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Neue Mitteilungen des Vereins für Heimatkunde Wadern erschienen

Verein für Heimatkunde Wadern : Die NS-Zeit ist in beiden neuen Heften ein Thema

Neue Mitteilungen des Vereins für Heimatkunde in Wadern sind erschienen.

Der Verein für Heimatkunde hat wieder viele Beiträge zur Geschichte der Region zusammengetragen. Wie die Stadt Wadern mitteilt, sind diese nun in den Heften 24 und 25 der Mitteilungen des Vereins für Heimatkunde erschienen.

In einem Beitrag von Dr. Thomas Schnitzler über Theodor de Lasalle von Louisenthal werden die Rolle des letzten Herrn aus der Familie Lasalle von Louisenthal auf Schloss Dagstuhl als Euthanasieopfer der NS-Herrschaft, dem seit 2016 auch ein Stolperstein vor dem Brüderkrankenhaus in Trier gewidmet ist, und dessen weiterer Leidensweg thematisiert. Der Beitrag des ausgewiesenen Experten für Euthanasie und Zwangssterilisation im Dritten Reich ist aufgrund seines Umfanges auf die beiden Hefte aufgeteilt, wie es in der Mitteilung heißt.

Dem historischen Kern der Gespenstergeschichten in der Sagenüberlieferung des Hochwalds widmet sich darüber hinaus in Heft 24 Professor Johannes Dillinger, Ordentlicher Professor für Geschichte der Frühen Neuzeit in Oxford (Brookes) und außerordentlicher Professor in Mainz. In den exemplarisch dargelegten Geschichten zeichnen sich unterschiedliche Erfahrungen und Mentalitäten ab, die ebenso Eingang in die Sagen fanden wie die zum Teil verzerrte Erinnerung an konkrete historische Persönlichkeiten.

Heft 25 enthält einen Beitrag von Lena Haase, Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Professur für Neuere und Neueste Geschichte der Universität Trier, über Wadern im Visier der Gestapo. Im Rahmen ihres Dissertationsprojekts untersucht sie das Verhältnis von Justiz und Polizei im Nationalsozialismus mit einem Schwerpunkt auf dem Regierungsbezirk Trier Zu Letzterem gehörte auch der Restkreis Wadern, nachdem dieser im Jahre 1920 im Zuge der von den Franzosen als Siegermacht erzwungenen Gründung des Saargebiets als politisches Gebilde unter Völkerbundsmandat vom Stammkreis Merzig abgetrennt worden war. Mit der Übernahme der Herrschaft durch die Nationalsozialisten in Deutschland geriet der Restkreis Wadern – ebenso wie der Kreis Saarburg – unter besondere Beobachtung der Trierer Gestapo, weil sich über die Grenze zum Saargebiet vielfältige Kontakte mit dort ansässigen bzw. dorthin geflüchteten Gegnern des NS-Regimes ergaben.

Erstmals als Edition legt der laut Stadt nicht zuletzt durch einschlägige Forschungen in der Region weithin bekannte Historiker Dr. Hans-Joachim Kühn eine Baurechnung der Erbengemeinschaft auf Burg Dagstuhl aus den Jahren 1466 bis 1480 vor. Mit der Baurechnung aus dem nahe gelegenen Nohfelden (1480) zählt diese zu den ältesten erhaltenen Bauakten überhaupt. Der Rechnungstext gibt nicht nur tiefe Einblicke in Art und Ausführung anstehender Arbeiten, verbautes Material und zum Bau benutzte Geräte sowie die dabei entstandenen Kosten für Material und Löhne, sondern auch in vielfältige Bereiche des täglichen Lebens wie Tierhaltung, Getreideanbau oder das Tragen von Waffen.

Den Abschluss des Hefts bildet ein knapper Rückblick von Christoph Kaub auf die 1919 erbaute Schlosserei Aatz-Backes in der Waderner Poststraße, die zwischenzeitlich unter anderem als Limonadenfabrik fungierte und schließlich 2016 abgerissen wurde.

Titelblatt von Heft 25 Foto: Stadt Wadern

Heft 24 und Heft 25 der Mitteilungen des Vereins für Heimatkunde Wadern sind zum Preis von jeweils fünf Euro bei der Bücherhütte Wadern, im Haco Einkaufszentrum und im Rathaus erhältlich. Für Mitglieder des Vereins sind die Hefte kostenlos. Wer Mitglied werden möchte, kann sich an den Verein wenden: Vorsitzender Dr. Jörg Müller, Goethestraße 24, Wadern, Tel. (0 68 71) 92 22 59, E-Mail: heimatkunde.wadern@gmail.com. Der Mitgliedsbeitrag beträgt 15 Euro im Jahr.