„Die Verbundenheit bleibt“

Seit zehn Jahren spielt das Team „Nunkircher Nachmittag“ Theater. Damit wurde im Ort eine Tradition, die in früheren Jahren intensiv gepflegt wurde, wieder aufgegriffen. Fritz Clemens leitete die Theatergruppe als Regisseur. Nun tritt Vera Schömer-Mellinger in seine Fußstapfen. SZ-Mitarbeiterin Ruth Wagner hat sich mit ihnen über die Theateraufführungen unterhalten.

Herr Clemens, das Theaterspiel hat in Nunkirchen eine lange Tradition. Viele Vereine, wie Kolping, Kirchenchor, Männergesangverein, Frauengemeinschaft und andere, spielten vor Jahrzehnten hier im Ort schon Theater. Nun wurde das Theaterspiel vor zehn Jahren wieder ins Leben gerufen. Wie ist dieIdee dazu entstanden?

Fritz Clemens: Im Februar 2005 wurde im Rahmen der "Nunkircher Nachmittage" von Siegfried Engel die Idee vorgetragen, im Herbst ein Theaterstück aufzuführen. Daraufhin fand sich eine ganze Reihe Interessierter ein, und so war es logisch, dass man es wagte, ein solches Projekt zu realisieren.

Sie haben bei den Aufführungen im Saalbau stets volles Haus. Hätten Sie geglaubt, dass in Zeiten des Fernsehens, Internets und der modernen Medien dörfliches Theater so gut angenommen wird?

Vera Schömer-Mellinger: In unseren Theaterstücken wird versucht, dem Publikum das Dorfgeschehen näherzubringen. Dadurch, dass wir Dialekt sprechen, wird der Zugang zum Zuschauer erleichtert. Viele Situationen hat man selbst vielleicht schon so erlebt, der Zuschauer wird emotional angesprochen, ist live dabei und "leidet mit".

Auch in anderen Orten der näheren Umgebung kann man feststellen, dass Theaterspielen wieder "in" ist. Was sehen Sie als Ursache dieser erfreulichen Entwicklung?

Clemens: Man erkennt, dass es ein Hobby ist, erreicht eine Verbundenheit zwischen Zuschauer und Schauspieler. Es ist das Theater des "kleinen Mannes".

Wir wählen immer eine Komödie oder ein Lustspiel aus, denn die Zuschauer lassen uns wissen: "Wir möchten Abstand zu Problemen des Alltags und einen Abend lang herzhaft lachen."

Woher nehmen Sie die Ideen und Anregungen für Ihre neuen Stücke, und nach welchen Kriterien wählen Sie aus?

Clemens: Durch Recherchen im Internet, bei verschiedenen Theaterverlagen, persönliche Kontakte zu Theaterautoren und den Austausch mit anderen Theatergruppen .

Dennoch: "Die Götter haben vor den Erfolg den Schweiß gesetzt".Wie lange dauert es, bis das Bühnenbild steht und ein Stück "im Kasten" ist?

Clemens: Wir brauchen ein halbes Jahr intensive Probenarbeit; Zusammenarbeit der einzelnen Teams, wie Bühnenbau, Bühnendekoration, Frisuren, Kostüme etc.

Die Erfahrung zeigt, dass sich ein neues Stück in der Probenarbeit erst entwickelt.

Neun Jahre Leiter der Theatergruppe "NuNa", die mit lustigen, herzerfrischenden Komödien und Lustspielen das Publikum begeistert. Nun möchten Sie das Amt in jüngere Hände geben! Fällt Ihnen der Abschied schwer?

Clemens: Es ist kein Abschied im wörtlichen Sinne, sondern ein stückweises Abgeben der primären Verantwortung. Die innere Verbundenheit zum Theater und zur Gruppe erfährt durch diesen Schritt zurück ins zweite Glied keinerlei Abbruch.

Ich bin auch der Überzeugung, dass die Übergabe an Vera Schömer-Mellinger keinen Bruch in der Entwicklung der Theatergruppe mit sich bringt.

Frau Schömer-Mellinger, Sie treten als Nachfolgerin von Fritz Clemens in große Fußstapfen. Dennoch reizt es Sie, diese Aufgabe zu übernehmen?

Schömer-Mellinger: Mir als leidenschaftlicher Schauspielerin fällt es durchaus nicht leicht, in Zukunft mehr hinter der Bühne als auf der Bühne zu agieren. Dennoch reizt mich diese Aufgabe, denn sie gibt mir die Möglichkeit, eigene Ideen zu verwirklichen.

Führen Sie das bewährte Konzept weiter, oder wird es neue Ideen geben?

Schömer-Mellinger: Sowohl als auch! Natürlich gibt es auch neue Ideen. Aber es wäre sicherlich ein Fehler, ein gut bewährtes Konzept nun völlig auf den Kopf zu stellen.

Verraten Sie uns, wie Sie die Motivation der Akteure und der vielen Helfer auf diesem Niveau erhalten möchten?

Schömer-Mellinger: Durch die bisherige gute Zusammenarbeit der gesamten Truppe stellt sich für mich persönlich die Frage nach der Motivation nicht. Die Proben sind zwar anstrengend, aber es wird so viel gelacht, alle haben Spaß dabei, sodass mir um die Motivation nicht bange sein muss. Auch unser Team von Helfern hinter der Bühne, in der Küche, im Service etc. ist sehr engagiert und motiviert. Wir alle wissen diese Unterstützung sehr zu schätzen.

Clemens: Die Begeisterung der Truppe zeigt sich schon darin, dass noch vor Beendigung der letzten Aufführung bereits die Frage nach einem neuen Stück gestellt wird.

Schömer-Mellinger: Die freundschaftliche Verbundenheit zeigt sich auch außerhalb der Bühne in vielen privaten Kontakten, wie gemeinsamen Boule-Spiel-Nachmittagen, gegenseitigen Besuchen bei Geburtstagen, beim alljährlichen Ausflug der Gruppe etc.

Sie sind eifrig bei den Proben für das neue Stück! Wann geht es los mit den Aufführungen?

Schömer-Mellinger: Die Aufführungstermine sind zum Jahreswechsel, und zwar am 20., 21., 28. und 29. Dezember. Die letzte Aufführung findet am 3. Januar 2015 statt.