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Besuchsdienst im Krankenhaus in Wadern: Jubiläum zur denkbar schlechtesten Zeit

Besuchsdienst im Krankenhaus in Wadern : Jubiläum zur denkbar schlechtesten Zeit

Seit 25 Jahren engagiert sich ein ehrenamtlicher Besuchsdienst im Krankenhaus in Wadern — einer Klinik, die noch 2017 schließen soll.

Die Stimmung ist gedrückt, und das in allen vier Häusern des Klinikverbundes Hochwald-Saar (siehe Info). Die Kooperation sollte ja verhindern, dass eines der Häuser geschlossen wird. Doch mit der Marienhausklinik St. Elisabeth Wadern trifft es ein Stammhaus der seit 1863 aktiven Waldbreitbacher Franziskanerinnen.
Seit 1865 wirken Schwestern in Wadern, ihrem dritten Standort. Vier Jahre später gingen sie auch nach Hermeskeil. Das vom Orden 1884 gebaute Waderner Krankenhaus dient heute als Alten- und Pflegeheim. Denn 1983 wurde ein Neubau bezogen.

Dass das Haus schließen soll (wir berichteten), trifft nicht nur Angestellte, sondern auch Ehrenamtliche, die sich dort seit 25 Jahren engagieren. Ihr Christlicher Krankenhaushilfsdienst (CKH) gründete sich am 25. Mai 1992 aus der Katholischen Frauengemeinschaft heraus.

Fünf der einst 30 Ehrenamtlichen sind noch heute dabei. Darunter Christel Schmitt, damals federführend, und Renate Arend. Sie sei täglich vor Ort, betont Annette Münster-Weber, die als Krankenhausoberin der vier Häuser unter anderem für Ehrenamtliche zuständig ist. Die Frauen in Wadern hätten das „von Anfang an sehr professionell aufgezogen“. Als Beispiel nennt sie Dienstplänen vergleichbare feste Zeiteinteilungen. Sie legen fest, wer sich wann auf welcher Station einbringt. Die aktuell zwölf Frauen engagierten sich „im Sinne der Ordensgemeinschaft“ und eines „Für-Andere-Daseins“. Umso bedauerlicher ist es für sie, dass das Jubiläum  „in dieses Schicksalsjahr“ fällt. Zu den selbst auferlegten Aufgaben der Frauen zählt all das, wofür Angestellten die Zeit fehlt. Sie besuchen Patienten, hören zu, unterhalten sich mit ihnen oder lesen vor, erledigen Besorgungen und begleiten zu Spaziergängen wie zu Behörden oder Untersuchungsterminen, Fahrdienste mit eingeschlossen. Wer verhindert ist, kümmert sich eigen-
initiativ um eine Vertretung. Orientierungshilfen bieten selbst verfasste „Goldene Regeln“ und ein Tätigkeitskatalog.

Laut Arend achteten sie aber stets darauf, „dass das Ehrenamt nicht das Hauptamt ersetzt“. Sie hätten sich immer rausgehalten aus der Pflege. Den Wandel im Waderner Krankenhaus konnte das nicht aufhalten. Binnen 30 Jahren wurden aus vier Stationen mit je etwa 30 Betten nur mehr zwei: Intensiv sowie Chirurgie und Innere. Die Unterstützung der Frauen war aber weiterhin gefragt. Um den Anforderungen gerecht zu werden, besuchten sie regelmäßig Fortbildungen. Oft machten sie das zusammen mit anderen Ehrenamtlichen: je vier Frauen in Losheim und Hermeskeil — eine zwar kleine, aber seit mehr als 25 Jahren aktive Gruppe. Hinzu kamen Treffen und Ausflüge mehrmals im Jahr. Der Verbund der Häuser wurde von ihnen gelebt. Münster-Weber spricht vom „besonderen Effekt der Vernetzung“. Die Besuchsdienste hätten ihre Termine über Jahre hinweg abgestimmt, auch mit Reha-Einrichtungen in Illingen und Weiskirchen. So hätten sich kleinere Gruppen wie in Hermeskeil anschließen und regelmäßig austauschen können.

Die Dynamik größerer Gruppen wie in Wadern habe Sicherheit gegeben, zugleich aber auch motiviert und inspiriert. Sich mit dem Ende der laut Arend „guten Gemeinschaft“ abzufinden, dürfte daher etlichen der Frauen im Alter von 60 bis Mitte 80 Jahren schwer fallen. Hinzu kommt, dass es für manche auch altersbedingt mitunter keine Alternative ist, sich künftig im Losheimer oder Hermeskeiler Krankenhaus, zwölf oder 16 Kilometer entfernt, einzubringen. Arend selbst macht das vorerst keine Sorgen. Da sie sich auch in der Flüchtlingshilfe und der Kleiderkammer vor Ort engagiere, werde sie mit Sicherheit auch künftig nicht arbeitslos sein.