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Ausstellung
Eigentümlich attraktiv und widerspenstig

Erdige und gedeckte Farben sind in den Werken Gerd Borkelmanns anzutreffen.
Erdige und gedeckte Farben sind in den Werken Gerd Borkelmanns anzutreffen. FOTO: Gerd Borkelmann
Dagstuhl. Ausstellung mit Arbeiten von Gerd Borkelmann ist noch bis zum 20. Juli auf Schloss Dagstuhl zu sehen.

() Seit kurzem ist die Ausstellung „Let There be More Light“ des niederrheinischen Künstlers Gerd Borkelmann auf Schloss Dagstuhl zu sehen. Gezeigt werden knapp 40 Arbeiten der letzten 20 Jahre. „The meaning of painting is painting“ – Dieses Zitat des amerikanischen Künstlers Robert Ryman passt sehr gut zu Gerd Borkelmann, denn es geht ihm laut eigener Aussage in erster Linie um Malerei. „Mit meinen Bildern möchte ich keine Geschichte erzählen oder die Realität spiegeln“, sagt Borkelmann. Die Ausstellung dauert noch bis Freitag, 20. Juli.


Borkelmann geht es, wie er sagt, um das Malen an sich, um das Erproben von Möglichkeiten, um die Wirkung von Farbnuancen und um das Erschaffen von Farbklängen und Farbrhythmen. Ausgehend von Arbeiten auf Papier hat der Maler seine Technik erweitert. In den letzten Jahren hat die Arbeit auf Papier für den Künstler erneut an Bedeutung gewonnen. In all den Jahren hat Borkelmann einen enormen Fundus angelegt und sich so eine Vielzahl an Möglichkeiten erarbeitet, um immer wieder neue Beziehungen zwischen einzelnen Arbeiten herstellen zu können. „Ich nehme mir die Freiheit, ältere Stücke zu überarbeiten und Bilder immer mal wieder neu zu kombinieren“, sagt Borkelmann. Einige der auf Schloss Dagstuhl ausgestellten Arbeiten hat es in dieser Kombination noch nie gegeben. Ihre Zusammenstellung hat sich nach Aussage von Gerd Borkelmann und Kuratorin Beate Kolodziej vor Ort ergeben, um einen bestimmten „Klang“ im Ablauf der Ausstellung herzustellen.

Herausragend in ihrer malerischen Qualität sind dabei vor allem die monochromen Gemälde. Hier hat der Maler in mehreren Schichten pudrig samtige Oberflächen geschaffen. Ihnen werden geometrische oder gestische Zeichnungen mit aufgebrochenen Flächen gegenübergestellt. Gegengewichte, die sich perfekt ergänzen. Die Palette von Gerd Borkelmann reduziert sich auf gedeckte Farben, wobei die Farbe Grau eine wichtige Rolle bei ihm spielt. In vielfältigen Nuancen verwendet er die unterschiedlichen Mischverhältnisse von Weiß und Schwarz.



Hinzu kommen Beeren- und Blautöne, vielleicht mal ein zartes Gelb oder erdige Farben wie braun und grün. Alles sehr gedeckt und nie aufdringlich. Es gibt bei ihm Arbeiten, die lediglich die Skala von Weiß zu Schwarz aufgreifen. Gerade durch diese Reduzierung und Konzentration auf nur wenige Nuancen, kann man sich tiefer auf die Malerei einlassen. Gerd Borkelmann erschafft ebenso sanfte wie kraftvolle Farbkompositionen, bei denen mal der Bildträger durchschimmert, mal die Fläche kompakt verschlossen wird. Beim Erproben der vielen malerischen Möglichkeiten lässt sich Gerd Borkelmann nicht einschränken und so nutzt er neben den klassischen Malmitteln wie Öl, Acryl, Tusche, Gouache und Bleistift, ebenfalls Korrekturband und Tipp-Ex, eine Korrekturflüssigkeit, wie sie früher beim Tippen mit der Schreibmaschine eingesetzt wurde. Die Korrekturflüssigkeit mit ihrem sonderbaren, gebrochenen Weiß und ihrer schrundigen Oberfläche verleiht den Arbeiten besondere optische und haptische Reize – und eine eigentümlich attraktive Widerspenstigkeit.