Fratzenmacher Wadrill feiert närrisches Jubiläum

Wadrill : Fratzenmacher feiern ihr närrisches Jubiläum

5 x 11 Jahre alt wird der Karnevalsverein aus Wadrill. Zur Feier des Geburtstags gibt es unter anderem eine Sitzung und einen Umzug.

„Kein Witz, kein Scherz, ön Wadreijll ös emmer noch Faasendzeit“: So lautet die Botschaft des närrischen Thronadels, Prinzessin Claudia III. und Prinz Alfred I. mit Kinderprinzenpaar Moritz Schmitt und Melina Marmitt. Deren närrische Regentenzeit ist über den Aschermittwoch hinaus verlängert worden, bis zu diesem Wochenende im August, weil „fier 55 Joahren, datt ös der Kracher, woar die Geburtsstunde der Fratzenmacher“.

Nach Narren-Rechnung sind fünf mal elf Jahre ein runder Geburtstag, und diesen feiert der Karnevalsverein Die Fratzenmacher Wadrill in ganz großem Stil mit Prinzenpaaren, Garden, Festkommers, Jubiläumsnarrensitzung und Jubiläumsumzug an drei Tagen.

„Für uns Fratzenmacher ist das nichts Ungewöhnliches, schon vor elf, 22, 33 und 44 Jahren haben wir unsere runden Geburtstage mit großem Treiben im Sommer mit Festzelt auf dem Dorfplatz gefeiert“, sagt Ruth Brücker, die Vorsitzende der Wadriller Fratzenmacher. „Und in diesem Jahr soll es genauso hoch hergehen wie bei den Jubiläen zuvor. An dieser Tradition halten wir fest“, verspricht sie.

Diese Wadriller Sommerjubiläen waren im saarländischen Karneval stets einzigartig. Immerhin haben die Fratzenmacher den Hochwaldort zu einer Hochburg des Karnevals gemacht. Angefangen hatte alles im Herbst 1964 mit der Gründung einer Interessengemeinschaft zur Durchführung eines Rosenmontagsumzuges. Der schlängelte sich am nächsten Rosenmontag 1965 mit rund 40 Wagen und Gruppen unter dem ersten Prinzenpaar Hans Marmitt und Lieselotte Lohrig-Nickels durch die Straßen von Wadrill. Damit war eine gewisse Euphorie entfacht, der Grundstein gelegt, die IG wurde zum Verein. Erster Vorsitzender war Alois Barth, sein Stellvertreter Lorenz Treitz, Schriftführer Dagobert Nickels. In kürzester Zeit hatten sich bereits 100 Narren ins Mitgliederbuch eingeschrieben.

Durch die Wadriller Straßen wird sich ein Gaudiwurm mit Fußgruppen und Motivwagen schlängeln. Foto: eb

„Der Ursprung des Wadriller Karnevals liegt in Gehweiler, denn dort wurden Mitte der Fünfziger Jahre schon Kappensitzungen im Saal bei ‚Kloosen’ (heute Baurnschenke Klauk-Baur) abgehalten. Davon ließ sich der Gesangverein Constantia anstecken, funktionierte seine humoristischen Familienabende, da er die passenden Leute dazu hatte, in Kappensitzungen für jedermann um“, ist in der Narrenchronik festgehalten. Bei so vielen närrischen Talenten war es nicht weit bis zur Gründung eines Karnevalsvereins, der erst 14 Jahre später seinen Namen Die Fratzenmacher erhalten sollte. So gab es denn alljährlich zwei Sitzungen, eine vom Gesangverein und eine vom Karnevalsverein. Schwerpunkte waren Büttenreden und Gardetanz. Im Laufe der Jahre haben sich die Wadriller aber mit Schautänzen, Männerballett und tollen Umzügen einen Namen gemacht.

Als später nur noch der Karnevalsverein seine Sitzungen abhielt, und zwar „off der Fuerstuff“, waren aufgrund der Nachfrage zwei Sitzungen notwendig. Das war nicht immer leicht, mussten die Akteure doch an zwei Abenden hintereinander fit sein, auch wenn am zweiten Abend der Schädel vom Vorabend noch brummte. Aber Narren sind auch nur Menschen. Dieser Turnus wurde bis 1985 beibehalten, es erfolgte ein Umzug in die Waderner Stadthalle, in der bei rund 800 Zuschauern eine Sitzung stattfand. Dieses „Fremdgehen“ endete 2003, als die neue Wadrilltalhalle zur Narrhalla wurde.

Seit jenem Jahr werden an zwei Wochenenden die großen Gala-Kappensitzungen abgehalten. Garant für Stimmung und Halligalli ist sicherlich Sitzungspräsident Christian „Festus“ Lauer, ein wahrer Tausendsassa in Sachen Fastnacht. Eine kleine Auswahl an Originalen und Höhepunkten in der Wadriller Faasend sind Gründungsvorsitzender Alois Barth, der nie in der Bütt stand, aber Karnevalist und Organisator durch und durch war, Hermann Marmitt, genannt Poser und Lilliputaner Toni, „Bläcky“ Alois Weber, die Eiermänner Günther Großmann und Klaus Schonarth, der Wanderclub, die Sänger ohne Namen oder Pils-Käpp, „Engel“ Juppes Barth, Zeitkritiker Edi Koch, Wanderer vom Teufelskopp Pauli, Flipper, Robert Swenne und Christian Lauer, Benjamin Seyler, Waderola-Duett Hans und Neumeyer, Karin Geiger sowie Petra Sauer. Einen tollen Ruf hat sich das Männerballett erarbeitet, etliche Preise in der Fremde erzielt.

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