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Wadern
David bietet Goliath so richtig Paroli

Die Fußballerinnen des HWG Wadern konnten sich über Platz zwölf beim Bundesfinale in Berlin freuen.
Die Fußballerinnen des HWG Wadern konnten sich über Platz zwölf beim Bundesfinale in Berlin freuen. FOTO: Foto: Erwin Didas/HWG
Wadern . Fußballerinnen des Waderner Hochwald-Gymnasiums erkämpfen sich bei „Jugend trainiert“ in Berlin Platz zwölf. red

Im Saarland sind sie die Nummer eins, in Deutschland die Nummer zwölf: Die Mädchenmannschaft des Waderner Hochwaldgymnasiums hat beim Wettbewerb „Jugend trainiert für Olympia“ in Berlin vier Bundesländer hinter sich gelassen. Nachdem sich die Mannschaft in der Wettkampfklasse III (Jahrgänge 2004 bis 2006) vor den Sommerferien auf Landesebene gegen alle anderen saarländischen Mannschaften durchgesetzt hatte, reiste die von Benjamin Heinrichs und Stephan Sauer trainierte Mannschaft mit viel Vorfreude, aber auch gehörigem Respekt zum Bundesfinale.


Gleich im ersten Spiel mussten sich die Saarländerinnen mit dem späteren Bundessieger, der Sportschule Potsdam messen. Und das tat sie toll. Torfrau Marie Linnig vereitelte einige gute Tormöglichkeiten des Gegner, auch die Abwehr mit Florentine Bach, Enya Vogel, Lucie Wagner und Lara Meier leistete ganze Arbeit. Um das Ergebnis 0:3 richtig einschätzen zu können, passt der Vergleich von David gegen Goliath: Potsdam ist eine Eliteschule des Sports und kooperiert mit dem Verein 1. FFC Turbine Potsdam, einem Aushängeschild im Frauenfußball. Dementsprechend groß ist die Anzahl an Bundesliga- und Nationalspielerinnen, die diese Sportschule im Laufe der Jahre herausbrachte. In acht Wochenstunden Sportunterricht zusätzlich zum regulären Training beim 1. FFC Turbine Potsdam erhalten die Schülerinnen die perfekte Ausbildung auf Top-Anlagen.

Davon können die Mädchen in Wadern nur träumen. Auch wenn das Hochwald-Gymnasium seit Jahren Partnerschule des Saarländischen Fußballverbandes ist und mittlerweile auch Elitetraining für Fußballerinnen anbietet, haben die Waderner nur einen alten Braschen-Platz zur Verfügung, mit Toren, die notdürftig geschweißt und verrostet sind. Im Stundenplan stehen zwei Sportstunden.



Auch im zweiten Spiel der Vorrunde mussten die Saarländerinnen gegen ein Sport-Gymnasium antreten: gegen das Heinrich-Heine-Gymnasium Kaiserslautern. „Wie? Kann man auch ohne Sportschule zu sein, hier an diesem Wettbewerb teilnehmen?“, staunte der Gegner. In dieser Partie blieben die Waderner Mädchen unter ihrer Normalform und gingen am Ende mit einer 1:6-Niederlage und gesenkten Köpfen vom Platz.

Es war aber auch ein Weckruf zur rechten Zeit: Im letzten Vorrundenspiel gegen Chemnitz, den Landessieger von Sachsen, spielte die Elf aus dem Hochwald befreit auf und konnte dank zweier Tore von Annalena Croy und jeweils einem Tor von Abwehrchefin Florentine Bach und Sturmführerin Elena Zwer das Spiel klar mit 4:0 für sich entscheiden.

Am zweiten Spieltag ging es für die Mannschaft um die Plätze neun bis 16. Und hier legte Wadern gleich ganz stark los. Der erster Gegner, der Landessieger von Sachsen-Anhalt, wurde quasi überrannt. Angriff um Angriff lief auf das Tor des Stephaneum Gymnasiums zu Aschersleben. Die jüngste Waderner Spielerin, Ronja Frank, erwies sich als eiskalte Torjägerin und erzielte alle vier Tore zum 4:0-Endstand.

Auch im zweiten Spiel gegen den Landessieger von Schleswig-Holstein, das Alster-Gymnasium, waren die Saarländerinnen die spielbestimmende Mannschaft und hatten die größeren Chancen. Doch leider nutzen sie zu wenige und kamen nicht über ein 1:1 nach der regulären Spielzeit hinaus (Torschützin: Ronja Frank). Im anschließenden Siebenmeterschießen hatten die Waderner Mädels dann die schlechteren Nerven und unterlagen unglücklich mit 4:5. Ähnlich lief es gegen den Landessieger von Berlin, die Merian-Schule. Auch hier wäre ein Sieg drin gewesen. Unmittelbar vor Schluss gelang Berlin das 3:2-Siegtor.

Die Enttäuschung durch diese Niederlage im Spiel um Platz elf war aber schnell durch die Sight-Seeing-Tour vergessen: Der Bundestag, das Brandenburger Tor und weitere Sehenswürdigkeiten standen auf dem Programm. Und schließlich hatte sich der Saarlandmeister im Bundesvergleich mehr als achtbar geschlagen.