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Bogenschießen
Speicher hat den Bogen einfach raus

Bianca Speicher nimmt Maß. Bogenschießen ist ein Präzisionssport, wie kaum ein anderer. Heftiger Regen in Italien verleitete zu ein paar Fehlern.
Bianca Speicher nimmt Maß. Bogenschießen ist ein Präzisionssport, wie kaum ein anderer. Heftiger Regen in Italien verleitete zu ein paar Fehlern. FOTO: B&K / Bonenberger/
Dagstuhl. Saarlandmeisterin, deutsche Meisterin, EM-Vierte. Bianca Speicher hat im Bogenschießen schon viel erreicht. Nun ging die Dagstuhlerin bei der WM an den Start. Von David Benedyczuk

Cortina d’Ampezzo ist den meisten vor allem als Winterspor-Ort ein Begriff. Doch am italienischen Olympiaschauplatz von 1956, wo zur kalten Jahreszeit Touristen, aber auch die Profis des Ski-Weltcups die Piste entlang brettern, stand Anfang September ein anderer Sport im Fokus: Bogenschießen, genauer gesagt: die Feldbogen-Weltmeisterschaft der International Field Archery Association (IFAA). Und da mischte auch eine Saarländerin im Feld der weltbesten Schützen mit – und zwar überaus erfolgreich: Bianca Speicher aus Dagstuhl belegte im Wettkampf mit dem Recurvebogen den elften Platz: „Ein schönes Ergebnis“, sagt die 45-Jährige zu ihrem Abschneiden: „Da bin ich schon stolz drauf. Im Saarland kommt es ja nicht so oft vor, dass jemand bei einer Weltmeisterschaft dabei ist.“


Wobei für Speicher letztlich sogar noch mehr drin gewesen wäre. „Man kennt ja das eigene Leistungsvermögen. Daher hätten es sicherlich ein paar Ringe mehr sein können. Rang sechs oder sieben wäre durchaus machbar gewesen“, ist sie im Nachhinein überzeugt. Doch da kam ihr die Witterung ein wenig in die Quere, die nach einem traumhaften Start umschlug. „Vor allem am zweiten Tag, als es heftig geregnet hat, habe ich ein paar Fehler zu viel gemacht. Da reagiert erstens das Material anders, und zudem war meine Konzentration nicht die beste“, lässt die Bogenschützin der GK Burgschützen Büschfeld ihren Wettkampf Revue passieren.

Der begann mittwochs mit dem achten Platz im ersten Qualifikationsdurchgang. Tags darauf fiel sie nach Beendigung der Vorkämpfe auf Rang zehn zurück. In der Ausscheidungsrunde am Samstag musste Speicher dann der Polin Natalia Lesniak mit 78:88 Ringen den Vortritt lassen und nahm – entsprechend der Regeln – deren elften Platz aus der Qualifikation ein.



Nach etwa 160 verschossenen Wettkampfpfeilen hielt Speicher dennoch fest: „Es war für mich eine schöne Erfahrung, an die ich mich noch lange erinnern werde.“ Und nicht nur sie. Vereinskollege Arno Seiwert von den Burgschützen Büschfeld sagt: „Wir im Verein sind alle mächtig stolz auf Bianca, dass sie als eine von nur drei Bogenschützinnen in Deutschland für diesen WM-Wettbewerb nominiert wurde.“

Trotz der großen Bedeutung, erzählt Speicher, sei sie relativ unaufgeregt in ihren ersten WM-Wettkampf gegangen – ein paar Ausnahmen habe es aber gegeben: „Wenn ich im Wettkampf drin bin, kann ich eigentlich gut alles andere ausblenden. Wobei das Panorama auf der Skipiste richtig toll war – und da kam dann schon mal so der Gedanke hoch: Boah! Du schießt gerade bei einer WM.“

Um dort dabei zu sein, hatte sie einige Entbehrungen in Kauf nehmen müssen: „Das Frühjahr und der Sommer waren richtig stressig. Im Mai und Juni war ich fast jedes Wochenende in Sachen Bogensport unterwegs.“ Doch der Aufwand hat sich gelohnt: Nach der Europameisterschaft im Vorjahr im slowenischen Mokrice wurde sie abermals für ein Großereignis nominiert – und es soll nicht ihr letztes gewesen sein. „Jetzt steht erst mal Techniktraining für die anstehende Hallensaison auf dem Plan. Nächstes Jahr peile ich dann erneut die Qualifikation für die Europameisterschaft an – und versuche, dort dann noch ein Stück besser abzuschneiden“, sagt Speicher. Nach ihrem vierten Platz im Vorjahr bedeutet das: Sie möchte im Oktober 2019 auf dem EM-Podest landen. „Vom Leistungsniveau her dürfte das drin sein.“

Bianca Speicher von den Burgschützen Büschfeld
Bianca Speicher von den Burgschützen Büschfeld FOTO: Erich Schneider