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Bienenzucht
Gestatten, Lenni, der jüngste Imker des Saarlandes

Der Schutzanzug passt schon mal: Nachwuchs-Imker Lenni. Fotos: ackermann
Der Schutzanzug passt schon mal: Nachwuchs-Imker Lenni. Fotos: ackermann
Wadern. Gerade mal sechs Jahre alt ist der Sohn von Kathrin Großmann aus Weiskirchen, doch er hat das große Hobby der Mutter auch zu seiner Leidenschaft gemacht: die Bienenzucht. Dieter Ackermann

"Ich heiße Lenni und bin sechs Jahre alt." Selbstbewusst fügt der Knirps aus Weiskirchen, der in der Straße Zum Boxpfad wohnt, noch hinzu: "Und damit bin ich wohl der jüngste Imker des Saarlandes." Dabei hat der Blondschopf zwar noch kein eigenes Bienenvolk, weil seinen Bienen noch eine eigene Königin fehlt, aber daran arbeiten seine Honigproduzenten ja gerade. Seine Mutter, Kathrin Großmann, die seit fünf Jahren Mitglied des Imkervereins Wadern ist und alljährlich drei bis fünf eigene Bienenvölker betreut, versprach dem Junior schon früh ein eigenes Volk, sobald er vom Kindergarten in die Schule wechselt. Genau das passiert in diesem Jahr.


Von Lennis erster Vorstellung, seine eigenen Bienen in der ersten Schultüte geschenkt zu bekommen, konnte ihn seine Mutter bereits abbringen. Immerhin gab's zum Geburtstag schon mal einen passenden Imkeranzug. Wir sind dabei, als der Nachwuchsimker von Mamas Bienenvölkern unter Aufsicht der Eltern einen "Ableger" nimmt. Dazu werden aus den Bienenkästen (Beuten) im elterlichen Garten zwei Rahmen mit Eierwaben mitsamt der jüngsten Brut - aber ohne Königin - in einen Transportkasten umgesetzt. Emsig pumpt der Kleine dabei viel Rauch an den "Tatort", damit ihm die Brummer diesen "Diebstahl" nicht übelnehmen.

Kathrin Großmann kann auch begründen, warum die umziehenden Bienen für vier Wochen in den Garten eines Freundes umquartiert werden müssen. "Wären sie nicht zwei bis drei Kilometer vom Heimatstock entfernt, würden die Bienen dorthin zurückkehren, und ihre Brut wäre verloren." So aber fänden die ausquartierten Honigproduzenten schnell heraus, dass sie plötzlich keine Königin mehr haben. Die Imkerin: "Dann füttern sie die Brut einiger Eier mit ‚Gelee Royal' - exklusiv für Königinnen - und schon schlüpfen wieder zwei oder drei Königinnen, von denen sich allerdings nur eine durchsetzt."



Die wiederum starte nach etwa fünf Tagen zu ihrem Hochzeitsflug, in dessen Verlauf sie an Drohnensammelplätzen in zehn bis zwölf Meter Höhe von männlichen Bienen (Drohnen) befruchtet wird - "bevor sie sich mit ihren Eiern wieder zurück zu ihrem eigenen Volk begibt, wo sie damit ein eigenständiges Bienenvolk gründet", sagt Großmann.

Die Frage, ob er schon einen Namen für seine zukünftige Königin hat, überrascht Lenni etwas: "Nee - noch nicht wirklich." Seine erste Idee - "ich nenne sie Willi" - hat ihm seine Mutter schon ausgeredet: "Das passt doch nicht zu einer Königin!" Dass er in diesem seinem ersten Imkerjahr noch nicht mit Honig rechnen kann, weiß der Kleine bereits. Zusammen mit Mama und Papa wird sein zurzeit "ausgelagertes" Bienenvolk, das mit der neuen Königin in etwa vier Wochen zurückkehren wird, im kommenden Herbst gegen Milben und andere Schädlinge geschützt und mit Extrafutter auf das Überwintern vorbereitet. Erst danach, im Jahr 2018, darf Lenni sich auf den ersten Honig seines eigenen Bienenvolkes freuen.

Viel hat der jüngste Imker des Saarlandes bereits im vergangenen Jahr gelernt, als seine Mutter im Kinderhaus St. Jakobus (Kindergarten) in Weiskirchen zur Freude aller Kinder ein spannendes Bienenprojekt ausrichtete. Einen ganzen Sommer lang brummte ein fleißiges Bienenvolk in und rund um den Bienenstock im Garten des Kindergartens.

Kathrin Großmann sammelt ihr Fachwissen übrigens bereits seit fünf Jahren im Imkerverein Wadern. Zum Einstieg stellte man ihr dort Helmut Hahn als Imker-Paten zur Seite: "Von ihm habe ich neben meinem ersten Bienenvolk auch viele Tipps aus der Praxis vermittelt bekommen." Ihr Fachwissen rundete die Weiskircherin ferner in verschiedenen Lehrgängen unter anderem in St. Wendel ab. "Der liebevolle und verantwortungsvolle Umgang mit meinen Bienen im Einklang mit der Natur bereitet mir viel Freude", versichert sie, "ferner wissen meine Familie und viele Freunde darüber hinaus unseren Honig überaus zu schätzen." Das sieht natürlich auch Lenni so: "Obwohl mich mal eine Biene gestochen hat - einfach so!"

Zum Thema:

Das Interesse an Bienen wächst Kathrin Großmann ist Mitglied im Imkerverein Wadern, der im Jahr 1952 aus mehreren Imkervereinen der Stadtteile von Wadern gegründet wurde. Nachdem Berthold Schwarz den Verein von 2007 bis 2016 geführt hatte, wurde Joachim Bayer in diesem Jahr zum neuen Vorsitzenden gewählt. Aktuell freut sich der Verein über eine Zahl von rund 50 Mitgliedern. Die seit einigen Jahren auch beim Landesverband zu beobachtende Verjüngung der Mitglieder wird von den Verantwortlichen als wachsendes Interesse der Menschen an der Natur im Allgemeinen und an den Bienen im Besonderen sehr begrüßt. Der Landesverband der Saarländischen Imker (LSI) vertritt heute 97 Ortsvereine und sechs Kreisverbände.

Gemeinsam mit der Mama inspiziert Lenni den Bienenstock.
Gemeinsam mit der Mama inspiziert Lenni den Bienenstock.