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Geburtstag
„Französische Komödien laufen besonders gut“

Hanns Peter Ebert ist der erste Vorsitzende der Filmfreunde. 
Hanns Peter Ebert ist der erste Vorsitzende der Filmfreunde.  FOTO: rup / Rolf Ruppenthal
Großes Kino im Grünen Kreis: Die Filmfreunde Wadern feiern heute Abend ihren fünften Geburtstag.

Was war das schönste Erlebnis für die Filmfreunde in den fünf Jahren?


Hanns Peter Ebert: Am eindrücklichsten in Erinnerung ist mir selbst der 2. Oktober 2012 geblieben, als wir als allerersten Film „The Artist“ zeigten. Das Kino voll, alle mucksmäuschenstill beim Stummfilm, Applaus am Ende. Das war ein Gänsehauterlebnis. Aber ich glaube, da müssten Sie alle Filmfreunde und Freundinnen persönlich fragen.

Welcher Film war in den vergangenen Jahren der Renner?



Hanns Peter Ebert: Jedes Jahr hatte seinen Top-Film. Letztes Jahr ganz oben war die französische Komödie „Gemeinsam wohnt man besser“, „Toni Erdmann“ und „Willkommen bei den Hartmanns“.

Wie viele Filme wurden in den vergangenen fünf Jahren gespielt?

Hanns Peter Ebert: Weit über 300 verschiedene Filme sind über unsere Leinwand gelaufen. Aber genau nachgezählt haben wir nicht.

Hat sich das Publikum in dieser Zeit verändert?

Hanns Peter Ebert: Von der Altersstruktur eigentlich nicht. Allerdings ist unser Einzugsgebiet im Laufe der Zeit immer größer geworden. Wir haben viele Gäste, die aufgrund unseres Programms auch über 30 Kilometer Anfahrt in Kauf nehmen.

Welche Art von Filmen kommt beim Publikum am besten an?

Hanns Peter Ebert: Gerade die französischen Komödien wie „Monsieur Claude und seine Töchter“ oder ganz aktuell „Eine bretonische Liebe“ laufen besonders gut bei uns. Aber auch die erfolgreichen deutschen Filme der letzten Jahre waren top besucht, auch wenn wir die Filme erst einige Wochen nach dem Bundesstart zeigen konnten. Aber wir hatten auch überraschende Besucherzahlen bei zwei isländischen Filmen.

Wie finanzieren Sie die Vorführungen, die Kinomiete und die laufenden Kosten?

Hanns Peter Ebert: Der Filmverleiher bekommt einen Anteil am Kartenumsatz zwischen 30 und 40 Prozent. Also ganz vereinfacht gesagt: wenn am Wochenende 30 Gäste einen Film gesehen haben, sind die Kosten gedeckt. Dazu kommt der Getränke- und Süßwarenverkauf, der vor allem bei Sonderveranstaltungen wie Konzerten, Kabarett oder der jährlichen Schulkinowoche besonders gut läuft. Auch die Vermietungen des Kinos etwa für Kindergeburtstage ist wichtig. Für verschiedene Filmreihen bekommen wir kleinere Zuschüsse. Wir zahlen keine Saalmiete und machen alles ehrenamtlich, sonst würde das nicht funktionieren. Aber wir kommen inzwischen gut über die Runden.

Wie haben Sie die Arbeit aufgeteilt?

Hanns Peter Ebert: Von Anfang an war klar, ohne ein starkes Team und eine klare Aufgabenverteilung wird das nichts mit einem vollwertigen Kinoprogramm. Programmarbeit, Filmabrechnung, Dienstpläne, Öffentlichkeitsarbeit, Mitgliederverwaltung und Instandhaltungssarbeiten sind auf etwa neun Schultern verteilt. Dazu kommt ein Pool von rund 20 Mitgliedern, die regelmäßig Filmvorführung und Thekendienst im Kino machen. Vor diesem stabilen und tollen Engagement seit Vereinsgründung ziehe ich meinen Hut.

Als was sehen Sie das Waderner Kino, das Sie und Ihre Mitstreiter vor dem Aus bewahrt haben?

Hanns Peter Ebert: Nicht nur für mich ist das Kino zu einem Stück Heimat geworden. Es ist ein Treffpunkt und ein Kulturort, wo sich viele Menschen einbringen können, aber auch zusammen viel Spaß haben. Die Lichtspiele sind inzwischen viel mehr als ein Kino. Und trotz der vielen Arbeit gibt es immer wieder neue Ideen.

Wie viele Mitglieder zählt Ihr Verein?

Hanns Peter Ebert: Wir sind mit etwa 25 Mitgliedern gestartet. Jetzt liegen wir bei 150. Sehr wichtig, um eine finanzielle Basis zu haben, auch wenn der Mitgliedsbeitrag nur 15 Euro pro Jahr beträgt.

Den Fall gesetzt, die Zeit wäre bis 2011 zurückzudrehen: Würden Sie und Ihre Leute die gleiche Arbeit wieder auf sich nehmen?

Hanns Peter Ebert: Da kann ich nur für mich sprechen: auf jeden Fall. Aber wenn ich das konstante Engagement des Vorstandes und aller Vereinsmitglieder sehe, geht es denen wohl genauso.

Wie wird der Geburtstag gefeiert?

Hanns Peter Ebert: Am heutigen Freitag veranstalten wir um 19 Uhr einen „lockeren Festakt“, zu dem alle Mitglieder, Förderer, Partner und Filmfreunde aus Nah und Fern eingeladen sind. Am Samstag drehen wir ab 19 Uhr unsere Tonanlage voll auf. Es gibt eine Menge Soulmusik und den Fatih Akin Klassiker „Soul Kitchen“, und das ganze bei freiem Eintritt.

Was wünschen Sie sich und Ihren Filmfreunden für die Zukunft?

Hanns Peter Ebert: Woran wir arbeiten, ist jüngere Menschen in unser Kino zu bringen. Wenn wir schon nicht die klassischen Blockbuster spielen, muss uns etwas anderes einfallen. Geplant ist zum Beispiel eine Playstation Competition auf großer Leinwand, gemeinsam geplant mit vielen jungen Leuten. Ansonsten etwas mehr Zeit für Kreativität und Rumspinnen. Der wöchentliche Kinoalltag ist halt sehr zeitaufwendig.

Gibt es einen Film, den Sie gerne in den Waderner Lichtspielen zeigen würden?

Hanns Peter Ebert: Ich selbst möchte mir endlich mal „Sky Captain and the world of tomorrow“ auf großer Leinwand ansehen. Den habe ich damals im Kino verpasst. Vielleicht miete ich mir demnächst einfach mal unser Kino. Das Kino mieten kann man übrigens auch als Nichtmitglied. Toll wäre es, wenn endlich die großen Verleiher wie Constantin oder Disney Filmlizenzen an kleine Kinos vergeben würden, auch wenn sie nicht 3D-fähige Anlagen betreiben.

Was war für Sie der schönste Film?

Hanns Peter Ebert: Ein Film reicht nicht als Aufzählung. Ich würde spontan sagen „The Artist“, „Lala Land“, „Moonrise Kingdom“, „Paterson“ und „Conny Plank – the potential of noise“.

Interview: Margit Stark

Lief in Wadern erfolgreich: „Toni Erdmann“.
Lief in Wadern erfolgreich: „Toni Erdmann“. FOTO: dpa / Komplizen Film+SEP+NFP
Ein Renner in den Lichtspielen: Die deutsche Komödie „Willkommen bei den Hartmanns“.
Ein Renner in den Lichtspielen: Die deutsche Komödie „Willkommen bei den Hartmanns“. FOTO: Wiedemann & Berg Film GmbH & Co. KG / Jürgen Olczyk