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Heute schon getwittert?Der Umgang mit den neuen Medien will gelernt sein

Heute schon getwittert?Der Umgang mit den neuen Medien will gelernt sein

Dagstuhl/Homburg. Ja, ich würde mich als modern bezeichnen. Ich bin jung, kenne die Instrumente der modernen Medien, habe keine Probleme Musik zu laden oder ein Handy zu bedienen. Mein Patenkind bestätigt mir des Öfteren, dass ich die coolste Patentante der Welt bin. Was mich natürlich stolz macht. Doch immer häufiger nagen heftige Zweifel an meinem jugendlichen Image

Dagstuhl/Homburg. Ja, ich würde mich als modern bezeichnen. Ich bin jung, kenne die Instrumente der modernen Medien, habe keine Probleme Musik zu laden oder ein Handy zu bedienen. Mein Patenkind bestätigt mir des Öfteren, dass ich die coolste Patentante der Welt bin. Was mich natürlich stolz macht. Doch immer häufiger nagen heftige Zweifel an meinem jugendlichen Image. Denn wie früher meine Oma sich weigerte, Geld am Geldautomaten zu ziehen, weigere ich mich standhaft, Teil der vielen Internet-Netzwerke zu werden. Weder "Wer kennt wen", noch "StudiVZ" oder "Facebook" konnten mich bisher aus der Reserve und ins Internet locken. Ganz meinen Vorbehalten folgend, filtere ich mir stetig nur die Negativschlagzeilen aus den Meldungen der aktuellen Online-Welt. Da war von kaum vorhandenem Datenschutz die Rede, als eine der großen Plattformen Adressen ihrer Nutzer meistbietend verkauft hat. Oder es erschienen immer wieder kompromittierende Bilder von mittelschwer bis erheblich angetrunkenen Menschen im Netz, die einem potenziellen Arbeitgeber die Entscheidung leicht machten, diesen Bewerber abzulehnen. Wie Arbeitgeber? Wenn Sie sich fragen, was das eine mit dem anderen zu tun hat: sehr viel. Sobald die Bewerbung auf dem Tisch oder im digitalen Posteingang liegt, sitzt ein Mitarbeiter der Personalabteilung am Rechner und googelt. Allein, dass es dieses Wort - ausgehend von der amerikanischen Internet-Suchmaschine Google - in den deutschen Sprachschatz geschafft hat, zeigt, dass die Nutzung mittlerweile selbstverständlich ist. Nicht nur der Bewerber muss sich darüber bewusst sein, dass er gläsern ist, sobald er sich zu einem öffentlichen Leben im Internet entschließt, sondern alle Menschen, die Infos über sich im Internet bekannt geben. Strafverfolgungsbehörden können ohne großen Aufwand jeden Schritt im Netz nachvollziehen. So erstellen sie Profile, die aus einem Otto Normalbürger einen schwer Verdächtigen machen, sobald dieser in ein vorgefertigtes Raster passt. Mit den Gefahren, die im Internet lauern, befasst sich übrigens auch ein spezieller Aktionstag am Mittwoch, 3. März, in Homburg. Dieser steht unter dem Motto: " Internet: mit Sicherheit!" (siehe dazu auch Informationskasten unten). Aber ist denn wirklich alles schlecht an diesen Netzwerken? Keineswegs. So wurde es auch für mich dringend Zeit, mit meinen Vorurteilen aufzuräumen. Die Möglichkeit bot sich auf der internationalen Tagung auf Schloss Dagstuhl, dem Leibnitz-Zentrum für Informatik im nördlichen Saarland. Führende Informatiker, Soziologen und Medienwissenschaftler aus aller Welt trafen sich, um ihre aktuellen Erkenntnisse und Forschungsansätze vorzustellen und gemeinsam und fächerübergreifend Visionen für die Zukunft von digitalen, sozialen Netzwerken zu erarbeiten.Hochqualifizierte Nachwuchsforscher saßen mit den etablierten Wissenschaftlern an einem Tisch, da gerade bei diesem Thema junge Forscher gefragt sind. Für sie ist die Nutzung und Teilnahme an der Vernetzung im Internet selbstverständlich. In der ruhigen Atmosphäre von Schloss Dagstuhl bot sich viel Raum für innovative Ideen, Diskussionen und Lösungsansätze.So musste ich feststellen, dass es sogar von Vorteil sein kann, beispielsweise bei Facebook ein Profil zu haben. Freunde, die mittlerweile ans andere Ende der Welt gezogen sind, halten uns Daheimgebliebene mit Bildern und kleinen Geschichten auf dem Laufenden, wie sich ihr Leben gerade entwickelt. So rücken sie wieder ein kleines Stück näher und wir vergessen kurzfristig, dass sie Tausende von Kilometern entfernt sind. Natürlich könnten wir mittels der uns bekannten Briefpost kommunizieren, doch die Kommunikation über ein Portal ist viel lebendiger.Wer sich das Schloss anschauen und in die Welt der Informatik eintauchen möchte, hat dazu am Tag der offenen Tür am Samstag, 17. Juli, ab zehn Uhr die Gelegenheit.www.dagstuhl.deEs wird immer wieder heftig diskutiert, auch in den Medien. Was überwiegt Ihrer Meinung nach, die Vor- oder eher die Nachteile der digitalen, sozialen Netzwerke?Schaffert: Die neue Technologie schafft neue Wege der Kommunikation. Deshalb ist sie erst einmal weder positiv noch negativ. Niemand ist gezwungen, Teil der digitalen Netzwerke zu werden. Die Technologie ermöglicht sehr vielen Menschen miteinander zu kommunizieren und das weltweit. Wir haben heute eine stark mobilisierte Gesellschaft, so dass eine einfache, schnelle und ausführliche Kommunikation immer mehr an Bedeutung gewinnt. Das Internet macht die Welt kleiner und die Kommunikation einfach - mit allen Vor- und Nachteilen.Gerade Jugendliche gehen sehr unbefangen mit Daten, Bildern und Informationen im Netz um. Gibt es Bemühungen, die Eltern mit ins Boot zu nehmen, damit sie ihre Kinder besser aufklären oder betreuen können? Beispielsweise über die Landesmedienzentrale oder die Schulen? Cap: Sicherlich sind die Schulen und Eltern hier gefragt. Es ist jedoch genauso wichtig, selbst zu hinterfragen, ob es sinnvoll ist, bestimmte Informationen oder Bilder öffentlich zu machen. Genauso wichtig ist es, für sich selbst zu klären, wem ich vertraue und wie gut ich Menschen kenne, denen ich meine Daten offen lege. Im Normalfall entscheidet der Nutzer selbst, wem er sein Profil zugänglich macht, beispielsweise auf Facebook, so dass Unbefugte auf legalem Weg nicht an die persönlichen Daten kommen.Warum sorgen die digitalen, sozialen Netzwerke dann noch immer für so viele Diskussionen? Schaffert: Im Prinzip war es bei allen modernen Medien so, als sie neu erfunden wurden. Sei es der Buchdruck, Radio, Fernsehen und so weiter. Die heutige Technologie sorgt für einen revolutionären Wandel in der Gesellschaft. Die Nutzer müssen sich erst über die Zeit die Kompetenz aneignen, mit den neuen, technischen Errungenschaften umzugehen. Sie müssen einfach mit der Erfahrung lernen, beispielsweise wie das Medium funktioniert, wie es zu nutzen ist und wie es auch kritisch zu sehen ist. Oder um es mit einem anschaulichen Bild zu umschreiben: Ein Messer kann sowohl dazu dienen ein Kunstwerk, zum Beispiel aus Holz, zu schaffen, als auch einen Menschen schwer zu verletzen.Wie können wir uns die durch die neuen Medien geprägte Zukunft vorstellen? Cap: Ein wichtiger Aspekt ist sicher, dass die jugendlichen Nutzer von heute irgendwann die Personalchefs von morgen sind. Für sie wird es ein Kriterium sein, ob ein Bewerber ein Profil in einem digitalen Netzwerk hat. Dann wird es eher von Nachteil sein, nicht im Internet vertreten zu sein. "Die Kommunikation über ein Portal ist viel lebendiger."Sylvie Rauch"Das Internet macht die Welt kleiner und die Kommunikation einfach - mit allen Vor- und Nachteilen. Sebastian Schaffert

Hintergrund Um über die Gefahren im Internet aufzuklären, veranstalten die Arbeitskammer des Saarlandes und die Landesmedienanstalt Saarland gemeinsam mit dem Saarpfalz-Kreis am Mittwoch, 3. März, in Homburg den Aktionstag "Internet : mit Sicherheit!". Dabei gibt es kostenlos Informationen und Workshops zu den Gefahren, die im Internet lauern, und praktische Tipps, was zu tun ist, um wirklich "sicher" zu sein. Rat und Hilfe gibt es an diesem Tag auch bei der Telefon-Hotline (06 81) 3 89 88 12 und (06 81) 4 00 52 12. Von acht bis 17 Uhr beantworten Experten Fragen zur Internetsicherheit. Wegen der begrenzten Zahl der Teilnehmerplätze wird empfohlen, sich frühzeitig anzumelden unter Telefon (06 81) 3 89 88 12 und (06 81) 4 00 52 12. redHintergrundFacebook, StudiVZ, Wer kennt wen oder Xing sind so genannte digitale, soziale Netzwerke. Sie existieren im Gegensatz zu realen Netzwerken, die sich regelmäßig zu Vorträgen treffen, nur im Internet. Jeder Nutzer kann sich ein eigenes Profil anlegen, in das er beispielsweise einen Lebenslauf, Hobbys und Bilder einstellt. Wie viel man dort von sich preisgibt, ist jedem selbst überlassen. Ebenso liegt es im eigenen Ermessen, welchen anderen Nutzern man Zugriff auf sein Profil gestattet. Normalerweise und rechtmäßig ist ein unerlaubter Zugriff auf die Daten nicht möglich. Die Plattform Twitter ist noch recht neu. Sie ermöglicht das Schreiben von Kurznachrichten im Internet, ähnlich den SMS auf dem Handy. Jedoch ist hier der Zugriff der Nutzer nicht regelbar. Jeder, der möchte, kann auf die Kurznachrichten zugreifen. Gerade Prominente nutzen diese Möglichkeit, um ihre Fans stärker an sich zu binden. Sie schicken ständig kurze Meldungen übers Netz, was sie gerade tun oder planen. Der Vorteil ist, dass man auf kurzem Weg sehr viele Menschen in kurzer Zeit erreichen kann. syr