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Krankenhaus-Diskussion
Debatte um Gutachten zu Nordsaarlandklinik

Das Krankenhaus in Wadern ist seit einigen Tagen geschlossen. Wie es jetzt mit der Gesundheitsversorgung im Hochwald weiter geht, darüber wird intensiv diskutiert.
Das Krankenhaus in Wadern ist seit einigen Tagen geschlossen. Wie es jetzt mit der Gesundheitsversorgung im Hochwald weiter geht, darüber wird intensiv diskutiert. FOTO: Erich Brücker
Wadern. Gutachter schlagen Lebach als Standort eines neuen Krankenhauses vor – das sorgt in der Region und im Land für Diskussionen.

Nachdem das saarländische Gesundheitsministerium am Freitag die Ergebnisse einer Machbarkeitsstudie des Gutachterbüros „Aktiva“ zur Realisierung einer Nordsaarlandklinik vorgelegt hat (die SZ berichtete), flammt die Diskussion über die Zukunft der medizinischen Versorgung im Hochwald wieder auf. Die Gutachter waren in ihrer Untersuchung zu dem Schluss gekommen, dass das neue Akutkrankenhaus, das nach der Schließung der Klinik in Wadern von vielen Seiten für den Hochwaldraum gefordert wird, am sinnvollsten in Lebach errichtet werden sollte. Dort seien die Investitionskosten niedriger als am Standort Wadern.



Zugleich hatten die Gutachter deutlich gemacht, dass diese neue Klinik nur dann wirtschaftlich Sinn mache, wenn die bestehenden Krankenhäuser in Losheim und Lebach schließen und Teile der medizinischen Angebote aus den Krankenhäusern von Merzig und St. Wendel an das neue Klinikum verlagert würden. Die „Aktiva“-Gutachter sprechen sich für ein Haus mit rund 300 Betten und einem breiten medizinischen Leistungsspektrum aus. Am Freitag hatte Gesundheits-Staatssekretär Stephan Kolling die Expertise vorgestellt. Die neue Nordsaarlandklinik muss nach Überzeugung der Gutachter unter der gemeinsamen Trägerschaft der in der Region aktiven Träger Saarland Heilstätten GmbH (SHG, Merzig), Marienhaus GmbH (Losheim und St. Wendel) und Cusanus Träger-Gesellschaft Trier (CTT, Lebach) betrieben werden – das wäre ein Novum in der saarländischen Krankenhaus-Landschaft.

Auch zu dem neuen Gesundheitspark, der in Wadern entstehen soll, um die durch die Krankenhaus-Schließung entstandene Lücke in der medizinischen Versorgung zu schließen, haben die Experten Stellung bezogen: Gutachter Ingo Jakschies hat nach Erstellung eines Grobkonzeptes, in dem er die Inhalte und Anforderungen eines solchen Gesundheitsparks definiert hat, 160 Institutionen, Krankenhäuser, Behörden, Verbände und Personen als Experten für den Gesundheitspark per Mail angefragt.

100 Befragte haben die Mail geöffnet, davon haben lediglich 29 aktiv an der Befragung teilgenommen. Weiter hat der Gutachter 20 Interviews mit Gesprächspartnern aus Politik, Verwaltung, mit Haus- und Fachärzten, medizinischen Dienstleistern aus Wadern und der Region sowie Vertretern von Verbänden und Institutionen und der Wissenschaft geführt. Als Grundpfeiler des Gesundheitsparks sieht der Gutachter als Ergebnis der Expertenmeinungen eine gerontopsychiatrische Tagesklinik, mehrstufige Module mit Arztpraxen, Pflege, Therapie und Wohnen in einem Gebäude sowie ein Gesundheitshotel, bestehend aus einer Praxisklinik mit einem niedrigschwelligen stationären Angebot in der Verhinderungspflege.

Die Ergebnisse des Gutachtens haben ein erstes Echo aus der Landespolitik hervorgerufen: Der Vorsitzende der Saar-Grünen, Markus Tressel, hat Gesundheitsministerin Monika Bachmann aufgefordert, in der Frage der Krankenhausversorgung im Hochwald „endlich politische Führung zu zeigen“.

Das Gutachten zur Nordsaarlandklinik helfe den Menschen im Hochwald nur bedingt weiter, weil es als Zentralstandort für ein neues Klinikum Lebach empfiehlt und damit das Problem der Erreichbarkeit stationärer Versorgung in dieser Region nicht wirklich löst, teilt Tressel gegenüber der SZ mit. Grundsätzlich wäre aus Sicht der Grünen ein neues modernes Zentralklinikum im Hochwald begrüßenswert, sofern es tatsächlich auch für die Menschen im Hochwald gut erreichbar sei.

Tressel hegt aber Zweifel, dass die Träger sich auf ein gemeinsames Vorgehen einigen können. Der Grünen-Politiker: „Wir haben jetzt ein Gutachten, das ein neues Klinikum befürwortet und die Träger in der Verantwortung sieht. Den Gedanken hatten wir in dieser Debatte aber bereits vor Jahren und leider schon damals ohne Ergebnis. So wird das auch diesmal nicht klappen, wenn die ordnende Hand fehlt.“ Die Landesregierung müsse die Führung übernehmen und genau definieren, was sie von den Trägern erwarte und wie die Versorgungslandschaft perspektivisch aussehen solle. Tressel: „Gesundheitsversorgung ist auch eine politische Grundsatzentscheidung, die man weder alleine an Gutachter noch an die Träger delegieren kann.“

Faktoren wie die demographische Entwicklung und die verkehrliche Anbindung müssten bei der Planung stärker berücksichtigt werden.

In der Frage des Standortes einer möglichen Nordsaarlandklinik müssten die Träger sich zunächst erklären, ob ein solches Vorgehen überhaupt in Frage käme und  wenn ja, welche weiteren Klinikschließungen das dann hervorrufen könnte, findet der Grünen-Chef: „Erst dann kann man ernsthaft über einen Standort debattieren, der dann allen beteiligten Trägern und Regionen gerecht werden müsste.“