"Ich habe Auschwitz überlebt!"

Wadern. Saal 401 am Hochwaldgymnasium Wadern: Dort, wo sonst die 29 Schüler der Klasse 7a an ihren Schulbänken Platz nehmen, sind heute die Tische zur Seite geräumt, und 60 Schüler der Klassen 7a und 7d sitzen in der Mitte des Raumes. Es ist mucksmäuschenstill, man könnte eine Stecknadel fallen hören

Wadern. Saal 401 am Hochwaldgymnasium Wadern: Dort, wo sonst die 29 Schüler der Klasse 7a an ihren Schulbänken Platz nehmen, sind heute die Tische zur Seite geräumt, und 60 Schüler der Klassen 7a und 7d sitzen in der Mitte des Raumes. Es ist mucksmäuschenstill, man könnte eine Stecknadel fallen hören. Gespannt lauschen die Schüler den Worten, die Alex Deutsch, der vorne am Pult sitzt, an sie richtet. Er beendet seinen Vortrag mit dem Appell: "Lasst euch nicht hineintrieben in Feindschaft und Hass gegen andere Menschen! Lernt, miteinander zu leben, nicht gegeneinander!" Der Applaus und die anschließenden Fragen der Schüler machen deutlich, dass diese Botschaft bei ihnen angekommen ist. Die 60 Schüler des Hochwaldgymnasiums haben an diesem Morgen lebendigen Geschichtsunterricht präsentiert bekommen. Alex Deutsch ist nämlich einer der wenigen noch lebenden Zeitzeugen, die die Hölle von Auschwitz überstanden haben. Aus den Erfahrungen seines eigenen Lebens hat er die Lehre gezogen, dass es notwendig ist, die Jugendlichen von heute über die Greuel der Nazizeit in Deutschland aufzuklären und sie damit zu Toleranz und einem friedlichen Miteinander zu erziehen. So lässt er es sich auch im Alter von 96 Jahren nicht nehmen, Schulen zu besuchen und von seinem Leben zu erzählen. Die beiden Klassen sind im Deutschunterricht mit dem Nationalsozialismus konfrontiert worden, denn sie haben mit ihren Deutschlehrern Ulrike Anell und Edwin Didas Jugendbücher zu diesem Thema besprochen. So waren sie wirklich gespannt darauf, von Alex Deutsch zu hören, wie er als Jude die damalige Schreckensherrschaft erlebt hat. Vieles von dem, was in den Büchern vermittelt wurde, hat Alex Deutsch selbst durchgemacht, angefangen vom Berufsverbot für Juden in den 30er Jahren bis hin zur Deportation nach Auschwitz. Er kam dort in ein Arbeitslager, musste jedoch erfahren, dass seine Frau und sein dreijähriger Sohn von den Nazis vergast worden waren. Kurz vor Kriegsende wurde Alex Deutsch zusammen mit seinen Mithäftlingen auf einen Todesmarsch nach Gleiwitz geschickt. Er kam als Zwangsarbeiter nach Halberstadt und wurde dort befreit. Anschließend emigrierte er nach Amerika, kehrte aber 1978 nach Deutschland zurück. Er hat sich der Erinnerungsarbeit verschrieben und formuliert dies so: "Ich habe es mir zur Aufgabe gemacht, als Deutscher jüdischen Glaubens und als Auschwitz-Überlebender mit der Jugend in Schulen und Organisationen zu sprechen, ihr meine Erfahrungen näher zu bringen, was Menschen durch Hass und Wahn anrichten können. Es darf nie vergessen werden!" Die betreuenden Lehrer Ulrike Anell und Edwin Didas bedankten sich bei Alex Deutsch und dessen Frau und beim Sozialwerk Saar-Mosel e.V., das zurzeit die Organisation und Begleitung der Vorträge von Alex Deutsch an Schulen im Landkreis Merzig-Wadern im Rahmen des Projekts "Demokratie ist möglich" übernimmt. Emotionale Betroffenheit zu wecken, aus der Geschichte zu lernen, um das Hier und Jetzt menschlicher zu gestalten, sind Teilaspekte dieses Projektes, das über das Bundesprogramm "Vielfalt tut gut" finanziert wird. red "Lernt, miteinander zu leben, nicht gegeneinander" Alex Deutsch