Alter Brauch: Mit Erbsenrad den Winter vertrieben

Alter Brauch : Mit Erbsenrad den Winter vertrieben

Zahlreiche Besucher wollten dabei sein, als in Wadrill mit einem Feuerspektakel die kalte Jahreszeit ausgetrieben wurde.

„Bei uns daheim in Hermeskeil war an diesem Sonntag nix los, also ging es mit und auf Anraten von Bekannten zum Lauf des Erbsenrades nach Wadrill“, sagte Hans Werner Kraus aus dem zwölf Kilometer entfernten Städtchen im nachbarlichen Bundesland. Bereut hat er diesen Ausflug nicht, denn zum ersten Mal konnte er den uralten Feuerbrauch hautnah erleben, den die Heimat- und Naturfreunde alljährlich am ersten Fastensonntag im Hochwaldort pflegen. „Es war schön, das Schauspiel mal erlebt zu haben. Dazu haben auch die Eier und sogar das saarländische Bier geschmeckt“, bekannte der Anhänger und Liebhaber solcher Brauchtümer, bedauerte gleichzeitig, dass es dies in seiner Region nicht gebe.

Aus Saarhölzbach war die Familie Marco und Carla Oswald mit ihren Kindern Lars, Emely und Sören angereist. „Wir hatten in der Saarbrücker Zeitung den Vorbericht gelesen, wollten dieses Spektakel mal vor Ort live erleben und sind nicht enttäuscht worden. Es war schon ein faszinierender Anblick“, sagte der Familienvater. Die Kinder fanden das ebenfalls im Gleichklang „ganz toll“. Und weil der Lauf des Erbsenrades eine lange Tradition im Hochwaldort hat, kommen auch viele gebürtige Wadriller, die jetzt auswärts wohnen, immer gerne an diesem ersten Fastensonntag auf einen Sprung nach Hause, auch um ihren Kindern dieses Schauspiel zu zeigen.

„So viele Leute wie heute waren schon lange nicht mehr da. Mit ein Grund war auch die geführte Wanderung rund um Wadrill vor dem Lauf des Erbsenrades, die von der Stadt Wadern organisiert worden war“, gab sich auch Vereinsvorsitzender Rainer Maring äußerst zufrieden. Über 1000 Eier mussten die Frauen vom Verein zusammen mit dem Speck in die Pfannen hauen, bis auch die letzten Gäste mit einer ordentlichen Portion bedient waren. So lobte denn Helmut Schiweck aus Merzig das Engagement des Wadriller Heimatvereins, diesen Brauch alljährlich zu wiederholen. „Da steckt schon viel Mühe dahinter“, lobte er die Mitglieder für ihre ehrenamtliche Arbeit.

Ins Schwitzen kamen Lukas Maring, Manfred Schneider, Daniel Barbian und Florian Barbian. Dieses Quartett rollte nach dem gemeinsamen „Großer Gott, wir loben Dich“, gespielt vom Musikverein, sowie dem Anzünden der Kerzen, des Kreuzes und des Erbsenrades das brennende Feuerrad an einer Stange rund 500 Meter von der Anhöhe Perscher Kopf bis in die Wadrill. Mit dem Erlöschen des Rades haben die Urkräfte des Lebens, Sonne, Erde und Wasser, ihr gemeinsames Wirken erledigt, denn der Brauch des Erbsenrades ist die symbolische Verbindung dieser drei Elemente. Das brennende Rad ist das Symbol der Sonne. Sie soll den Winter vertreiben und die Erde aus dem Winterschlaf wecken. Ihre wärmende Kraft wird vom Himmel herabgeholt, damit sie sich mit der Erde verbindet. Wenn schließlich das Rad am Ende seines Weges im Bach erlischt, ist auch die dritte Kraft, das Wasser, eingebunden.