1. Saarland
  2. Merzig-Wadern
  3. Wadern

Für Vogelkundler eine Sensation

Für Vogelkundler eine Sensation

Wadern. Bernd Konrad, der Vorsitzende der Nabu-Ortsgruppe Lockweiler-Krettnich und Naturfotograf, kennt sich in der Vogelwelt bestens aus. Sein Rat ist immer wieder gefragt. Mitte September rief ihn Willibald Steuer aus Morscholz an. Er habe einen toten Fischadler gefunden

 Die Füße des Schlangenadlers.
Die Füße des Schlangenadlers.
 Der Fuß eines Fischadlers.
Der Fuß eines Fischadlers.

Wadern. Bernd Konrad, der Vorsitzende der Nabu-Ortsgruppe Lockweiler-Krettnich und Naturfotograf, kennt sich in der Vogelwelt bestens aus. Sein Rat ist immer wieder gefragt. Mitte September rief ihn Willibald Steuer aus Morscholz an. Er habe einen toten Fischadler gefunden. Steuer hatte Konrads Fotoausstellung über den Fischadler in Naturpark Saar-Hunsrück in Weiskirchen gesehen und ihn deshalb deshalb angerufen.Bernd Konrad fuhr nach Morscholz und dachte zunächst, es handele sich tatsächlich um einen Fischadler. "Unterwegs machte ich mir Gedanken über die kleinen Krallen und über den großen Kopf. Zu Hause angekommen, machte ich ein paar Fotos von diesem Greifvogel", berichtet Bernd Konrad der SZ."Alle Fachbücher habe ich gewälzt und konnte es kaum glauben. Es war ein Schlangenadler. Der große Kopf, die Füße, mit denen ein Fischadler keine Fische aus dem Wasser bekommen könnte, die Spannweite von 190 Zentimetern, der Stoß und die Handschwingenfeder mit einer Länge von 47 Zentimetern im Vergleich zum Fischadler von nur 37 Zentimetern waren eindeutige Beweise." Die Fotos schickte der Nabu-Vorsitzende an Günter Nicklaus vom Ornithologischen Beobachterring Saar (OBS), den Nabu-Landesvorsitzenden Ulli Heintz, Martin Hormann von der Deutschen Vogelschutzwarte in Frankfurt und an Dr. Daniel Schmidt.Dr. Daniel Schmidt ist laut Konrad der Experte für Greifvögel und hat gemeinsam mit Theodor Mebs sogar ein Buch, nämlich "Die Greifvögel Europas, Nordafrikas und Vorderasien", geschrieben.Bernd Konrad: "Daniel Schmidt und Martin Hormann haben bestätigt, dass es sich bei dem toten Greifvogel tatsächlich um einen Schlangenadler handelt. Nach dem Gefieder zu beurteilen, ist es sogar ein Jungvogel aus diesem Jahr. In Mitteldeutschland wurden dieses Jahr mehrfach Schlangenadler beobachtet. Es stellt sich die Frage, brütete ein Schlangenadler in Deutschland? Das wäre eine Sensation."Die Unterfamilie der Schlangenadler gehört laut Konrad zur Familie der Habichtartigen und umfasst sowohl mittelgroße als auch sehr große Arten mit meist sehr breiten Flügeln und einem sehr großen Kopf. Mit einer Spannweite von 190 Zentimetern und einer Gesamtlänge von 70 Zentimetern ist er ein recht großer Adler.Er ernährt sich hauptsächlich von Schlangen, aber auch von Insekten, von Käfern und von Würmern. Die kleinen mitteleuropäischen Bestände in Deutschland, Österreich, Luxemburg, der Schweiz und Niederlande seien in den vergangenen 100 Jahren erloschen, so der Vogelexperte weiter. Die letzten saarländischen Nachweise seien zwei Abschüsse aus dem Warndt bei Karlsbrunn 1893 gewesen.Hat die Klimaveränderung mit dem Auftauchen des Schlangenadlers zu tun? Bernd Konrad: "Ich glaube ja. Arten, wie zum Beispiel der Bienenfresser, besiedeln nach und nach ganz Deutschland. Das Nahrungsangebot von Insekten wird immer größer. Meiner Ansicht nach gibt es in den nächsten Jahren noch mehr Seltenheiten zu beobachten." vf