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Die Wiege der Menschheit genauer unter die Lupe genommen

Querdenkertage am HWG : Wiege der Menschheit unter die Lupe genommen

Rund um das Thema Afrika ging es bei den jüngsten Querdenkertagen des Waderner Hochwald-Gymnasiums.

Im Klassenraum des Hochwald-Gymnasiums (HWG) sitzen 30 Erwachsene und schauen auf die zwölf Schülerinnen und Schüler, die sich vor der Tafel aufgestellt haben. Diese treten jeweils einen Schritt vor und ergreifen das Wort: „Akwaaba“, „shabe yabebabe yeshe“, „in-i-che“. Etwas ratlos schaut sich das Publikum an, doch die Kinder erklären ihren Eltern dann, dass sie gerade in verschiedenen afrikanischen Sprachen begrüßt worden sind.

Dann beginnt eine einstündige Präsentation, die die Kinder vorbereitet haben und in der sie die Ergebnisse ihres Projektes dem Publikum präsentieren wollen. Die Abschlusspräsentation ist Teil der Querdenkertage, die das HWG Wadern in Kooperation mit umliegenden Grundschulen durchführt. Dabei beschäftigen sich besonders begabte und motivierte Schülerinnen und Schüler der Klassenstufen 4 und 5 über einen Zeitraum von zwei Monaten an acht Projekttagen mit einem vorher festgelegten Thema. In diesem Halbjahr war Afrika das Projektthema der Querdenkertage.

Aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln haben sich die Querdenker unter Anleitung der Projektlehrer Heike Uhlmann-Schiffler und Edwin Didas mit dem afrikanischen Kontinent beschäftigt. Zunächst gaben die Kinder den Zuschauern einen Überblick über die Geografie Afrikas und stellten einige Länder genauer vor. Unter diesen Ländern war auch Burkina Faso, zu dem die Stadt Wadern und das HWG eine besondere Beziehung haben, da hier eine Partnerschaft besteht. So unterstützt das HWG schon seit längerer Zeit eine Schule in Toma.

Zu ausgewählten Themen hatten die Schülerinnen und Schüler sogar Filme produziert, die sie ihren Eltern vorführten. Diese Filme waren im iPad-Raum der Schule mit einem speziellen Programm erstellt worden. So erfuhren die Eltern etwas über das Leben Nelson Mandelas und seinen Kampf für die Rechte der Schwarzen, über die Kolonialisierung Afrikas und die Herrschaft der Europäer über den „schwarzen Kontinent“, über Schulen in Afrika und über die Lebensverhältnisse von Straßenkindern. Im Film über Straßenkinder wurde auch ein Hilfsprojekt vorgestellt, das versucht, den Kindern, die auf der Straße leben, wieder ein normales Leben zu ermöglichen.

Auf der physischen Landkarte Afrikas entdeckten die Kinder Landschaften, von denen sie schon gehört hatten, wie die Sahara, aber auch unbekannte Gegenden und Orte. Am ungewöhnlichsten und zugleich erschreckendsten war für sie der Nyos-See in Kamerun, aus dem 1986 gewaltige Mengen Kohlenstoffdioxid aussprudelten und fast zweitausend Menschen und Tausende Tiere töteten. Am bedrückendsten: Von den vielen Menschen, die aus der Gegend fliehen mussten, lebten noch 2013, also 27 Jahre nach der Katastrophe, 12 000 in Flüchtlingslagern.

Natürlich weckten auch die Fauna und Flora Afrikas reges Interesse. Dabei fielen den Teilnehmern sofort die bekanntesten Tiere ein: Die „Big Five“ Elefant, Büffel, Nashorn, Löwe und Leopard, die ihrer Trophäen wegen bei europäischen Großwildjägern beliebt waren und es immer noch sind, sowie Giraffe und Zebra. Mit Erstaunen und großem Eifer lernten die Kinder aber auch unbekannte Tiere wie Dikdik, Pangolin („Tannenzapfen auf Beinen“) und Kronenkranich kennen. Lieblinge unter den Pflanzen Afrikas wurden der Affenbrotbaum (einige der noch heute lebenden Affenbrotbäume wuchsen bereits zur Römerzeit in der afrikanischen Savanne) und die Usambara-Veilchen, die mit ihrer Farbenvielfalt in Europa gern als Zimmerpflanzen kultiviert werden.

Viele Fragen warf auch die Menschheitsgeschichte in Afrika auf: Wieso bezeichnen Wissenschaftler Afrika als „Wiege der Menschheit“? Und: Warum ist über die Zeit zwischen ägyptischen Pharaonenreichen und Kolonialzeit so wenig bekannt? Durch akribische Recherche fanden die Querdenker heraus, dass es in ganz Afrika mindestens 15 große Königreiche gegeben hatte, deren Kulturen seit Beginn der Kolonialzeit verschwiegen wurden, um den europäischen Besitzanspruch auf das Land und die kulturlosen „Wilden“ zu rechtfertigen.

Mit großer Begeisterung vermittelten die Querdenker ihren Eltern einen Eindruck von dem, was sie zuvor erarbeitet hatten, und präsentierten auch ihre Projektmappen mit den Ergebnissen. Großes Lob für das Engagement der Teilnehmer gab es von den Projektlehrern Heike Uhlmann-Schiffler und Edwin Didas, die die Querdenkertage am Hochwald-Gymnasium organisieren. Neben dem Lob bekamen am Ende alle noch ein Teilnehmerzertifikat, das sie an die Projekttage zum Thema Afrika erinnern soll.