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Bürgerinitiative für Krankenhauserhalt
Bürgerinitiative kämpft für Krankenhaus

 Das Aktionsteam (von links): Marlene Thalemann, Alfons Wack, Renate Hausen, Paul Schmidt, Edwin Reis (Vorsitzender Krankenhaus-Förderverein), Fredi Dewald, Bernd Schröder (Sprecher), Christian Kuhn, Regina Franz, Harald Klein (stellvertretender Sprecher), Ute Barth, Therese Jost, Marilyn Heib, Günter Barth, Henry Selzer, Bürgermeister Jochen Kuttler. 
Das Aktionsteam (von links): Marlene Thalemann, Alfons Wack, Renate Hausen, Paul Schmidt, Edwin Reis (Vorsitzender Krankenhaus-Förderverein), Fredi Dewald, Bernd Schröder (Sprecher), Christian Kuhn, Regina Franz, Harald Klein (stellvertretender Sprecher), Ute Barth, Therese Jost, Marilyn Heib, Günter Barth, Henry Selzer, Bürgermeister Jochen Kuttler.  FOTO: Erich Brücker
Wadern. Seit Dienstagabend kämpft eine Bürgerinitiative für den Erhalt des Waderner Krankenhauses (wir berichteten). „Wir müssen was tun, damit unser Krankenhaus bleibt“, gab der frisch gewählte Sprecher der Initiative, Bernd Schröder, die Marschrichtung vor.

Die bisherige Trägerin, die Marienhaus GmbH, hatte Anfang Juni angekündigt, das Haus zum Jahresende zu schließen. Dagegen wehren sich die Leute aus dem Hochwald. Um den Standort zu erhalten, haben sich Bernd Schröder, sein stellvertretender Sprecher, der Geschäftsführer des Waderner Wirtschaftsverbandes, Harald Klein, und viele Mitstreiter Gedanken im Vorfeld gemacht. Eine Demo vor dem Landtag, wenn über den Krankenhausstrukturplan diskutiert wird, nannte Schröder, Protestschreiben an Kanzleramtschef Peter Altmaier und die stellvertretende Ministerpräsidentin Anke Rehlinger, eine Gesprächsrunde mit Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer, eine Diskussion mit politisch Verantwortlichen, Aktionen bei Wochenmärkten und vieles mehr. „Wichtig ist, dass Sie mit ihren Freunden und Bekannten reden, damit das Thema am Kochen bleibt“, forderten Schröder,  pensionierter Ministerialbeschäftigter, und Klein die rund 300 Zuhörer auf, ihre Vorschläge für weitere Aktionen zu mailen. „Das Sie unter der Adresse initiative-krankenhaus@wadern.de tun.“ 15 Leute zählt das Aktionsteam, darunter Waderns Ex-Bürgermeister Fredi Dewald, Henry Selzer, Mitglied im Weiskircher Gemeinderat, und Marilyn Heib aus Beckingen, Direktkandidatin der Linken für die kommende Bundestagswahl.


Das Krankenhaus ist nach Worten von Waderns Bürgermeister Jochen Kuttler völlig zu Recht am Standort Wadern angesiedelt. „Es ist geopolitisch immens wichtig, nicht nur für die Stadt, sondern für den gesamten Hochwald.“ Daher stehe er derzeit mit mehreren Trägern in Kontakt, um auszuloten, ob eine Übernahme in Frage komme, „obwohl das eigentlich Aufgabe des Landkreises ist.“ Der Verwaltungschef will nichts unversucht lassen, die medizinische Versorgung vor Ort zu gewährleisten. Dabei gebe es noch viele komplexe Fragen zu klären, räumte Jochen Kuttler ein. Wäre die Marienhaus GmbH überhaupt bereit, das Feld für einen Konkurrenten zu räumen? „Das Gebäude ist ihr Eigentum“, sagte der Verwaltungschef gegenüber der SZ. Jochen Kuttler: „Bislang hat die Marienhaus GmbH noch nicht genau entschieden, was wann mit dem Haus passiert. Allerdings steht ein Abriss im Raum.“ Der Waderner Bürgermeister bezweifelte zudem, dass das Defizit von 2,5 Millionen Euro, das der Träger genannt hatte, zu 75 Prozent von Wadern allein verursacht worden sei. „Mich würde einmal interessieren, auf welchen Standort denn Verwaltung, Küche und EDV gebucht worden sind. Eindeutige Zahlen sind bislang jedenfalls nicht vorgelegt worden. Die Bürgerinitiative kann den Druck aufbauen, der allen Verantwortlichen klar vor Augen führt, dass die Menschen im Hochwald sich nicht abspeisen lassen werden, sondern für eine medizinische Versorgung einstehen, die diesen Namen auch vedient!“

„Wir wurden jahrelang belogen“, schimpfte Alfons Wack, Mitglied im Aktionsteam. Die Schließung sei von langer Hand vorbereitet worden. „Dramatisch“ nannte Edwin Reis, Vorsitzender des Krankenhaus-Fördervereins, das angekündigte Aus für den Standort in der Hochwaldstadt. „Zunächst war es, als ob mich der Blitz getroffen hat. Aber ich habe viel Kraft entwickelt. Und mit der schlagkräftigen Mannschaft bin ich guten Mutes, ein neues Krankenhaus zu bekommen.“ Therese Jost nannte Wadern „den idealen Standort für eine Mittelversorgung“. Hier sei es einfach, das Klinik-Gebäude zu erweitern. „Wenn Losheim in ein paar Jahren schließen sollte, bauen wir in Wadern neu“, führte Jost den Widersinn der jetzigen Entscheidung, den Standort Wadern aufzugeben, vor Augen.



Angesprochen wurde auch die Schenkungsurkunde der Dagstuhler Grafenfamilie De Lasalle. Sie sollen den Waldbreitbacher Franziskanerinnen ein Grundstück überlassen haben. Die Bedingung der Adligen: eine Zusicherung, eine medizinische und pflegerische Versorgung sicherzustellen. Der Bau des Krankenhauses war 1884 begonnen worden. Franz Kasper, ehemaliger Mitarbeiter im Katasteramt, sagte, er habe eine Quelle zu der Schenkungsurkunde in den Akten entdeckt.

 Voll besetzt war war die Herbert-Klein-Halle bei der Gründung der Bürgerinitiative zum Erhalt des Waderner Krankenhauses.
Voll besetzt war war die Herbert-Klein-Halle bei der Gründung der Bürgerinitiative zum Erhalt des Waderner Krankenhauses. FOTO: Erich Brücker