Einfach zurücklehnen und genießen

Einfach zurücklehnen und genießen

Vorhang auf für den zweiten Waderner Poetry Slam: Den Dichterwettbewerb richtet das Kulturamt am kommenden Donnerstag, 19. Mai, mit dem Dichterdschungel aus Saarbrücken in den Waderner Lichtspielen aus. Über Poetry Slam, die Regeln und mehr hat SZ-Redakteurin Margit Stark mit Christoph Endres, einem der Organisatoren vom Dichterdschungel.

Wie definieren Sie Slam-Poetry? Dichtung als Bühnenshow, ein Mix aus Lyrik, Rap, Performance und Comedy oder von allen ein bisschen?

Christoph Endres: Poetry Slam ist ein Dichterwettstreit, bei dem das Publikum den Gewinner wählt. Dabei sind die Texte und Darbietungen so unterschiedlich wie die auftretenden Künstler selbst. Es ist von allem etwas dabei. Und das Schöne daran ist: Anders als im Deutschunterricht müssen wir uns nicht mit Gattungsbestimmung beschäftigen, sondern können uns einfach zurücklehnen und genießen, was die jungen Künstler darbieten.

Was hat den Ausschlag gegeben, dass Sie solche Dichterwettbewerbe ausschreiben?

Endres: Es gab 2006/2007 einen regelmäßigen Poetry Slam im Theater im Viertel in Saarbrücken, bei dem ich auch öfter selbst aufgetreten bin. Nachdem diese Veranstaltung mangels Interesse seitens der Veranstalter eingestellt zu werden drohte, haben Hauke Trustorff und ich damals beschlossen, die Organisation zu übernehmen und weiterzuführen.

Gibt es Regeln, an die sich die Teilnehmer halten müssen?

Endres: Die Regeln sind einfach: eigene Texte, keine Hilfsmittel/Requisiten/Verkleidungen, kein Gesang (außer zitathaft) und keine Musikinstrumente . Und dazu ein Zeitlimit von 7 Minuten, in dem ansonsten alles erlaubt ist, was mit Stimme, Gestik und Mimik machbar ist. Schreien, flüstern, sich auf der Bühne fallen lassen... alles ist möglich. Die Performance ist in manchen Fällen sogar wichtiger als der Text selbst.

Sind die Gedichte schon vor solche einem Wettstreit vorbereitet oder sind es spontane Einfälle, die auf der Bühne zu Besten gegeben werden?

Endres: Es sind nicht notwendigerweise Gedichte , und sowohl Text als auch Darbietung sind genau wie bei einem Theaterstück sehr gut vorbereitet. Es gibt Ausnahmetalente, die auf Zuruf von Stichworten im Publikum auch mal einen Text improvisieren, aber das ist eher selten.

Mit wie vielen Teilnehmern rechnen Sie nach der erfolgreichen Premiere in Waderner vergangenes Jahr bei der zweiten Auflage?

Endres: Das ist schwer zu sagen. Das Publikum in Wadern war zugleich neugierig und skeptisch, aber generell sehr aufgeschlossen. Es waren viele Zuschauer da, die das Konzept noch gar nicht so genau kannten. Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass es beim zweiten Mal recht voll wird - ich tippe auf ca. 100 Zuschauer und lasse mich überraschen.

Nach welchen Kriterien werden die Slammer ausgewählt?

Endres: Prinzipiell darf jeder auftreten, von daher gibt es eigentlich keine Vorauswahl. "Eigentlich" sage ich deshalb, da natürlich die Frage, wen man denn konkret einlädt oder anfragt, natürlich auch eine Vorauswahl durch die Veranstalter ist. Da sind die Kriterien dann ganz einfach: Wen finden wir gut, wer hat Zeit, und passt es in unser Budget für Fahrtkosten?

Einen Tag nach dem Waderner Poetry-Slam steigt der in Saarbrücken. Mit den gleichen Teilnehmern?

Endres: Nicht ganz. Wir haben einige Teilnehmer mehr und auch nicht alle des Waderner Slams. Darüber hinaus haben wir erstmalig einen Themen-Slam: In Zusammenarbeit mit der FrauenGenderBibliothek Saar geht es bei uns um das Thema Feminismus. Dabei geht es allerdings auch wenig dogmatisch zu - wir hören uns einfach mal einen Abend lang an, wie die Welt im Jahr 2016 aus Sicht junger Slammerinnen und einiger weniger Slammer so ist. Ich stelle mir das sehr interessant vor.

Gibt es tatsächlich die Slammer-Charaktere, die der Uni-Spiegel einmal vorgestellt hat? Die Urgesteine etwa, den Storyteller, den Reisenden, den Freestyler oder den Emotionalen?

Endres: Die gibt es auch, aber ich würde ungern die doch sehr vielfältige Szene darauf reduzieren wollen. Bei einem Poetry Slam gibt es viele interessante Charaktere und Texte zu entdecken.

Termin: Donnerstag, 19. Mai, 20 Uhr, Lichtspiele Wadern, Oberstraße 10 (Einlass: 19.30 Uhr). Karten für sechs Euro an der Infozentrale im Rathaus der Stadt Wadern. Weitere Infos: Kulturamt der Stadt Wadern, Tel. (0 68 71) 50 70, E-Mail an Kultur@

wadern.de.

www.wadern.de .

www.dichterdschungel.de

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