n)