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Kuttler: Marienhaus-Idee keine Option, Krankenhaus muss nach Wadern

Kostenpflichtiger Inhalt: Medizinische Versorgung : Waderns Bürgermeister trotz fehlendem Interesse an Nordsaarlandklinik optimistisch

Fünf Träger haben Ideen, wie die medizinische Versorgung im Nordsaarland aussehen könnte. Waderns Bürgermeister Jochen Kuttler zeigt sich offen für Diskussionen – der Vorschlag vom Marienhaus sei aber keine Option.

Kein Träger hat im Interessenbekundungsverfahren angeboten, eine Klinik im Nordsaarland zu bauen. Aber: Es gibt mehrere Vorschläge, wie eine Lösung für das Nordsaarland aussehen könnte (die SZ berichtete). Diese stammen von der Marienhaus GmbH, der Saarland Heilstätten GmbH (SHG), der Caritas-Trägergesellschaft Saarbrücken, der Sophienstiftung und von Ameos aus der Schweiz.

Ein „Wunschergebnis“ sei das nach Worten von Waderns Bürgermeister Jochen Kuttler nicht, aber „ein Ergebnis, auf dem wir sehr gut aufbauen können“. Der Wunsch der Stadt sei es natürlich gewesen, dass ein Betreiber sich bereit erkläre, ein großes zentrales Krankenhaus vor Ort zu realisieren, sagt der Verwaltungschef in einer ersten Stellungnahme. „Angesichts der positiven Rückmeldungen aus dem Ministerium im Laufe des Interessenbekundungsverfahrens waren wir eigentlich optimistisch gestimmt, dass sich ein Interessent für den Bau und den Betrieb eines Zentralklinikums finden würde.“ Doch auch wenn dies nicht der Fall sei, sei das Ergebnis des Verfahrens für die Stadt dennoch ein Erfolg, befindet Kuttler: „Wir haben nie einen Zweifel daran gelassen, dass wir alles tun werden, um die ambulante, aber auch die stationäre medizinische Versorgung im nördlichen Saarland zu verbessern. Und genau daran arbeiten wir weiter.“

Die fünf Offerten der fünf Krankenhausträger seien laut Kuttler ein Zeichen dafür, dass alle Beteiligten erkannt hätten, dass es so, wie es ist, nicht bleiben könne. Auch zeige der Vorschlag des Ministeriums, mit den Interessenten Gespräche aufzunehmen und mit ihnen gemeinsam zukunftsweisende Konzepte für stationäre Versorgungsmodelle im Nordsaarland zu entwickeln, dass der Handlungsbedarf mittlerweile von allen Akteuren geteilt werde. „Allein dieses Umdenken erreicht zu haben, ist ein Erfolg an sich“, betont Kuttler.

„Es ist in erster Linie dem oft stillen, manchmal deutlichen, aber nie schrillen Protest der Bürgerinitiative Nordsaarlandklinik zu verdanken, dass wir jetzt an diesem Punkt stehen und, so wie es aussieht, gute Chancen haben, in Wadern wirklich neue Wege zu gehen“, sagt der Waderner Verwaltungschef. Das Engagement der rund 700 Mitglieder zählenden Bürgerinitiative spiegele dabei die Haltung der Bevölkerung nicht nur in der Stadt Wadern selbst wider, sondern sei repräsentativ für die Menschen im ganzen Einzugsbereich des Mittelzentrums Wadern. Auch Stadtrat, Bürgermeister und Stadtverwaltung der Stadt Wadern hätten nach Kuttlers Worten nie einen Zweifel daran gelassen, dass es so, wie es nach der Schließung der Waderner St.-Elisabeth-Klinik im Jahr 2017 war, auf keinen Fall bleiben könne, zumal auch die ambulante Betreuung aufgrund der Unterversorgung des Bereichs Wadern-Weiskirchen-Nonnweiler mit Haus- und Fachärzten immer stärker zutage trete.

Genaue Kenntnis habe die Stadt Wadern derzeit nur über die Angebote von Marienhaus und SHG. Zu Ersterem sagt Kuttler: „Das Angebot der Marienhaus GmbH kommt für uns nicht in Frage.“ Die Gründe seien nach Worten des Bürgermeisters an anderer Stelle schon ausführlich dargelegt worden. „Mit einem Ausbau in Losheim ist niemanden geholfen, der vom Bohnental, aus Nonnweiler und auch aus Teilgebieten der Stadt Wadern noch immer weite Wege in Kauf nehmen muss, um eine stationäre medizinische Versorgung in Anspruch zu nehmen“, betont Kuttler. Genau aus diesem Grund hätten sich die Stadt Wadern, die 700 Mitglieder der Bürgerinitiative Nordsaarlandklinik, der Stadtrat Wadern, Bürgermeister, Verwaltung und auch die Bürger im Nordsaarland für die Realisierung eines zentralen Klinikums – in Wadern – ausgesprochen. Die Forderung nach Wadern als Standort hätten der Stadtrat Wadern und der Gemeinderat Weiskirchen im Februar mit ihrer gemeinsamen Resolution unterstrichen.

Für das Mittelzentrum Wadern ginge mit einer Umstrukturierung in Losheim keinerlei Stärkung einher, weder was die Versorgung mit medizinischen Dienstleistungen angeht noch was die Wirtschaftskraft angehe, betont Kuttler. Angesichts des Einzugsgebiets von 40 000 Menschen in der Region, für die Wadern der Bezugspunkt ist, sei ein solches Szenario völlig unannehmbar.

Konzeptionell, spannend und ambitioniert sei aber das Konzept, das die SHG vorgelegt hat. Die explizite und weitreichende Verzahnung von ambulanter und stationärer Versorgung sei nach Kuttlers Worten ebenso zukunftsweisend wie in der Region auch notwendig.

Die Realisierung eines Klinischen Zentrums mit ambulanter, teilstationärer und stationärer Rund-um-die-Uhr-Notfallversorgung im Kernort Wadern, die gerade in Sachen Herzinfarkt und Schlaganfall rasch und umfassend aktiv werden könne, entspreche einer Grundforderung der Bevölkerung in der Region. Auch die Kombination des Vor-Ort-Angebots mit der Expertise in den Kliniken in Merzig und Völklingen und weiteren Anbietern von medizinischen Dienstleistungen – ob über Telemedizin oder Shuttle – wären ein Meilenstein auf dem Weg, im ländlichen Raum Angebote vorzuhalten, die sonst nur in Ballungsräumen zu finden sind. Hier lohne es sich nach Ansicht der Stadt auf jeden Fall, tiefer in die Diskussion einzusteigen, zumal einige Punkte des Konzepts auch in der aktuellen Strategie der Realisierung des Gesundheitsparks im Kernort Wadern wiederzufinden seien.

„Genaues Hinschauen, Hinhören und Diskutieren lohnt sich“, betont Kuttler, „auch über die weiteren Angebote, die dem Gesundheitsministerium vorliegen.“ Der Verwaltungschef sagt weiter: „Wir bleiben gesprächsbereit und offen für alle sinnvollen Vorschläge, die mit einem Kooperationspartner, vielleicht auch in einer Vernetzung verschiedener Akteure zu erreichen sind. Unser Ziel ist und bleibt die Stärkung der stationären und ambulanten medizinischen Versorgung im nördlichen Saarland. Und zwar ausgehend vom Standort Mittelzentrum Wadern.“ Mit Spannung warte die Stadt Wadern deshalb auf die Auswertung der Angebote durch die Experten des Gesundheitsministeriums – und auf die Details zu den Projekten, denn erst damit sei eine Diskussion möglich.

Kuttler verweist abschließend auf die schwierige wirtschaftliche Situation vieler Krankenhäuser und die Schwächen und Herausforderungen, die das System in der Corona-Krise zeige. Diese sowie auch die Rahmenbedingungen, die sich ständig veränderten, geben nach seinen Worten den Weg vor.

Jochen Kuttler Foto: TINA MANN

„Die Diskussion, die wir hier im nördlichen Saarland angestoßen haben, kann nur der Beginn eines umfassenden Umdenkens in der Gesundheitsversorgung der Menschen gerade im ländlichen Raum sein“, erklärt der Bürgermeister. „Das ist ebenso spannend wie schwierig, letztendlich ist es aber alternativlos angesichts der Herausforderungen, der wir uns gegenübersehen. Und ich schließe für meinen Teil heute nicht aus, dass am Ende des Konsolidierungsprozesses, der noch etliche Kliniken – auch und gerade im Saarland – die wirtschaftliche Grundlage nehmen wird, doch noch ein Zentrales Klinikum im Nordsaarland steht.“ Es gelte daher, die Entwicklung ganz genau im Blick zu haben und mit aller Kraft für gleichwertige Lebensverhältnisse zu kämpfen. Kuttler betont: „Wir wollen und wir fordern, dass den Menschen im Hochwald eine ambulante wie stationäre medizinische Versorgung zu Teil wird, die ihren berechtigten hohen Ansprüchen gerecht wird.“