Nordsaarlandklinik in Wadern: Gesundheitsministerium stellt Eckdaten vor

Kostenpflichtiger Inhalt: Nordsaarlandklinik in Wadern : 230 bis 290 Betten, etwa 400 Pflegekräfte

Gesundheitsministerium stellt Eckdaten für Nordsaarlandklinik vor. Interessenbekundungsverfahren soll Träger finden.

Die geplante Nordsaarlandklinik, für die vom Gesundheitsministerium nun über ein Interessenbekundungsverfahren bundesweit ein Träger gesucht wird, soll 230 bis 290 Betten haben und sechs bis sieben Fachabteilungen besitzen. Dies gaben Gesundheitsministerin Monika Bachmann (CDU) und ihr Staatssekretär Stephan Kolling am Dienstag vor Medienvertretern in Saarbrücken bekannt. Dort stellten Bachmann und Kolling Eckpunkte zu dem Interessenbekundungsverfahren vor, das demnach bereits angelaufen ist. Offen bleibt, wo der Standort für die neue Klinik sein soll. Die Ministerin sagte: „Wir haben da zwar was im Kopf, aber der Standort ist noch lange nicht bestimmt.“ Diese Frage müsse in enger Abstimmung mit einem möglichen Träger entschieden werden. Klar sei nur, dass das neue Krankenhaus sich im Nordsaarland befinden müsse. Damit ist unklar, ob die Klinik in Wadern entstehen und dort die Lücke schließen soll, welche die Schließung des St. Elisabeth-Krankenhauses vor zwei Jahren hinterlassen hat.

Von dieser Schließung sei die Landesregierung „böse überrascht worden“, sagte Ministerin Bachmann am Dienstag. „Diese Schließung war für uns in keinster Weise nachvollziehbar.“ Die Bürger in Wadern hätten diesen Schritt des Klinikbetreibers Marienhaus „berechtigterweise nicht hingenommen und sich zu einer Bürgerinitiative zusammengeschlossen“, sagte Bachmann. Sie zollte der BI Anerkennung: „Sie machen das sehr gut.“ Zwar habe ihr Ministerium in der weiteren Folge eine Bestandsgarantie für das Krankenhaus in Losheim vom Träger erzwungen (Bachmann: „Wir hoffen, dass das auch Bestand haben wird“) und zusammen mit dem Landkreis durch den Neubau einer Rettungswache die Notfallversorgung in Wadern zu stärken versucht. Aber, so räumte Bachmann ein: „Die Menschen im Hochwald haben sich trotz dieser Maßnahmen unterversorgt gefühlt – das kann man auch verstehen.“

Für das Ministerium stehen die Arbeiten an einer mittelfristigen Krankenhaus-Planung bis zum Jahr 2027 bevor. Dabei soll die Nordsaarlandklinik eine Rolle spielen, auch wenn es nicht gelungen sei, unter den bestehenden Trägern saarländischer Krankenhäuser einen zu finden, der sich für die Umsetzung des Projektes interessiere. Darum gehe das Land nun einen neuen Weg, sagte Staatssekretär Kolling. „Wir werden bundesweit alle Partner, Dienstleister und Anbieter im Krankenhauswesen anschreiben und auffordern, sich zu beteiligen.“ Die Landesregierung suche Antworten auf zwei Fragen: Welcher Träger wäre bereit, im nördlichen Saarland ein Krankenhaus zu errichten? Und welche finanziellen Möglichkeiten und Ideen haben die Träger, um einen Eigenbeitrag zu den Investitionskosten für ein solches Projekt, die Kolling auf 90 bis 120 Millionen Euro bezifferte, zu leisten? Kolling: „Uns ist klar, dass wir nicht von einem Träger erwarten können, dass er diese Kosten zu 100 Prozent aus Eigenmitteln wird tragen können.“

Das Ministerium habe ein Haus mit 230 bis 290 Betten im Auge, das über folgende Fachabteilungen verfügen soll: internistische Medizin inklusive einer konservativen Kardiologie, Onkologie, Allgemeine Chirurgie, Orthopädie mit Unfallchirurgie, Intensivmedizin und eine überregional ausgerichtete Stroke Unit, also eine Intensiv-Behandlungseinheit für Schlaganfallpatienten. Kolling: „Auch eine Geriatrie mit Tagesklinik können wir uns vorstellen.“ Nach seinen Schätzungen würden für ein derart ausgestattetes Klinikum rund 400 Pflegekräfte benötigt. Er verwies darauf, dass eine Machbarkeitsstudie 2017 zu dem Schluss gekommen sei, dass eine Nordsaarlandklinik unter bestimmten Bedingungen wirtschaftlich arbeiten könne. Dazu zähle, dass eventuell medizinische Angebote aus anderen, umliegenden Häusern in das neue Klinikum verlagert würden. Kolling: „Das Gutachten hat gesagt, um ein Haus mit 230 bis 290 Betten betreiben zu können, bedarf es einer Transformation der umliegenden Standorte.“ Welche Konsequenzen die Verwirklichung einer Nordsaarlandklinik für die umliegenden Krankenhäuser in Lebach, Losheim oder Hermeskeil und auch für die größeren Kliniken in Merzig oder St. Wendel haben werde, müsse noch geklärt werden, sagte Ministerin Bachmann.

Wie Kolling ausführte, solle das Interessenbekundungsverfahren bis Ende März 2020 laufen. Dann hoffe man, dass sich potenzielle Interessenten für die Realisierung der Klinik gefunden haben. Nach Einschätzung von Kolling dürfte es, sollte sich ein Träger finden, noch fünf bis sechs Jahre dauern, bis die neue Klinik realisiert ist. „Alles ist denkbar, vom Privaten bis zum Lokalmatador, jeder kann Träger sein“, sagte die Ministerin. Sie erklärte, dass es bei diesem Projekt nicht allein auf die Wirtschaftlichkeit ankommen dürfe: „Wir haben die Verpflichtung, die medizinische Versorgung der Bevölkerung sicherzustellen.“ Ihr Staatssekretär äußerte sich ähnlich: „Wir haben einen Versorgungsauftrag, der orientiert sich nicht Wirtschaftlichkeit, sondern an der bedarfsgerechten Versorgung der Bevölkerung.“

Monika Bachmann  Foto: Oliver Dietze/dpa. Foto: dpa/Oliver Dietze

An diesem Montag ist Ministerin Bachmann Teilnehmerin einer Podiumsdiskussion zum Thema Nordsaarlandklinik. Diese beginnt um 19.30 Uhr in der Herbert-Klein-Halle in Wadern.

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