"Dialekt ist nicht automatisch Trottelei"

Herr Töpel, Sie sprechen so ein sauberes, nettes Hochdeutsch. Warum kommen Sie uns jetzt mit Dialekt daher? Arnim Töpel: Hochdeutsch ist meine Muttersprache, Kurpfälzisch meine Heimatsprache. Das habe ich erst spät entdeckt, aber Mundart ist für mich ein ganz wichtiges Ausdrucksmittel geworden

Herr Töpel, Sie sprechen so ein sauberes, nettes Hochdeutsch. Warum kommen Sie uns jetzt mit Dialekt daher? Arnim Töpel: Hochdeutsch ist meine Muttersprache, Kurpfälzisch meine Heimatsprache. Das habe ich erst spät entdeckt, aber Mundart ist für mich ein ganz wichtiges Ausdrucksmittel geworden. Wie viel Töpel steckt eigentlich in der Dialektfigur? Töpel: Es ist keine Kunstfigur, es ist ein Teil von mir. Selbst wenn sich "de Günda", mein alter ego, vom hochdeutschen Töpel stark unterscheidet. Das macht den Reiz. Im übrigen auch für mich. Ich denke im Dialekt anders. Haben Sie keine Angst, mit dem kurpfälzischen Zungenschlag vor einer Mauer des Unverständnisses zu stehen? Brauchen wir Videotext-Untertitel? Töpel: Es sind ja zwei Seelen, die ich auf die Bühne bringe, eine spricht Hochdeutsch, das macht es verträglicher. Der Dialekt allerdings, der ist nicht gemildert. Aber das Schöne an Mundart ist ja die Unmittelbarkeit. Und die erschließt sich, auch wenn man nicht jedes Wort, jede Nuance versteht. Das ist jedenfalls meine Erfahrung in der Fremde - wie in Basel oder Köln. Sie behaupten mal ganz frank und frei, dass Ihre Muttersprache Hochdeutsch sei. Woher können Sie diesen Dialekt so gut, dass Ihnen selbst Experten unterstellen, ein Meister der Mundartkunst zu sein? Töpel: Dialekt kann man nicht lernen wie eine Fremdsprache, man kann ihn nachahmen. Ich musste nicht üben, ich musste mich nicht coachen lassen. Es ist einfach in mir. Und das, obwohl ich bis heute privat keinen Dialekt spreche. Also genau anders, als bei den Menschen, die von Haus aus Mundart sprechen und ihr Hochdeutsch abstreifen, sobald sie mit Zuhause auch nur telefonieren.Wenn man im Saarland an Dialekt denkt, dann stößt man auf Gerd Dudenhöffer und seine "Familie Heinz Becker". Die stand eher für platten Witz als für gehobene Unterhaltung. Sie servieren in Ihrem Programm anspruchsvolle Kost auf Kurpfälzisch. Geht das überhaupt? Töpel: Dialekt ist nicht automatisch Trottelei, bietet vielmehr direktere, emotionalere Ausdrucksmöglichkeiten. Dialekt ist überdies musikalisch und bietet Halt in dieser haltlosen Welt. Um es mal pathetisch zu sagen, in der Sprache ist Heimat. Womöglich nur noch in der Sprache. Junge Leute schreiben sich SMS und E-Mails nicht auf Hochdeutsch, sondern im Dialekt. Wenn man sich landauf, landab so umschaut, könnte man den Eindruck gewinnen, dass die Dialekte durchaus wieder Konjunktur haben ... . Töpel: Ist das so? Das wäre erfreulich! Ich habe eher den Eindruck, Dialekt verschwindet aus unserem Alltag. Die Mediensprache ist Hochdeutsch beziehungsweise das, was davon übrig geblieben ist. Es bleibt ein Akzent, mit dem diese eigenartigen Rest- und Rumpfsätze versehen werden, angereichert mit international anerkannten Obszönitäten. Ich wünschte mir Predigten, Vorträge, Regierungs- und Liebeserklärungen im Dialekt, um gegenzusteuern. Denn wir sind dabei, diese Vielfalt in Deutschland, einen Schatz, preiszugeben. Warum haben Sie sich eigentlich auf das Abenteuer Dialekt eingelassen, obwohl Sie Ihre Programme auf Hochdeutsch - geografisch gesehen - viel weitgestreuter einsetzen können? Töpel: Das war kein Kalkül, das war ein künstlerisches Bedürfnis. Wenn ich zurzeit Songs schreibe, dann im Dialekt. Und ich habe noch nie zuvor so viele Songs geschrieben. Da ist ein Ventil geöffnet, ein Knoten geplatzt. Und weil ich meine "alten" Programme weiterhin spiele - ja, auch immer noch "Sex ist keine Lösung." - fahre ich eben auch weiterhin nach Rostock und Bremen.Wenn Sie den Dialekt schon so hofieren: Können Ihre Kinder eigentlich Kurpfälzisch? Töpel: Nein. Noch nicht. Aber mein Jüngster parodiert mich manchmal.Info: Samstag, 7. November, 20 Uhr, Saalbau Nunkirchen "Mach doch de Babbe net struwwelisch", Kabarett auf Mundart mit Arnim Töpel. Eintritt: 12 Euro (im Vorverkauf 10 Euro). Karten für die von "Kultur am Tor" getragene Veranstaltung gibt's in Nunkirchen (Post- und Quelleagentur, Sparkasse, Shell-Station Hewer, Gaststätte Salm), in Wadern (Bücherhütte) und in Weiskirchen (Blumencafé Petite Fleur, Café Louis) oder im Internet unter www.kulturamtor.de.