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Kamerun-Aufenthalt
Die tägliche Konfrontation mit der Armut

Allltag: Ein Kind mit Bottich geht Wasser holen.
Allltag: Ein Kind mit Bottich geht Wasser holen. FOTO: Jonas Morbe
Noswendel. Seit 3. September hält sich der aus Noswendel stammende 18-jährige Jonas Morbe in Kamerun auf.  Die Idee, vor dem Studium hinaus in die Welt zu gehen und etwas Wohltätiges zu tun, ist seit Jahren in ihm gereift und nach dem Abitur im Sommer 2017 war es soweit. Durch die Organisation „Weltsicht“ wurde er nach Mbengwi ins westliche Kamerun vermittelt.

Die ehemals deutsche Kolonie Kamerun ist heute ein Staat mit zwei Staatssprachen: Französisch und Englisch. Die englischsprachige Minderheit im Westen des Landes fühlt sich durch die französischsprachige Bevölkerungsmehrheit in Kamerun bevormundet und teilweise unterdrückt. Deshalb kommt es oft zu Spannungen zwischen der englischsprachigen Bevölkerung und der Regierung.


Dieses Spannungsfeld spiegelt sich auch im Aufgabenbereich von Jonas wider. Er arbeitet ehrenamtlich in einem privat geführten Waisenhaus im englischsprachigen Landesteil Kameruns, eines der ärmsten Länder der Welt. Dort leben 20 Kinder, die aus unterschiedlichen Gründen zu Halb- oder Vollwaisen wurden. Die Mitarbeiter/innen und die Kinder im Waisenhaus leben zusammen wie eine große Familie und auch für Jonas sind die Menschen dort wie Brüder und Schwestern geworden. Deswegen liegt ihm sehr am Herzen, dass er die Lebenssituation der Menschen vor Ort verbessert werden kann.

Die Aufgabe von Jonas während seines vier monatigen Aufenthalts ist es, vormittags die Kinder zu betreuen, die noch nicht in die Schule gehen. Das macht ihm sehr viel Freude, denn sie sind sehr aufnahmebereit und interessiert an allem. Nachmittags kümmert er sich um alle Kinder und Jugendlichen im Haus, macht Ausflüge mit ihnen und ist einfach nur für sie da. Die Kinder und Jugendlichen haben sonst niemanden der sich mit ihnen beschäftigt, wenn kein Freiwilliger im Haus ist.



Täglich ist Jonas dort mit der Armut der Menschen konfrontiert, denen oft das Nötigste zum Leben fehlt. Jonas berichtet von einem ebenfalls 18-jährigen Bewohner des Hauses mit dem Namen Big Bernard. Er  ist im Waisenhaus seit er elf Jahre alt ist und kam zusammen mit seinem Zwillingsbruder als Vollwaise und Analphabet dorthin. Erst hier hat sein Leben Struktur bekommen.

Verglichen mit dem Leben eines Jugendlichen in Europa, ist es ein entbehrungsreiches Leben, das er führt. Er steht morgens um vier Uhr auf, füttert die Schweine und säubert die Schweineställe.  Um sechs Uhr läuft er dann, meist ohne Frühstück, zu Fuß zur Arbeit. Nach mindestens zehn Stunden Arbeit, für die er als Auszubildender keinen Cent bekommt, läuft er um 18 wieder zwei Stunden zu Fuß zurück. Dort angekommen, isst er seine einzige Mahlzeit am Tag und fällt dann todmüde ins Bett.

Er träumt davon, seine Schule zu beenden, dies ist aber im Moment aufgrund der schwierigen politischen Lage im anglophonen Teil Kameruns nicht möglich. Außerdem wünscht er sich ein Fahrrad, damit er den Weg zur Arbeit damit schneller zurücklegen kann, das kann er sich allerdings nicht leisten, denn es kostet 70 000 bis 80 000 zentralafrikanische Franc, umgerechnet ca. 120 Euro.

Auch die klimatischen Bedingungen in dieser Region erschweren das tägliche Leben zusätzlich. Dieses Gebiet ist durch ein wechselfeuchtes Klima geprägt. In der Trockenzeit von November bis März/April gibt es monatelang keinen Regen, die schlimmsten Monate sind der Januar und der Februar, in dieser Zeit ist es auch noch sehr heiß.  In diesem Jahr  war das Waisenhaus sogar acht Monate lang ohne Wasser, da die Wasserrohre defekt sind und nur wenige Vorräte an sauberem Wasser da waren.

In der Trockenzeit kann das Wasser häufig vom einige Kilometer entfernten Kloster geholt und in Kanistern zum Haus geschleppt werden. Aber auch im Kloster ist oft zu wenig Wasser da. Der nahegelegene Bach ist ebenfalls in diesen Monaten ausgetrocknet oder besteht nur noch aus Schlamm. Trotzdem trinken die Kinder oft davon, weil sie so großen Durst haben.

Man muss sagen, dass sie in der Zeit der großen Hitze von allem trinken, was flüssig ist. Deshalb werden sie immer wieder so krank, dass sie ins Krankenhaus müssen. Jonas hat sich zum Ziel gesetzt, diesen Missstand zu verbessern. Er will veranlassen, dass bei dem Waisenhaus ein Brunnen gebohrt wird, der die Kinder und die umliegenden Häuser mit Wasser versorgt.

Die Kosten für einen 5000 Liter Wassertank und ein Beton-Stahl-Gestell für den Tank betragen umgerechnet 3000 Euro – eine nahezu unermessliche Summe für die Menschen in Kamerun (Durchschnittseinkommen 2014: 101 US-Dollar im Monat). Das Brunnenloch bohren, Geräte um das Wasser regelmäßig hochzupumpen und eine Wasserleitung vom Brunnen zum Haus kosten noch einmal 3000 Euro.

Der Brunnenbau soll bereits in diesem Jahr noch beginnen, wenn die dafür benötigten 6000 Euro durch Spenden aufgebracht werden können. Jonas und eine weitere Freiwillige werden den Bau vor Ort betreuen und dokumentieren. Spenden dafür sind herzlich willkommen. Vielleicht springt ja auch noch ein Fahrrad für Big Bernhard raus. Eine Spendenquittung kann leider nicht ausgestellt werden. Bei Angabe der E-Mail Adresse werden die Spender über den Baufortschritt informiert.

Spendenkonto: DE02 593 510 400 605 242 957 Inhaber: Jonas Morbe.

Kinder des Waisenhauses auf dem Feld: Für diese Jungen und Mädchen ist harte Arbeit Alltag in dem zentralafrikanischen Land.
Kinder des Waisenhauses auf dem Feld: Für diese Jungen und Mädchen ist harte Arbeit Alltag in dem zentralafrikanischen Land. FOTO: Jonas Morbe
Gute Tarnung macht Spaß: Die Augen hinter Sonnenbrillen versteckt, das Handy am Ohr, die Kopfhörer auf.
Gute Tarnung macht Spaß: Die Augen hinter Sonnenbrillen versteckt, das Handy am Ohr, die Kopfhörer auf. FOTO: Jonas Morbe
Ein Blick in die armselige Küche mit ihrer ebenso armseligen Ausstattung, in der für die Kinder gekocht und gebacken wird..
Ein Blick in die armselige Küche mit ihrer ebenso armseligen Ausstattung, in der für die Kinder gekocht und gebacken wird.. FOTO: Jonas Morbe
In der tristen Umgebung des Waisenhauses: Jonas Morbe mit einigen seiner Schützlingen. Um die Not der Kinder zu lindern, ruft der 18-Jährige zu Spenden auf.
In der tristen Umgebung des Waisenhauses: Jonas Morbe mit einigen seiner Schützlingen. Um die Not der Kinder zu lindern, ruft der 18-Jährige zu Spenden auf. FOTO: Jonas Morbe
Die Mitarbeiterin des Waisenhauses gönnt sich eine kurze Auszeit. Foto: Jonas Morbe
Die Mitarbeiterin des Waisenhauses gönnt sich eine kurze Auszeit. Foto: Jonas Morbe FOTO: Jonas Morbe
Dicke Freunde: Nur zu gerne tollen Jonas und die Kinder miteinander und haben eine Riesengaudi.
Dicke Freunde: Nur zu gerne tollen Jonas und die Kinder miteinander und haben eine Riesengaudi. FOTO: Jonas Morbe