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Naturlandstiftung-Tochter ÖFM wird 20 : Eine erfolgreiche Managerin für die Natur

Naturlandstiftung-Tochter ÖFM wird 20 : Eine erfolgreiche Managerin für die Natur

Durch das Naturland Ökoflächen-Management werden Sünden an der Natur wieder bereinigt. So kehrt wieder neues Leben in die Flächen.

Axel Didion stapft über feuchten Grasboden. Rings um ihn sattes Grün, Wassergräben, etwas weiter einige Bäume. Der Ortsrand ist in Sichtweite, trotzdem ist es ruhig, die Luft klar. Der Biologe bleibt stehen und zeigt auf eine Ampferpflanze. Im Mai, Juni und August, September schenkt er dem Ampfer besondere Aufmerksamkeit, denn dann legt der Große Feuerfalter seine Eier in der Mittelrippe der Blätter ab. Didion ist erfreut darüber, schließlich ist der orangefarbene Tagfalter selten und in Deutschland besonders geschützt. Während der Biologe weitergeht, scannt er mit den Augen den Wassergraben neben ihm. Auf Höhe eines Damms kommt er zum Stehen. „Der Biber ist nicht mehr da“, sagt er. Dafür hat sich in der Ferne ein Silberreiher niedergelassen.

Wo Großer Feuerfalter und verschiedene Libellenarten leben, wo Wasserpflanzen wie die Schwertlilie gedeihen, war früher landwirtschaftliche Nutzfläche. Die Bachaue bei Nunkirchen war in den 70er Jahren durch Drainagen trockengelegt, der Bach begradigt worden. Viele Pflanzen und Tiere verschwanden. Dass die Bachaue nun wieder in ihrem natürlichen Zustand ist, geht auf das Konto der ÖFM, bei der Axel Didion als wissenschaftlicher Mitarbeiter angestellt ist.

ÖFM steht für Naturland Ökoflächen-Management. Öffentlichkeitsarbeiterin Marie-Luise Rausch bezeichnet die GmbH mit dem sperrigen Namen auch als „Managerin der Natur“. Gegründet wurde sie in den 90er Jahren als Tochter der Naturlandstiftung Saar (NLS) – der ältesten Naturschutzstiftung Deutschlands. In diesem Jahr wird die ÖFM 20 Jahre alt. Ihr Ziel ist noch dasselbe wie bei der Gründung: Sie führt Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen im Rahmen des Ökokontos aus. Doch was heißt das?

Sobald jemand in die Natur eingreift, muss er diesen Eingriff kompensieren. Ein Beispiel: Wenn der Landesbetrieb für Straßenbau eine neue Straße baut und durch den Bau ein Tümpel zerstört wird, muss der LfS den Eingriff durch eine Ersatzmaßnahme ausgleichen. Das könnte zum Beispiel eine Feuchtwiese sein. Früher mussten solche Eingriffe an Ort und Stelle durch so genannte direkte Ausgleichsmaßnahmen kompensiert werden. Das änderte sich im Januar 1998.

Das saarländische Umweltministerium erließ damals das sogenannte Ökokonto, woraufhin die NLS die ÖFM gründete. Diese führt Naturschutzmaßnahmen auf Vorrat durch. Der Eingreifer, in unserem Beispiel der Landesbetrieb für Straßenbau, kann diese Maßnahmen dann in Form von Punkten bei der ÖFM kaufen und seinen Eingriff so ausgleichen. Allerdings müssen die Punkte zum Eingriff passen. Wer einen Tümpel zerstört, muss also auch Punkte von Projekten kaufen, die mit Wasser zu tun haben.

Die Projekte der ÖFM lassen sich in sechs Aufgabenfelder gliedern: Flächenprogramm, Auenprogramm, Rückbauprogramm, Agrarflächenprogramm, Erneuerbare-Energien-Programm und Nachhaltigkeitsprogramm. Konkret baut die ÖFM unter anderem versiegelte Flächen, wie ehemalige Campingplätze, Bauernhöfe, Wochenendhäuser oder Teichanlagen, zurück. Sie renaturiert ausgebaute Fließgewässer, wandelt Nadelholzforste in Laubwälder um, baut einen landesweiten Waldflächenpool auf, legt Biotopverbundsysteme, Streuobstwiesen oder Hecken an. All das, um einen Lebensraum für bedrohte Tier- und Pflanzenarten zu schaffen.

Bislang hat die ÖFM rund 200 Projekte und Maßnahmen im Saarland umgesetzt – für Ver- und Entsorgungsbetriebe, Verkehrsunternehmen, Städte und Gemeinden, Banken, mittelständische Unternehmen, aber auch für Privatleute. Zusammen mit der Mutterstiftung, der NLS, gehören der ÖFM mittlerweile über 1700 Hektar Fläche.

Die renaturierte Bachaue in Nunkirchen fällt in den Bereich Auenprogramm und soll die Gefahr von  Hochwasser reduzieren. Die ÖFM wandelte die früheren Ackerflächen in Grünland um. Zudem legte sie ein System von Gräben an, die über einen Abzweig am Nunkircher Bach gespeist werden. Die Drainagen wurden verschlossen. So sind wieder die ursprünglichen Feuchtwiesen entstanden. Der Boden kann wieder mehr Wasser speichern, das Wasser im Bach steigt dadurch langsamer an als zuvor. Durch die Feuchtwiesen wachsen in der Nunkircher Bachaue auch verschiedene Pflanzen wieder: Das Wiesen-Schaumkraut, die Sumpfdotterblume, die Kuckucks-Lichtnelke, der Igelkolben.

Wer am Rande des Grabensystem der Nunkircher Aue über die Losheimer Straße fährt, sieht einen Bachlauf, den die ÖFM angelegt hat. Er ist über den Nunkircher Bach mit den Gräben verbunden. Am Rande der Aue des Losheimer Bachs stand früher ein Aussiedlerhof, der Birkenhof. Heute ist von dem Hof nichts mehr zu sehen, denn die ÖFM hat ihn im Jahr 2009 im Rahmen eines Förderprojekts des Umweltministeriums zurückgebaut und renaturiert.

Gebäude, Ställe, Versorgungsanlagen und Silos wurden entfernt. Die Gesellschaft musste riesige Mengen Bauschutt, alte Baustoffe, Müll und landwirtschaftliche Geräte entsorgen. Auf den ehemaligen Flächen des Hofs wird nun sogenanntes Extensivgrünland entwickelt. Zudem hat die ÖFM am Losheimer Bach 15 000 Kubikmeter Aufschüttungsfläche abgegraben und damit 30 000 Kubikmeter Volumen geschaffen, um Hochwasser zurückzuhalten. „Ein kleiner Mosaikstein, um die Hochwassergefahr zu minimieren“, sagt Didion.

Auch in Zukunft wird die ÖFM Ausschau nach Flächen halten, die sie renaturieren kann. Das ist nicht immer so einfach, vor allem, wenn die Flächen zerstückelt sind und vielen verschiedenen Eigentümern gehören.

Mit der Entwicklung der Nunkircher Bachaue ist Didion zufrieden. Mit der Renaturierung kehrten Tierarten wie der Große Feuerfalter, der Spitzenfleck – eine Libellenart – und der Silberreiher zurück. Der Biologe wartet noch auf Wiesenvögel wie das Schwarzkehlchen oder die Bekassine. Deren Ausbleiben hat aber möglicherweise eine Ursache, an der nicht einmal die ÖFM rütteln kann: der Klimawandel.