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Nunkirchen
Musik erzählt von Stärke und von Hoffnung

Der Leiter des Oratorienchores, Lukas Schmidt.
Der Leiter des Oratorienchores, Lukas Schmidt. FOTO: Lukas Schmidt
Wadern. Der Oratorienchor der Stadt Wadern probt für die „Johannespassion“. Chorleiter Lukas Schmidt über Musik, Glaube und die Arbeit mit dem Chor. Von Ruth Wagner

Der Oratorienchor der Stadt Wadern führt, mit Mitgliedern der Kantorei St. Peter und Paul Losheim und Solisten, am Sonntag, 18. März, um 18 Uhr in der Pfarrkirche Herz Jesu Nunkirchen die „Johannespassion“ von Gottfried August Homilius auf. Der Leiter des Chores, Lukas Schmidt, stellt das Werk und den Chor vor.


Weshalb haben Sie sich gerade für dieses relativ selten aufgeführte Werk entschieden?

Lukas Schmidt: Es hängt zunächst völlig von der Musik ab, wenn ich mich für ein Werk entscheide. Der Oratorienchor hat schon viele Oratorien aufgeführt, jedoch noch keine Passion. Deshalb gab es den Wunsch, nun einmal ein Werk dieser Art zu musizieren. Ich habe die Johannespassion von Homilius ausgewählt, denn gerade, dass sie eher selten aufgeführt wird, macht sie reizvoll. Die Vertonung ist bezaubernd, sehr abwechslungsreich und birgt auch einige Überraschungen.

Was macht die Originalität der Johannespassion aus, vom Konzept und von der Musik her?

Schmidt: Der Aufbau der Johannespassion entspricht ganz dem der barocken Passionsoratorien. Es gibt Volkschöre, Choräle, Rezitative, Arien und einen großen Schlusschor. Die Rezitative und Volkschöre erzählen die Leidensgeschichte Jesu, wie sie beim Evangelisten Johannes überliefert ist. Kunstvolle Arien lassen die Solistinnen und Solisten ihr Können unter Beweis stellen. Der Evangelist erzählt die Passionsgeschichte in feinsinnigen Rezitativen. Die Volkschöre sind abwechslungsreich, in den Chorälen verwendet Homilius frühklassische Harmoniewendungen. Die Mischung aus barocker und frühklassischer Harmonik macht die Musik sehr interessant und keineswegs traurig. Innerhalb der kompletten Passion stehen die Erlösung der Menschheit durch Christi Tod und der Auferstehungsgedanke im Vordergrund. Der aufmunternde Klang der Hörner unterstützt diese aufkommende freudige Stimmung.



Was, glauben Sie, hat dieses Werk uns heute noch zu sagen?

Schmidt Als gläubige Christen sagt uns dieses Werk heute noch sehr viel. Ich verspüre eine gewisse Dankbarkeit, wenn ich diese Musik mit diesem Inhalt musizieren darf. Für Homilius steht in der Leidensgeschichte die Erlösung im Vordergrund. Wäre Christus nicht gestorben und auferstanden, wäre die Menschheit nicht erlöst. Das glauben wir, und dafür sollten wir dankbar sein. Auch heute müssen viele Menschen leiden. Vielleicht finden sie einen Funken Hoffnung in ihrem Glauben. Das versucht uns Homilius mit dieser Musik zu vermitteln.

Das Konzert musste ja völlig neu einstudiert werden. War es schwierig, dafür Solisten zu gewinnen, da diese ja nicht wissen, ob sie es je wieder singen werden? Wen haben Sie engagiert?

Schmidt: Ich denke, dass es auch für die Solisten eine interessante Herausforderung ist und sie mit Freude an das „unbekannte Neue“ herangehen. Zudem bin ich mir sicher, dass diese Musik in den kommenden Jahren mehr und mehr aufgeführt wird. Ich bin dankbar, dass ich renommierte Solisten engagieren konnte: den Sopranpart singt Anne Kathrin Gratz, die Altpartie Judith Braun, den Tenor Manuel Horras und den Bass Peter Schöne. Unser Losheimer Pastor Peter Alt wird die Pilatus-Worte aus dem Chor heraus solistisch singen.

Wie lange laufen die Proben schon? Sind Sie zufrieden mit der Arbeit des Chores?

Schmidt: Wir proben seit einem halben Jahr. Man muss bedenken, dass es ein recht umfangreiches Werk ist. Gerade die Einsätze des Chores kommen sehr abrupt und müssen gut eingeübt werden. Der Chorgesang ist facettenreich und muss durch die vielen verschiedenen Aussagen und Stimmungen vom Chor zu jeder Zeit völlig unterschiedlich gestaltet werden. Ich bin sehr zufrieden, und es macht mir Freude mit dem Chor zu musizieren.

Führt das Konzept, dass sich neben festen Chormitgliedern, auch Sängerinnen und Sänger jeweils nur für ein Projekt engagieren, dann wieder aussetzen oder ganz aussteigen, nicht zu einer großen Fluktuation oder gar einem schleichenden Mitgliederschwund? Oder nützt es vielleicht der Qualität des Chores, weil für Berufstätige so auch die Möglichkeit zur Teilnahme besteht?

Schmidt: Es gibt schon längere Zeit einen festen Stamm an Sängern des Oratorienchores. Ebenso singen auch viele Mitglieder der Kantorei St. Peter und Paul Losheim ständig bei großen Konzerten mit. Von daher ist der Mitgliederschwund zum Glück gar nicht so groß, denn ein individueller Chorklang muss über lange Zeit hinweg wachsen. Nichtsdestotrotz ist es auch gut, dass viele gute Choristen, die sich nicht fest binden können, hier die Möglichkeit haben, mitzusingen, auch wenn es nur für ein Projekt ist. Viele bleiben aber „hängen“. Über gute Sängerinnen und Sänger freut sich natürlich jeder Chorleiter.

Die Fragen stellte Ruth Wagner.