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Alte Tradition
In Wadrill wird der Winter feurig vertrieben

Am Tag zuvor wickeln die Mitglieder des Heimatvereins an der Harteich-Hütte Stroh am Eisengestell fest. Ebenfalls fertigen sie Kreuz und Kerzen.
Am Tag zuvor wickeln die Mitglieder des Heimatvereins an der Harteich-Hütte Stroh am Eisengestell fest. Ebenfalls fertigen sie Kreuz und Kerzen. FOTO: Erich Brücker
Wadrill. Diesen Sonntag rollt im Hochwaldort, einem alten Brauch folgend, ein brennendes Erbsenrad zu Tal. Von Erich Brücker

Alljährlich wird am ersten Fastensonntag, dieses Jahr am 18. Februar, in Wadrill älteste Vergangenheit lebendig. Die Heimat- und Naturfreunde lassen einen uralten Brauch, dessen Ursprung bis in die Keltenzeit zurückreicht, wieder aufleben: den Lauf des Erbsenrades. Nach Anbruch der Dämmerung rollen die Heimatfreunde das brennende Erbsenrad von der Anhöhe Perscher Kopf hinab bis in den Wadrillbach, wo es dann erlischt. Als Symbol der Sonne soll das brennende Strohrad über die Felder, Äcker und Wiesen den Sonnensegen bringen und so für eine erfolgreiche Ernte sorgen. Seit jeher wurde in Wadrill der erste Fastensonntag auch Erbsensonntag genannt, heute im Laufe der Jahre eher weniger. Der Name hat aber den hohen Stellenwert verdeutlicht, den die Wadriller diesem uralten Kulturgut eingeräumt haben.


Der ursprünglich heidnische Brauch wurde unter dem Einfluss der Kirche mit christlichen Symbolen ergänzt. So werden heute zunächst aus Stroh gewickelte Kerzen und ein großes Kreuz angezündet. Nach dem gemeinsamen Lied „Großer Gott, wir loben Dich“, zu dem die Gesellschaft der Muskfreunde aufspielen wird, wird das ebenfalls aus Stroh gewickelte Rad mit dem brennenden Kreuz in Brand gesteckt und anschließend an einer langen Führungsstange von vier Mitgliedern des Heimatvereins eine etwa 500 Meter lange Wegstrecke ins Tal gerollt.

Das hinabrollende Erbsenrad bietet einen unheimlichen und zugleich faszinierenden Anblick. Während früher für das Wickeln von Rad, Kreuz und Kerzen Erbsenstroh genommen wurde, daher auch der noch heute gültige Name, greift man heute auf ganz gewöhnliches Stroh zurück. Bis zu 20 Strohballen werden auf ein Gestell aus Eisen mit Felge und Speichen geflochten. Es ist mannshoch und wiegt über fünf Zentner. Früher war es üblich, das Erbsenrad samt Kreuz und Kerzen zu Fuß auf den Perscher Kopf zu bringen. Auf dem Weg schlossen sich viele Schaulustige dem Zug an, um das Feuerspektakel aus nächster Nahe zu beobachten. Diese schöne Tradition kann nicht fortgesetzt werden, denn das Rad ist zum Tragen zu schwer, es wird mit dem Traktor auf die Anhöhe gebracht.

Eine weitere Tradition war es bislang, dass bereits am Sonntagnachmittag die Vereinsmitglieder im Dorf unterwegs sind, um Eier zu sammeln, denn nach dem Erlöschen des Erbsenrades in der Wadrill treffen sich Bevölkerung und auswärtige Schaulustige in der Wadrilltalhalle zum gemeinsamen Eieressen. Das Eieressen gibt es immer noch. Aber die Eiersammler dürfen aus hygienischen Gründen nunmehr keine Eier einsammeln, dennoch sind sie unterwegs und freuen sich auf freiwillige Spenden.

Der Lauf des Erbsenrades ist immer ein faszinierendes Ereignis, insbesondere, wenn es in diesem Jahr wohl über Schnee getrieben wird.
Der Lauf des Erbsenrades ist immer ein faszinierendes Ereignis, insbesondere, wenn es in diesem Jahr wohl über Schnee getrieben wird. FOTO: Erich Brücker