1. Saarland
  2. Merzig-Wadern
  3. Wadern

Kuttler sieht Zukunftsperspektive einer Reaktivierung skeptisch

Komplexes Thema in Wadern : Waderns Bürgermeister will Chance auf Reaktivierung wahren

„An sich kann ja niemand etwas dagegen haben, wenn Überlegungen angestellt werden, wie man die Situation des Öffentlichen Nahverkehrs (ÖPNV) im nördlichen Saarland nachhaltig verbessern kann“, sagt Waderns Bürgermeister Jochen Kuttler auf SZ-Anfrage.

Doch gerade die Zukunftsperspektive für den Strecken­abschnitt Schmelz-Büschfeld sieht er skeptisch. „Wenn die Reaktivierung von Dillingen bis Schmelz mit 18 Millionen Euro, die von Schmelz bis Büschfeld aber mit 50 Millionen veranschlagt wird und allein für die Strecke Saarlouis-Schmelz laut Wirtschaftsministerium ein Realisierungszeitraum von 15 bis 25 Jahren in Betracht kommt, dann darf man sich schon fragen, ob es Sinn macht, diesen Weg zu gehen“, sagt er. Glaube man der Analyse der Experten, gebe es nur wenig stichhaltige Argumente, wieder Züge auf die Schienen zwischen Schmelz und Limbach zu setzen. Die Wirtschaftlichkeitsprüfung für diesen Strecken­abschnitt falle mehr als bescheiden aus. Dennoch will er sich nach seinen Worten zumindest die Chance auf eine Reaktivierung der Strecke nicht nehmen lassen. „Kein Mensch kann heute sagen, wie der Öffentliche Transport von morgen oder auch der Gütertransport organisiert sein wird.“ Insofern habe die Stadt Wadern dem Wirtschaftsministerium vorgeschlagen, die Strecke vorab, wie bislang auch vorgesehen und zugesichert, als Radweg auszubauen.

Damit wäre die Trasse auch für eine künftige eventuelle Neunutzung für den Schienenverkehr gesichert. „Wenn ich mir anschaue, dass allein für eine Reaktivierung des Streckenabschnitts Saarlouis-Schmelz mindestens 15 bis 20 Jahre im Raum stehen, dann ist es meiner Meinung nach besser, 25 Jahre den Abschnitt Limbach-Büschfeld und in der Folge nach Wadern für Radfahrer attraktiv zu machen, zumal wir dank des E-Bikes gerade einen wahren Fahrradboom erleben – auch und gerade im Alltagsradverkehr.“

Egal, wie man die Sache sehe, eine wie auch immer geartete Reaktivierung der Bahnstrecke Limbach-Büschfeld sei ein Komplettneubau. Insofern sei es kaum zu verantworten, den Lückenschluss des Radweges Schmelz-Wadern für fast ein Vierteljahrhundert ungenutzt zu lassen in der vagen Hoffnung, dass dort irgendwann einmal jemand eine Zugstrecke realisieren würde. „Die Stadtverwaltung hat deshalb den Vorschlag unterbreitet, mit der Realisierung des Radwegabschnitts Limbach-Büschfeld eine Art Trassensicherung vorzunehmen“, sagt Kuttler. Damit würde die stillgelegte Bahntrasse im Eigentum des Landes bleiben und man würde sich langfristig alle Entscheidungsmöglichkeiten – auch in Richtung einer Reaktivierung der Bahnstrecke – offenhalten.

Was die Reaktivierung des Abschnitts Losheim-Merzig angeht, ist man laut Kuttler im Waderner Rathaus schon überrascht über die doch recht schlechte Kosten-Nutzen-Analyse der Strecke. „Da ist ja praktisch alles vorhanden, was man braucht, um den ÖPNV wieder auf die Schienen zu setzen.“ Der Teufel steckt aber auch hier vermutlich im Detail.

Neben dem Thema Kosten stelle sich auch die Frage, wie attraktiv eine Verbindung Losheim-Merzig für den Hochwald sein könnte. Wenn man mit dem Auto wesentlich schneller in Merzig oder in Saarbrücken sei als mit dem Zug, werde kaum jemand auf die Bahn umsteigen. Das sei allerdings eher eine Frage der Art und Weise der Reaktivierung, weniger die der grundsätzlichen Realisierung. „Wenn ich jetzt mal rumspinne, dann könnte ich mir durchaus einen Hochwaldbahnhof vorstellen, zum Beispiel am ehemaligen Kornspeicher in Niederlosheim, allerdings nur, wenn die Voraussetzungen so sind, dass der Alltagsnutzen der Strecke tatsächlich in die Köpfe der Menschen gebracht werden kann. Dafür bedarf es aktuell aber viel Phantasie.“

Er spricht nach seiner Darstellung aus leidvoller Erfahrung: „Als die Saarbahnstrecke bis Lebach ausgebaut wurde und das Mammutprojekt endlich fertiggestellt war, hat das halbe Saarland gejubelt. Für die Stadt Wadern und damit für den nördlichen Hochwald hat die Umstellung auf den schienengebundenen Verkehr allerdings nur Nachteile gebracht. War man vorher in knapp einer Stunde via Lebach in Saarbrücken, wird man heute meistens über Merzig und St. Wendel geschickt, mit der Konsequenz, dass rund anderthalb Stunden für die kleine Weltreise zu veranschlagen sind.“ Die Wirklichkeit heute: „Die Leute nehmen das Auto, was ja eigentlich alle verhindern wollen. Ob das im Sinne des Erfinders ist?“