Bürgermeister schreiben offenen Brief wegen Nordsaarlandklinik

100. Mahnwache zur Nordsaarlandklinik : „Das ist kein Anlass, den man feiern möchte“

Zum 100. Mal haben die Mitglieder der Bürgerinitiative Nordsaarlandklinik eine Mahnwache gehalten. Die Bürgermeister von Wadern, Nonnweiler und Weiskirchen haben die Gelegenheit genutzt, sich in einem offenen Brief an die Landesregierung zu wenden.

Vor fast zwei Jahren, genau am 30. November 2017, wurde das St.-Elisabeth-Krankenhaus in Wadern geschlossen. Dies war für die Bevölkerung der Hochwaldregion ein harter Schlag, die nun im Krankheits- und Notfall weitere Wege zu einer geeigneten Klinik in Kauf nehmen muss. Mit der Krankenhausschließung ging die Gründung der Bürgerinitiative Nordsaarlandklinik (BI NSK) einher, die sich zum Ziel gesetzt hat, sich für eine bessere medizinische Versorgung für die Menschen in unserer ländlichen Region einzusetzen. Mit allwöchentlichen lautlosen Mahnwachen wird an den derzeitigen Missstand erinnert und gefordert, dass die Krankenhausversorgung im Nordsaarland verbessert und zukunftsfest gestaltet werden müsse.

Am Freitag stand nun die insgesamt 100. Mahnwache an. „Das ist kein Anlass, den man feiern möchte“, sagte BI-Sprecher Bernd Schröder bei seiner Begrüßung, „aber es ist auf jeden Fall eine gute Gelegenheit, um mehr Interesse für unser Anliegen zu wecken.“ Neben zahlreichen Bürgerinnen und Bürgern waren auch der Bürgermeister von Wadern Jochen Kuttler sowie seine Amtskollegen Franz Josef Barth aus der Gemeinde Nonnweiler und Wolfgang Hübschen aus der Gemeinde Weiskirchen zur Mahnwache gekommen. Und dies aus ganz besonderem Grund, denn die Verwaltungschefs der Kommunen unterzeichneten einen gemeinsam verfassten offenen Brief mit der Überschrift „Die Nordsaarlandklinik muss kommen“, der an die Landesregierung übersendet wird. Das Schreiben soll diese auffordern, ihre Politik in Bezug auf die stationäre Versorgung der Bevölkerung grundlegend neu auszurichten.

„Ich freue mich, dass die Bürgermeister der Nachbarkommunen unsere Sorgen und Nöte sowie Belange teilen und mittragen und wir diesen offenen Brief gemeinsam unterzeichnen können“, sagte Kuttler. Amtskollege Barth dankte der Bürgerinitiative für ihr bislang zweijähriges Engagement und ihren langen Atem. Er wünschte ihr den erhofften Erfolg, während Bürgermeister Hübschen hervorhob, dass er die Bemühungen der BI um ihre Ziele uneingeschränkt unterstützen werde.

Die drei Hochwaldpolitiker machen sich auch die Bemühungen und Forderungen der BI Nordsaarklinik zu eigen, unterstützen diese nachhaltig mit Vehemenz und fordern ebenso die grundlegende Neuausrichtung, die nur auf einem politischen Fundament, also unter der Federführung der Landesregierung, angegangen werden könne. „Immerhin gibt der Koalitionsvertrag von CDU und SPD die Marschrichtung vor, denn dort heißt es wörtlich, dass wir eine wohnortnahe und qualitativ hochwertige Krankenhausversorgung brauchen. Daher werden wir die Krankenhäuser und deren Angebotsstruktur im Saarland weiterentwickeln“, begründen die Rathauschefs ihr Anliegen und fordern die Landesregierung auf, hier endlich den Worten auch Taten folgen zu lassen. Weiter schreiben Kuttler und Co. sinngemäß, dass nach den Rahmenbedingungen, die das Gesundheitssystem vorgibt, die aktuellen Standorte der Region in ihrer Existenz über kurz oder lang bedroht sind.

„Es ist proaktiv, an die Herausforderung heranzugehen, die Versorgung der nordsaarländischen Bevölkerung mit stationären medizinischen Dienstleistungen auf neue Füße zu stellen. Hier halten wir ein Zentralklinikum für das Nordsaarland für den einzig richtigen Weg“, wird im Brief gefordert, zumal eine Machbarkeitsstudie im Auftrag der Landesregierung dies eindrucksvoll bestätigt habe. Die Bürgermeister sind auch der Meinung, dass am jetzigen Ist-Zustand nicht länger festgehalten werden kann und fordern daher eine langfristige Realisierung einer Nordsaarklinik im Hochwald. Dieses Ziel sei realistisch und gerade auch angesichts des bundesweiten Krankenhaussterbens der richtige Schritt, um die medizinische Versorgung der Bevölkerung nicht nur, sondern ganz besonders im nördlichen Saarland zukunftssicher zu machen.

In einem weiteren Abschnitt ihres Briefes zitieren die Bürgermeister Grundgedanken der seit September 2018 auf Bundesebene tagenden Kommission „Gleichwertige Lebensverhältnisse“, an der Bundesfamilienministerin Franziska Giffey beteiligt ist. „Unser Land driftet auseinander, wenn es Regionen gibt, in denen der Arzt unerreichbar erscheint. Es gilt die Daseinsfürsorge, besonders in der Gesundheitsvorsorge überall im Land sicherzustellen“, teilte die Ministerin mit. Im Abschlussbericht dieser Kommission heißt es aber auch abschließend: „Krankenhäuser müssen weiterhin flächendeckend und wohnortnah zur Verfügung stehen. Hierzu bedarf flexibler und zielgenauer Versorgungsangebote, die eine regionsspezifische Betrachtungsweise und individuelle Teilgebietslösungen berücksichtigen.“

Das Krankenhaus in Wadern ist seit fast zwei Jahren geschlossen. Foto: Ruppenthal

Dieser Auffassung schließen sich die Bürgermeister der Stadt Wadern sowie der Gemeinden Nonnweiler und Weiskirchen vollumfänglich an und erwarten „von allen Akteuren im Gesundheitsbereich sowie von den politisch Verantwortlichen in der Landeführung ein engagiertes Hinarbeiten auf ein Zentralklinikum im nördlichen Saarland, das sowohl dem Grundgedanken nach gleichwertigen Lebensverhältnissen gerecht wird als auch langfristig eine stationäre medizinische Versorgung der Menschen im nördlichen Landesteil sicherstellt, die in Qualität und Erreichbarkeit den Standards der Ballungszentren in nichts nachsteht.“

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