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Ende der Konzerte in der kleinen Residenz
„Eine große Nähe zu den Künstlern“

Bernd Schröder, der Vorsitzende des Vereins und „Vater“ der „Konzerte in der kleinen Residenz Wadern“.
Bernd Schröder, der Vorsitzende des Vereins und „Vater“ der „Konzerte in der kleinen Residenz Wadern“. FOTO: Bernd Schröder
Ende Juni hat der Verein „Konzerte in der kleinen Residenz Wadern“ seine Tätigkeit eingestellt. Friedrich Ebert, Bernd Schröder, Bürgermeister Jochen Kuttler und Petra Lauk vom Kulturamt skizzieren im Gespräch mit der Saarbrücker Zeitung die Geschichte des Vereins und erklären, wie es nun weiter geht.

Sie sind der Gründer der Konzertreihe! Was hat Sie dazu bewogen, vor über 30 Jahren Konzerte in Wadern anzubieten? War es die Liebe zur Musik?


FRIEDRICH EBERT: 1974 verlegte ich meinen Wohnsitz von Frankfurt nach Wadern. Als Musikliebhaber suchte ich dort vergeblich nach einer Konzertreihe. Im Jahre 1981 wurde ich örtlicher Leiter der Christlichen Erwachsenenbildung. Dann ergab sich durch Doppelbuchung eines Abteikonzertes der CEB in Mettlach eine Chance für den Aufbau einer ähnlichen Reihe in Wadern. Georg Hasenmüller, damals Chef der Christlichen Erwachsenenbildung in Merzig, bot mir ein ausgezeichnetes Ensemble aus der ehemaligen DDR an, das „Mendelssohn-Quartett des Gewandhausorchesters Leipzig“. Aus diesem ausgezeichneten Konzert sollten dann noch viele weitere unter dem Titel „Konzerte in der kleinen Residenz“ in Wadern entstehen.

Herr Schröder, mit viel Herzblut und Engagement haben Sie, zusammen mit Birgit Leidinger, die Konzertreihe über Jahrzehnte ausgebaut, begleitet und immer wieder neue Ideen eingebracht! Wie haben Sie die Entwicklung von damals bis heute erlebt?



BERND SCHRÖDER: Der Start war leicht. 1998 übergab Herr Ebert mir eine Konzertreihe von hoher Qualität und mit einem klaren Profil. Finanziell und haftungsrechtlich lief diese unter dem Dach der Katholischen Erwachsenenbildung. Im Jahr 2000 habe ich gemeinsam mit Birgit Leidinger einen gemeinnützigen Trägerverein gegründet. Wir führten inhaltlich die Linie von Herrn Ebert fort mit drei Säulen: 1. Kammermusik, 2. Kirchenmusik, vorzugsweise mit einheimischen Chören, aber mit professionellen Solisten und Orchestermusikern sowie 3. Auftrittsmöglichkeiten für junge Leute in Reihen wie „Jeunes talents“ oder „Meister von morgen“. Das stilistische Spektrum erweiterten wir behutsam durch Jazz, Klezmer, Tango, Flamenco, Chanson. So gab es ein erstes open air-Konzert auf dem Gelände der Martinsmühle mit dem Wedeli-Köhler-Ensemble, und die Alfred Lauer Bigband erntete großen Erfolg in der Stadthalle. Auch Cross-over kam vor: Da brachte das Trio Jazz à la française den berühmten Cellisten Gustav Rivinius mit oder mehrmals den Geiger Wolfgang Mertes. Das Klassik-Publikum nahm das Angebot gut an, jüngere Besucher konnten wir nicht herüberlocken.

Auch die Hoffnung, wir könnten durch überörtlichen Vorverkauf und Plakatieren, ein regional breit gestreutes Publikum gewinnen, erfüllte sich nicht. Ein dreitägiges Harfenfestival im Jahr 2016 mit üppigem Rahmenprogramm brachte einige auswärtige Festivalbesucher, dennoch waren die Zuhörerzahlen recht ernüchternd.

Äußerst erfolgreich war dagegen unser Vereinsmitglied Bernhard Lindenmayer mit der Idee, mehrtägige Kulturreisen in andere Städte zu organisieren, ob nach Leipzig, München, Fürth, Nürnberg, Essen und Köln, Bamberg, Düsseldorf oder Bayreuth. Herr Lindenmayer und seine Filmerfreunde haben außerdem 101 unserer Konzerte aufgezeichnet, Ausschnitte daraus halten auf Youtube die Erinnerung an manches schöne Erlebnis wach.

Stolz bin ich auch heute noch auf die Sonderausstellung des künstlerischen Werks von Octavie de Lasalle von Louisenthal 2005 im Waderner Museum, die zu weiteren Ausstellungen in Merzig und Schloss Dagstuhl führte.

Dennoch kann man nicht leugnen, dass unser Stammpublikum zusehends älter und spärlicher wurde. Birgit Leidinger und ich haben 18 Jahre den Verein geführt. Wir sind beide amtsmüde, und da sich keine Nachfolger finden ließen, hören wir nun auf.

Inwieweit waren Ihre Frauen eingebunden in die Konzerte, denn einige Künstler wohnten ja auch bei Ihnen?

SCHRÖDER: Eingebunden ist der richtige Ausdruck. Unsere Urlaubspläne mussten sich immer nach den Konzertterminen richten, denn in den letzten zwei Wochen vorher war viel zu tun. Zwar übernachteten nur entfernt wohnende Künstler bei uns, aber so ziemlich alle waren nach dem Konzert unsere Gäste zum Plaudern, Essen, Nachfeiern und sich Entspannen. Für meine Frau Danielle hieß das Einkaufen, Essen richten, fertig machen, schnell noch den Hund ausführen und rechtzeitig zum Dienst an der Abendkasse erscheinen. Ich war bereits schon Stunden vor dem Konzert weg, um den Saal einzurichten und alle Vorbereitungen für das Konzert zu treffen. Es kam auch vor, dass meine Frau ganz auf ein Konzert verzichten musste, um zum Beispiel ein Musikerkind zu hüten.

Ich kann meiner Frau nur danken für ihre Unterstützung bei der Organisation der Konzerte und für die Betreuung der Künstler. Danken will ich auch meiner Mitvorsitzenden und ihrem Mann sowie dem Ehepaar Lindenmayer, die immer zur Stelle waren, wo Hilfe nötig war. Mein Dank gilt auch Barbara Ihle für die Scherenschnitte auf den Titelblättern der Jahresprogramme.

EBERT: Eine solche Reihe zu organisieren, war alleine nicht zu schaffen. Die Musiker waren damals privat untergebracht und erhielten eine Rundumbetreuung, die meine Frau bewerkstelligte. Dadurch entstand jedoch auch eine große Nähe zu den Künstlern, und man konnte ein wenig in ihre Kunstwelt eingeweiht werden. Einhundert Konzerte lang dauerte diese Betreuung, wofür ich meiner Frau nachträglich nicht genug Dank sagen kann.

Die Stadt Wadern hat die Konzerte finanziell und mit viel Wohlwollen unterstützt. Ein herber Einschnitt für das Kulturprogramm der Stadt? Dürfen sich die Zuhörer, neben den Aufführungen des Oratorienchores, auf weitere Konzerte in Wadern freuen?

JOCHEN KUTTLER: Selbstverständlich bedauern wir, dass der Verein, sagen wir es einmal salopp „seinen Betrieb“ einstellt. Aber ich denke, dass man zuerst einmal auf das zurückblicken sollte, was war. Eine hervorragende Arbeit, die von sehr engagierten Kennern und Liebhabern klassischer Musik getragen wurde. Das verdient Respekt und Anerkennung und ist natürlich auch Auftrag, einen Weg zu finden, diese sehr spezielle Sparte weiter einem interessierten Publikum anbieten zu können. Daran arbeiten wir zurzeit intensiv.

PETRA LAUK: Unser Ziel ist, im Jahr ein bis zwei Konzerte unter dem Namen „Konzerte in der kleinen Residenz“ weiterzuführen. Dieser Veranstaltungstitel hat sich in 37 Jahren zu einer Marke entwickelt, die für musikalische Qualität bürgt. Dieses Image ist für die neuen Organisatoren Verpflichtung und Auftrag zugleich. Wir haben auch die Zusage der bisher Verantwortlichen, mit Rat und Tat Unterstützung zu leisten. So werden sich die Zuhörer in Nah und Fern weiterhin auf musikalischen Hochgenuss aus den Bereichen Klassik und Jazz freuen dürfen.

Wie haben Sie es immer wieder geschafft, erstklassige Künstler nach Wadern zu locken und das Publikum mit Konzerten auf einem solch hohen Niveau zu verwöhnen?

SCHRÖDER: Ich hatte die Qual der Wahl. Pro Jahr erhielt ich zwischen zwanzig bis dreißig Bewerbungen, auch von sehr bekannten Künstlern. Teils waren diese durch unsere Homepage auf uns aufmerksam geworden, aber auch durch Empfehlung von Kollegen, die schon in Wadern aufgetreten waren. Außerdem haben Vereinsmitglieder mir häufig Künstler empfohlen, und wir haben regelmäßig Konzerte besucht. Die Kunst war dann, ein finanziell tragbares Jahresprogramm mit einer guten Streuung der Termine und stilistischer Abwechslung zusammenzustellen.

EBERT: Am Anfang der Konzertreihe konnten wir viele Künstler aus Leipzig engagieren und bekamen dadurch Kontakte zu Musikern und Ensembles des Gewandhauses Leipzig. Zu meinem letzten organisierten Konzert hatten wir das „Neue Bachische Kollegium Musicum Leipzig“, ein weltweit konzertierendes Ensemble, in die Waderner Provinz verpflichtet.

Insgesamt ist ein Besucherrückgang bei vielen kulturellen Veranstaltungen zu beobachten! Die Vereine haben inzwischen viele Auflagen zu erfüllen. Wie sehen Sie als Bürgermeister die weitere kulturelle Entwicklung der Stadt und das Engagement der vielen Ehrenamtlichen?

KUTTLER: Na ja, die Frage ist auch immer, wie man „kulturelle Veranstaltungen“ definiert. Ich halte den Marktsommer, Poetry-Slam und auch das Stadtfest durchaus für würdig, als „Kulturveranstaltungen“ zu glänzen. Insofern ist mir nicht bange, dass wir weiter ein sehr buntes Potpourri an Angeboten vorhalten können, getragen von Menschen, die eben diese Angebote schätzen und sie einer breiten Öffentlichkeit präsentieren wollen. Die Welt verändert sich. Nehmen Sie einmal die Radioprogramme: SR3 Saarlandwelle. Wo vor zwanzig Jahren die „Bunten Funkminuten“ mit Blaskonzerten punkteten, hören Sie heute Rod Stewart „Sailing“ trällern.

Durch die Konzerte und Ihre Gastfreundschaft haben Sie im Laufe der Jahre auch viele Freunde gewonnen! Wird Ihnen all dies fehlen?

SCHRÖDER: Nein. Es war eine schöne Zeit, und ich denke mit gutem Gefühl daran zurück, aber immer noch habe ich mehr als genug ebenso befriedigende Beschäftigungen, die mich ausfüllen.

Die Fragen stellte Ruth Wagner

(rw)