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| 20:26 Uhr

Serie: Merzig-Wadern rockt
„It Might Get Loud“ – laut für die hiesige Szene

Sie sind die Blind Bastards: Tobias Hissler, Lukas Knobe, Janosch Stein und Tim Brachmann (von links).
Sie sind die Blind Bastards: Tobias Hissler, Lukas Knobe, Janosch Stein und Tim Brachmann (von links). FOTO: Blind Bastards
Nunkirchen. Die Alternative-Band Blind Bastards macht nicht nur selbst Musik, sondern hat auch ein Forum für junge Bands geschaffen.

Die Couch in der Ecke des unterteilten Raums lädt zum Verweilen ein. Gegenüber steht ein großer Fernseher, einschließlich eines großen Regals voller Videospiele. Auch nicht zu übersehen: der weiße Kühlschrank links neben dem TV. Fast wie ein Raumtrenner funktioniert das Abteil im Sichtfeld der Couch. Doch dahinter lässt sich der eigentliche Proberaum erahnen. Mikrofone, ein Schlagzeug und Gitarren sowie Bässe ragen über der besagten Wand, teilweise aus Bierkästen gebaut, heraus. Auf dem Tisch zwischen Couch und Fernseher liegen Aufkleber mit dem Aufdruck „Blind Bastards“. Im „Wohnzimmer“ sitzen drei junge Männer, die erklären, dass ihr Proberaum ein gemeinsamer Treffpunkt sei, an dem sie donnerstags zum Pizza-Essen zusammen kommen oder an Weihnachten wichteln.

Lukas Knobe aus Schmelz ist einer von ihnen. Der 24-Jährige ist der Bassist der Blind Bastards. Auch die anderen beiden Jungs auf der Couch sind Mitglieder der Alternative-Band. Der 23-jährige Janosch Stein aus Wahlen spielt Gitarre, und der gleichaltrige Tim Brachmann aus Limbach singt. Ihr Schlagzeuger, der ebenfalls 23-jährige Tobias Hissler aus Niederlosheim, ist aus privaten Gründen nicht da. Die Band-Mitglieder haben sich in der Schule schon kennengelernt, als sie nach eigener Aussage „noch nichts konnten“. Seit der Band-Gründung 2011 spielen sie in derselben Konstellation. In dieser Zeit haben sie schon zwei Alben veröffentlicht. Zuerst kam „Timebomb Future“. Das war vor zwei Jahren. Und „World For Sale“ ist im März dieses Jahres erschienen.

Aber nicht nur zwei CDs haben sie in den sechs Jahren Band-Geschichte auf die Beine gestellt, sondern auch eine Band-Reihe zur Unterstützung der lokalen Musik-Szene. „It Might Get Loud“ gibt es schon seit der Band-Gründung 2011 jährlich im Frühjahr. Anfangs gingen sie dafür mit den anderen regionalen Bands ins Far Out nach Losheim am See. Heute findet das Konzert im Juz in Losheim statt. Beim ersten Konzert 2011 war der Eintritt noch frei, doch seit 2012 kostet es vier Euro, wenn man sich die vier lokalen Bands ansehen will. „Das Geld wird dann an alle gleichermaßen verteilt“, sagt Janosch.

Die Auswahl der Bands, das Line-up und die Vorarbeit zum Konzert starten schon Monate vorher. Das macht die Band aber gerne. „Es gibt wenig Förderung und ebenso wenig Nachfrage für Live-Auftritte regionaler Bands in Kneipen und auch sonst“, sagt Tim. Das sei eben der Grund für ihre Initiative gegen den Mangel an Auftritts-Möglichkeiten für junge Bands.

Dabei war auch die Band Letter From Life, die ebenfalls in dieser Serie vorgestellt wird. Andere Gruppen die bei „It Might Get Loud“ mitgemacht haben, waren unter anderem Into Devils Dreams, Fist of Change, Captain Risiko, There will be no Justice, Vampires on Tomato Juice, Sky of Calvaria oder die Sidewalk Surfers.

Wenn man sich die beiden Platten der Blind Bastards anhört, muss man unmittelbar an Bands wie Nirvana, Motörhead oder Guns n’ Roses denken. Aber damit der Klang auch so richtig authentisch werde, müsse Janosch noch „ganz viel rauchen und trinken“, wie er selbst sagt. 25 eigene Lieder bringen sie mittlerweile zusammen, und dabei ist ihnen die Musik wichtiger als die Texte. Doch Inhalt haben „Fractured Mind“, bei dem es darum geht, einfach anders zu sein, oder „2061“, das Bezug auf das Buch „1984“ von George Orwell nimmt, definitiv. In „We Are The Bastards“ beschreiben sie sich selbst als eine Mischung aus Biker-Bande und Wikinger. Ganz eindeutig auch dabei das Motörhead-Flair. Tims Lieblingslied ist „Bay View“, denn darin geht es ums Reisen und das machen alle Mitglieder der Blind Bastards gerne, „wenn Zeit und Geld da sind“, sagt Gitarrist Janosch. Wenn nicht, sitzen sie oft gemeinsam in ihrem Proberaum in Nunkirchen und feilen an neuen Songs. Dabei sind sie nach sechs Jahren Bandgeschichte schon ein eingespieltes Team. In solch einer Probephase befinden sie sich gerade, und das sieht meistens so aus: Tim kommt mit einer Idee für ein Gitarren-Riff in den Proberaum, zeigt sie den anderen, und dann spielen sie zusammen drauf los. Und zwar so lange, bis das Lied instrumental fertig ist. „Dann spielen wir erstmal Tony Hawk auf der Playstation“, sagt Lukas. Der Text kommt zum Schluss, meist von Tim oder Janosch. Doch im Grunde erschaffen sie die Musik gemeinsam, indem jeder das tut, was er am besten kann. Genau das zeigen sie heute bei ihren Live-Auftritten auch. Über die Jahre sind sie viel professioneller geworden. „Am Anfang hatten wir alle riesiges Lampenfieber, weshalb wir öfter mal einen über den Durst getrunken haben“, sagt Bassist Lukas. Jeder von ihnen sei mal ins Fettnäpfchen getreten. „Aber als wir das alle durch hatten, war es gut“, sagt Janosch.

Davon kann man sich bei ihren Auftritten überzeugen. Erst vor kurzem waren sie beim Benefiz-Konzert „Rock for Refugees“ im Kino in Losheim dabei (die SZ berichtete). Davor ging es für sie auch schon zum Umsonst-und-Draußen-Festival“ nach Büschfeld. Darüber hinaus waren sie als Vorband von Agent Fresco aus Island, der Guns n’ Roses Tribute-Band Reckless Roses oder auch der Deep-Purple-Cover-Band Demons Eye auf der Bühne. Für November ist noch ein Konzert mit der Band Fibel zusammen im Forty Five in Wallerfangen geplant. Ob bei Auftritten oder in ihrer Freizeit im gemeinsamen Wohnzimmer: Die Blind Bastards machen Musik, einfach für sich selbst. Tim: „Die Band ist die feste Konstante in unserem Leben geworden“.

(asg)