Jahreskalender fürs Wadrilltal befasst sich mit Wadriller Schulgeschichte

Neuer Kalender : Wadriller Schulgeschichte auf zwölf Blättern

Die Mitglieder der Geschichtswerkstatt um Albert Räsch widmeten den Jahreskalender dem runden Geburtstag des Schulgebäudes.

Kürzlich hat die Dorfgemeinschaft das 60-jährige Bestehen des Schulgebäudes in Wadrill gefeiert. Dieses Ereignis hatte der Verein Geschichtswerkstatt Wadrilltal zum Anlass genommen, um für 2020 einen Jahreskalender mit Motiven aus sechs Jahrzehnten Schule im Hochwaldort zu erstellen.

Die Federführung hatte erneut Vorstandsmitglied Albert Räsch inne, der den dritten Kalender über den neuen Waderner Stadtteil für die Bevölkerung der drei Orte herausgebracht hat. „Der Kalender erinnert an dieses Schuljubiläum und stellt auf den zwölf Kalenderblättern die Klassen mit ihren Lehrerinnen und Lehrern vor, die zwischen 1959 und 1978 in diesem damals neuen und attraktiven Schulgebäude zumindest einen Teil ihrer Schulzeit verbracht haben, nämlich die Schuljahrgänge von 1944 bis 1968“, sagt Räsch. „Die drei alten Gebäude waren heruntergekommen und für einen geordneten Schulbetrieb kaum noch geeignet.“ Dazu gibt es ein Zusatzblatt, das Klassenfotos der Jahrgänge 1938 bis 1941 im Jahr 1948 zeigt. Auch die Einweihungsfeierlichkeiten sind darauf abgebildet.

Für das Titelbild haben sich die heutigen Schüler und ein Lehrer der Standorte Wadrill und Steinberg am Jubiläums-Schulfest vor dem ehemaligen Haupteingang aufgestellt. Genau an dieser Stelle erfolgte vor 60 Jahren die feierliche Einweihung und Schlüsselübergabe der neuen Schule. Rektor der neuen Schule war Lehrer Eduard Schuh. Neben den Jahrgangsbildern und Klassenfotos gibt es auf den einzelnen Blättern noch Informationen zum Schulwesen, ebenso Bilder von Klassenfahrten und dazu kleine farbenfrohe Illustrationen, die von den heutigen Viertklässlern gemalt wurden.

So sind zum Beispiel die einzigen Wadriller Drillinge Josef, Winfried und Friedbert Klein abgelichtet, von einem anderen Kalenderblatt grüßt eine Gruppe Theaterspieler. Weiter ist aufgelistet, dass 1971 die Katholische Volksschule auf Beschluss des Kultusministeriums in eine Grundschule für die ersten vier Schuljahre umgewandelt wurde, da in zehn Klassen 326 Schüler von neun Lehrern unterrichtet wurden und in den höheren Klassenstufen kein geordneter zweizügiger Schulbetrieb möglich gewesen wäre. Der Widerstand der Eltern, die sogar versuchten, eine Katholische Privatschule Wadrill einzurichten, musste aufgegeben werden, weil das Bistum den notwendigen Rückhalt nicht gewährte. Die Klassenstufen fünf bis neun wurden der Hauptschule in Wadern zugewiesen.

Mit Waldemar Schuler (1959 bis 1969), Willibrod Gerber (1969 bis 1983) und Jakob Spaniol (1984 bis 2014) haben drei Pastöre der Pfarrei St. Martin in der Schule Religionsunterricht erteilt. Dem Schulleiter Eduard Schuh folgten Horst Reichrath (kommissarisch), Martin Mark sowie Horst Kiehn, Josef Pattar, Agnes Marx (kommissarisch), Matthias Koltes, Karl Heinz Groß, Adele Thiel, Caroline Neumeyer und bis heute Vanessa Mühlhausen.

Im Kalender kommt auch die körperliche Züchtigung der Schüler zur Sprache, die bis Anfang der 70er Jahre ein Element der Pädagogik war. Sie wurde bis zum Ende der Mittelstufe angewendet, zumeist aber in der Volksschule. Mädchen und Jungen wurden an den Haaren und Ohren gezogen, bekamen Ohrfeigen oder sogar Schläge mit Lineal oder Stock auf die Finger. Die Lehrer scheuten sich auch nicht davor – vornehmlich Jungen –über die Bank zu legen. Oft waren die Prügelstrafen, die manche Lehrer auch in Wadrill anwendeten, willkürlich. Ein besonders brutaler Lehrer musste Mitte der 1960er Jahre die Schule deswegen verlassen. Erst 1973 wurde die Prügelstrafe ohne Ausnahme im Saarland per Gesetz abgeschafft.

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