Im Zeichen von Rad und Kreuz

Das ganze Dorf ist am kommenden Sonntag, 14. Februar, in Wadrill wieder auf den Beinen, um den Lauf des Erbsenrades zu verfolgen. Der Brauch soll Segen über die Felder bringen und für eine ertragreiche Ernte sorgen.

Vergangenheit lassen die Mitglieder der Heimat- und Naturfreunde Wadrill wieder lebendig werden, wenn am Sonntagabend, 14. Februar, nach Einbruch der Dunkelheit das Erbsenrad im Wadrillbach erlischt.

"Mit dem Lauf des Erbsenrades, früher aus Erbsenstroh gewickelt - daher auch sein Name -, wird der Winter vertrieben. Das brennende Rad als Symbol der Sonne soll den Sonnensegen über die Äcker und Felder bringen sowie für eine ertragreiche Ernte sorgen", sagt Rainer Maring, Vorsitzender des Heimatvereins. Seit vier Jahrzehnten ist der Heimatverein bemüht, diesen Brauch unverfälscht fortzuführen. Zunächst werden die Kerzen angezündet, danach das Kreuz, das seine Feuerskraft an das Rad weitergibt. Die Gesellschaft der Musikfreunde Wadrill begleitet die Zeremonie mit dem Kirchenlied "Großer Gott, wir loben dich". Nach dem Anzünden des Erbsenrades wird es von vier Vereinsmitgliedern an einer langen Stange etwa 500 Meter weit ins Tal bis in die Wadrill gerollt.

Eieressen zum Abschluss

Mit dem gemeinsamen Eieressen der Dorfbevölkerung und vieler Schaulustiger in der Wadrilltalhalle nimmt die Pflege des Brauchtums dann ihr harmonisches Ende.

Für die Mitglieder ist der "Erbsensonntag", wie der erste Fastensonntag in Wadrill auch genannt wird, mit viel Arbeit verbunden, die am Samstagvormittag ihren Anfang nimmt. Ab 10 Uhr werden auf dem Vereinsgelände der Harteichhütte Erbsenrad, Kreuz und zwei Kerzen gewickelt. Ein vorgefertigtes Eisengestell - früher waren es alte Holzräder - wird mit etwa 20 Strohballen umwickelt.

Das fertige Rad ist mannshoch und bis zu fünf Tonnen schwer. Wiederverwendbare Gestelle werden ebenfalls mit Stroh zu Kreuz und Kerzen gebunden. Um diese christlichen Symbole wurde der ursprünglich heidnische Brauch unter dem Einfluss der Kirche ergänzt.

Am frühen Nachmittag werden Rad, Kreuz und Kerzen aufgrund ihrer Schwere mit Traktor und Anhänger auf die Anhöhe Perscher Kopf gebracht, während früher Rad, Kreuz und Kerzen von kräftigen Männern durch das Dorf getragen wurden. Viele Schaulustige schlossen sich diesem ungewöhnlichen Zug an, um das Feuerspektakel aus nächster Nähe zu beobachten.

Heute kommen immer noch viele Schaulustige, vornehmlich Schulkinder , auf die Anhöhe, gehen mit dem Rad talwärts, oder beobachten die Zeremonie von der Hermeskeiler Straße aus. Ab dem frühen Nachmittag sind einige Mitglieder und Jugendliche des Heimatvereins im Dorf unterwegs, um Eier und Speck einzusammeln. Natürlich gibt es für die großzügigen Spender zum Dank auch ein Gläschen Hochprozentiges. "Etwa zehn Pärchen sind einige Stunden unterwegs und sammeln etwa 700, 800 Eier ein", klärt Ilse Schneider, die für diese Aufgabe im Verein verantwortlich zeichnet, auf.

In der Küche der Wadrilltalhalle lassen abends sechs bis zehn Frauen die Hände rund gehen. Der Speck muss geschnitten, die Eier in viele Pfannen gehauen und gebacken werden. Danach heißt es "Guten Appetit und auf ein gutes Gelingen im nächsten Jahr".