Große Mehrheit stimmt für Fusion zum Stadtteil Wadrilltal

Große Mehrheit stimmt für Fusion zum Stadtteil Wadrilltal

1182 Wahlberechtigte beteiligten sich an der Umfrage, ob Gehweiler, Reidelbach und Wadrill zusammengelegt werden sollen. 1031 sagten Ja, 151 Nein.

Um 19.45 Uhr steht fest: Ab 2019 werden Wadrill, Gehweiler und Reidelbach wohl zu einem Stadtteil verschmelzen - Wadrilltal. Von 1633 Wahlberechtigten stimmten bei einer Umfrage 1031 dafür, 151 mit Nein. Diese Zahl nennt Bürgermeister Jochen Kuttler - ein Ergebnis, das von vielen aus den drei Waderner Stadtteilen herbeigesehnt wurde.

Ein Rückblick: Kurz nach vor 14.30 Uhr genießt Wolfgang Paulus mit seinen beiden Töchtern die Frühlingssonne und das herrliche Panorama von Reidelbach aus. Während Lia (acht Jahre) und Anni (fünf) mit den drei Pferden, die auf einer Koppel weiden, auf du und du gehen, verrät der Papa, seine Bürgerpflicht erledigt zu haben - die Wahl für den saarländischen Landtag und sein Kreuzchen bei der Umfrage, ob Reidelbach und Gehweiler Wadrill zugeschlagen werden sollen oder nicht. "Keine Frage, ich bin dafür", verrät der Mann. Schließlich seien die drei Orte sowieso schon eins - eine Behauptung, die Agnes Houy bestätigt. "Wir sind schon eine große Einheit. Gegen Wedern habe ich zwar nichts, aber mit denen haben wir nichts zu tun", sagt die Frau, die um 14.16 Uhr die Wahlbeteiligung in dem 90 Einwohner zählenden Stadtteil laut Wahlhelfer Stefan Jacobs auf 51 Prozent steigen lässt - eine Bemerkung, die alle schmunzeln lässt. Insgesamt 69 Wahlberechtigte zählt man in dem Ortsteil, der derzeit zu Wedern gehört.

Es war im Jahr 2000 die Idee von Manfred Paulus, zusammenwachsen zu lassen, was zusammengehört. "Vor drei Jahren hat man die Idee des Stadtentwicklungskonzeptes wieder aufgegriffen", sagt das Mitglied der Freien Wähler. "Wir haben in Reidelbach einen Schützenverein, aber sonst machen wir alles mit den Wadrillern gemeinsam - ob Fußball, Musik oder Chorgesang." Nach der Kommunalwahl 2019 könnte diese Fusion greifen. Der verwaltungstechnische Name: Wadrilltal. Für die Umfrage, die zeitgleich mit der Landtagswahl stattfindet, haben die Reidelbacher die stillgelegte Kegelbahn des Reidelbacher Hofes zum Wahllokal umfunktioniert - einschließlich des Waschraumes der Toiletten. "Landeswahlleiterin Monika Zöllner hat dazu angehalten, dass die Landtagswahl und die Befragung räumlich getrennt werden müssen", sagt Wahlhelfer Rainer Weingarten und folgt einer Wählerin zu der Urne.

Ein ähnliches Bild in der Wadriller Grundschule, einem der beiden Wahllokale in dem gut 1560 Einwohner zählenden Ort. Das Kreuzchen für die Landtagswahl wird in einer Kabine im Klassenraum gemacht, das Ja oder Nein zu der Zusammenlegung im Flur. Gegen 14.30 Uhr zählt Ortsvorsteher Joachim Brücker 350 von 760 Wahlberechtigte, die dort ihre Stimme abzugeben haben. Eingerechnet haben Wahlhelfer Michael Klein und Carolin Brücker die 59 Briefwähler. "Noch bis 18 Uhr haben die Wahlberechtigten Zeit, sich für oder gegen die Fusion zu entschieden", verrät Brücker. Pia Görgen, Wahlhelferin im Feuerwehrgerätehaus, dem zweiten Wahllokal, nutzt die Gunst der Stunde: Wahlgang im Klassenraum - Ja zu der Zusammenlegung im Flur. "Verwaltungsmäßig wird zwar nicht viel gespart, aber es gibt zwischen den Orten so viele Verbindungen, dass man den Schritt der Zusammenlegung auch noch gehen sollte." Dann eilt sie wieder zurück zu ihrem Wahllokal mit 509 Wahlberechtigten, von dem das Gros ebenfalls für eine Vereinigung stimmt. Ein klares Ja kommt von Alfons Sänger, Mitglied der Feuerwehr und des Sportvereins: "Die Vereinsgemeinschaft gibt es schon ewig." Dem Vorbild von Gehweiler und Reidelbacher sollen nach Bekunden von Jochen Milatz Lockweiler und Krettnich folgen. "Ebenso wie Büschfeld und Bardenbach. Ich finde das sinnvoll", sagt der Mann aus Lockweiler, der seit einigen Jahren in Wadrill lebt.

Ein paar Meter von der Schule entfernt warten Gehweilers Ortsvorsteher Reinhold Gimmler und seine Helfer im Gasthaus Baur auf Wähler. Die Tür zur Wirtschaft steht offen, Streuselkuchen und Kaffee stehen auf dem Tisch. 171 von 295 Wahlberechtigten - die Briefwähler eingeschlossen - haben sich bis 15 Uhr entschieden. Es sind nicht nur die Vereine, weshalb sich die Ortsräte zu diesem Schritt entschieden haben. "Vor allen die kleinen Orte haben es mittlerweile schwer, Leute für den Ortsrat zu finden. Legt man die drei Orte zusammen, sind wir für die nächsten 20 Jahre gut aufgestellt" - ein Satz, den Klaus und Christine Thewes bestätigen. "Ich bin im Pfarrverwaltungsrat", verrät Thewes. "Die Strukturveränderungen, die das Bistum plant, sind viel, viel größer."

Zum Thema:

Manfred Paulus, der bereits im Jahr 2000 die Idee hatte, die Stadtteile zusammzulegen, bei der Stimmabgabe. Fotos: Erich Brücker.
Gehweilers Ortsvorsteher Reinhold Gimmler bei der Stimmabgabe.

Bürgermeister begrüßt Votum für neuen Stadtteil "Es wächst zusammen, was zusammengehört", kommentiert Waderns Bürgermeister Jochen Kuttler das Ergebnis der Umfrage. Die Zusammengehörigkeit, zu denen sich die Wadriller, Gehweiler und Reidelbacher bekennen, nennt er eine großartige Sache. Nach der Befragung seien nun Ortsräte und Stadtrat am Zug. Die drei Orte würden ihre Namen behalten, verwaltungstechnisch unter Wadrilltal geführt. Nicht ausschließen will er, dass andere Stadtteile dem Beispiel folgen werden.