Jubiläum: Die Nächstenliebe wird hier im Stillen gelebt

Jubiläum : Die Nächstenliebe wird hier im Stillen gelebt

Zum 175-jährigen Bestehen des Waderner Elisabeth-Vereins erzählt die Vorsitzende über die Arbeit der engagierten Frauen.

Mit einem Kaffeenachmittag am kommenden Samstag, 17. November, und einer Messfeier am Sonntag, 18. November, begeht der Elisabeth-Verein Wadern sein 175-jähriges Jubiläum. Die Vorsitzende Carla Dubois gibt der Saarbrücker Zeitung einen Einblick in die Geschichte des Vereins und die Arbeit der Frauen.

Frau Dubois, 175 Jahre Elisabeth-Verein Wadern. Das hat Seltenheitswert.

CARLA DUBOIS Ja, das stimmt! Der Waderner Elisabeth-Verein wurde 1843 von der Gräfin Oktavie gegründet. Es ist der zweitälteste Verein des Bistums Trier. Den ersten Elisabeth-Verein gab es im Jahre 1840 in Trier selbst.

Was glauben Sie, ist der Grund, dass sich der Verein so lange halten konnte und immer noch weiter besteht?

DUBOIS Es ist ein Zeichen dafür, dass im Stillen gelebte Nächstenliebe und Hinwendung zu Notleidenden auch heute noch aktuell sind und überzeugen, und dies auch in unserer medialen, modernen Zeit. Das Beispiel unserer Patronin der Heiligen Elisabeth von Thüringen ist für uns eine starke Motivation.

Erzählen Sie uns bitte etwas über die Geschichte Ihres Vereins.

DUBOIS Baronesse Oktavie war eine fromme, begabte und hochherzige Frau. Sie traf sich im Winter 1842/43 mit weiteren wichtigen Persönlichkeiten aus Wadern zur Gründung des Elisabeth-Vereins im Theatersaal auf Schloss Dagstuhl. Aufgabe und Ziel des Vereins war die Unterstützung von Armen und Kranken im Sinne der wohltätigen Hingabe der hl. Elisabeth von Thüringen. Damals wurde der Namenstag der Patronin, 19. November als Tag der Zusammenkunft aller Mitglieder genutzt, um den Bedürftigen Hilfe zu gewähren. Es gab eine jährlich durchgeführte Lotterie, bei der die Malergräfin Oktavie jeweils zwei Gemälde mit biblischen Motiven stiftete. Heute laden wir jährlich an diesem Tag die Mitglieder zum Elisabeth-Kaffee im Pfarrsälchen ein. Im Jahre 1882/83 schenkte die Familie de Lasalle von Louisenthal Grund und Boden zum Bau eines Klosters. Der Elisabeth-Verein stiftete sein ganzes Kapital zum Bau eines Krankenhauses, des St. Elisabeth-Krankenhauses Wadern, das es leider seit 2017 nicht mehr gibt.

Wie verlief die Weiterentwicklung des Vereins in den folgenden Jahrzehnten, und vor allem, wie überstand der Verein vier Kriege, die Inflation und die damit verbundene Geldentwertung?

DUBOIS Die Arbeit des Vereins war durch alle diese Umstände sehr eingeschränkt, aber nicht abgebrochen. Es fanden sich immer wieder Waderner Frauen, darunter auch evangelische Frauen, die den Verein in aller Stille weiterführten, und dies bis zum heutigen Tag.

Seit 2008 sind Sie Vorsitzende des Elisabeth-Vereins. Wieviel Mitglieder hat der Verein? Wie sieht Ihre Arbeit aus?

DUBOIS Wir haben aktuell 260 Mitglieder aus verschiedenen Stadtteilen von Wadern, die den Verein mit Beiträgen und Spenden unterstützen. Unsere Hauptaufgabe besteht in der persönlichen und materiellen Zuwendung zu Alten, Kranken, bedürftigen Familien und Alleinstehenden. Hier helfen wir mit Geld- und Lebensmittelspenden. Darüber hinaus leisten wir unter anderem auch Hilfe bei verschiedenen Projekten, wie Kinder mit Rett-Syndrom, Kinder der Bärenhöhle Löstertal, Kinder der Tafel in Wadern, Dr. Schales in Afrika, Herzenssache und einer Schule in Kenia. Unser Verein hat keine Satzung. Die Vereinsarbeit wird von Generation zu Generation weitergegeben. Präses ist der jeweilige Pfarrer.

Wie feiern Sie Ihr 175-jähriges Jubiläum?

DUBOIS Am Samstag, 17. November treffen wir uns zum Kaffeenachmittag im Pfarrsälchen. Dazu werden die Gäste mit einem Schattenspiel und Musikstücken unterhalten. Außerdem werden dann Auszüge aus einem Briefwechsel vorgelesen, den die Pfarrei Allerheiligen Wadern 1871 mit dem Bistum Trier führte. Das Festhochamt hält Pastor Stefan Sänger am Sonntag, 18. November, 10.30 Uhr in der Allerheiligenkirche Wadern. Im Rahmen des Jubiläums werden wir auch am diesjährigen Waderner Weihnachtsmarkt am Samstag, 1. Dezember im Eiscafé Siega Kaffee und Kuchen zum Kauf anbieten.

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