Ibou Ndiaye erzählt bei der Waderner Buchwoche Geschichten aus Afrika

Afrikanische Geschichten in Wadern : „Die Geschichten vermitteln Weisheiten“

Der gebürtige Senegalese präsentiert am Freitag bei der Waderner Buchwoche Märchen aus seiner Heimat.

Der Autor und Geschichtenerzähler Ibrahima „Ibou“ Ndiaye präsentiert am Freitag, 13. September, ab 20 Uhr in der Stadtbibliothek Wadern afrikanische Geschichten. Im Vorfeld dieser Lesung, die im Rahmen der Waderner Buchwoche stattfindet, hat sich die SZ mit dem gebürtigen Senegalesen unterhalten.

Sie erzählen bei der Waderner Buchwoche Geschichten aus Afrika. Worauf kann sich das junge Publikum einstellen?

NDIAYE Es geht um Mitmachgeschichten. Dabei handelt es sich teilweise um Geschichten, die von meiner Großmutter im Senegal überliefert wurden. Darunter sind aber auch selbst ersonnene Geschichten über Tiere, Menschen, die Natur sowie die Umwelt in Afrika.

Was macht afrikanische Geschichten aus?

NDIAYE Es geht um wichtige Themen und darum, dass man aus den Geschichten lernt. Diese verfolgen den Zweck der Erziehung und Bildung. Den Kindern werden Werte und Tugenden vermittelt, wie zum Beispiel Respekt vor dem Alter, friedliches Zusammenleben, Hilfsbereitschaft, Verantwortung zu tragen sowie das Teilen. In Afrika ist Teilen sehr wichtig, da man in großen Familien lebt. Dankbarkeit gegenüber den Eltern ist ebenfalls ein wichtiger Wert. Die Geschichten vermitteln Weisheiten.

Sie haben Germanistik studiert. Wie entstand Ihr Interesse an der deutschen Sprache?

NDIAYE Ich hatte im Senegal an einer Kadettenschule (eine Eliteschule, Anmerkung der Redaktion) Deutsch als erste Fremdsprache gelernt. Da war ich elf Jahre alt. Meine Lehrerin Frau Schulke kam aus Saarlouis und lebte mit ihrem Ehemann im Senegal. So kam ich ganz früh mit der deutschen Sprache in Kontakt. Daraus hat sich eine Leidenschaft entwickelt.

Wie hat sich das Ganze weiterentwickelt?

NDIAYE Frau Schulke hat im Jahr 1977 den Kontakt zu meiner ersten deutschen Brieffreundin hergestellt – diese war aus Saarlouis-Fraulautern. Ich war richtig angetan von der deutschen Sprache und sehr fleißig. Ich erhielt als bester Deutsch-Schüler im ganzen Senegal den Präsidentenpreis. Nach einer Auswahlprüfung wurde ich vom Pädagogischen Austauschdienst zu einem Sprachaufenthalt in Deutschland eingeladen. Ich machte das Abitur im Senegal und studierte im Anschluss daran drei Jahre lang Germanistik an der Universität Dakar. Während dieser Zeit wurde ich vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) mit einem Stipendium gefördert.

Wie kamen Sie ins Saarland?

NDIAYE Nach dem Studium in Dakar wollte ich an der Quelle weitermachen. Meine Brieffreundin hat mir Saarbrücken empfohlen. So bin ich 1987 ins Saarland gekommen.

Wie hat sich Ihre künstlerische Tätigkeit seitdem entwickelt?

NDIAYE Vier oder fünf Jahre nach meiner Ankunft habe ich vom Kulturamt der Stadt Saarbrücken erste Angebote als Musiker und Geschichtenerzähler bekommen. Ich wurde Schauspieler am Staatstheater und habe Märchenbücher geschrieben. Heute halte ich Lesungen im gesamten deutschsprachigen Raum. Der Friedrich-Bödecker-Kreis vermittelt meine Lesungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Er hat mich sehr gefördert.

Was unterscheidet die deutsche und die afrikanische Literatur? Worin liegen die Gemeinsamkeiten?

NDIAYE Die afrikanische Literatur stellt eigene Realitäten dar. Man kann sich dadurch einen Eindruck von der Kultur verschaffen. Generell lernt man mit Hilfe der Literatur Kultur, Glauben und auch Aberglauben kennen. Ein Beispiel hierfür sehe ich im „Schimmelreiter“ von Theodor Storm, wo ich in Sachen Aberglauben Ähnlichkeiten zu afrikanischen Geschichten erkenne. Literatur vermittelt ein interessantes Bild von den jeweiligen Kulturen.

Zum Abschluss. Welches typisch saarländische Gericht essen Sie am liebsten?

NDIAYE (lacht) Dippelappes!

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