Bodypainting ist körperliche Arbeit

Bodypainting ist körperliche Arbeit

Finissage in Dagstuhl mit Gesine Marwedel: Das Modell muss bisweilen mehrere Stunden still sitzen.

Body-Painting, die Kunst der Körpermalerei, ganz hautnah erleben konnten etwa 50 Gäste anlässlich einer Finissage der Künstlerin Gesine Marwedel im Schloss Dagstuhl. Zum Abschluss ihrer Bilderausstellung (die SZ berichtete) demonstrierte sie ihre zeichnerische Kunst unmittelbar vor Ort am Modell Silvana. Durch Zufall sei sie auf diese Art der Malerei gekommen, erklärte Marwedel ihren Besuchern. Früher habe sie nur auf Leinwand gemalt, mittlerweile jedoch zahlreiche Kunstwerke auf menschlicher Haut geschaffen und sich international einen guten Namen gemacht. Seit 2013 zeigt sie ihr Schaffen weltweit auf Ausstellungen. "Ich male nicht einfach nur auf der Haut, sondern nutze die Körperform und -position, um ein größeres Bild entstehen zu lassen. Dementsprechend spielen nicht nur die Farbe und das Malen eine wichtige Rolle, sondern auch der Körper selbst", beschrieb Marwedel ihre Kunst.

Ihre Motive sind Tiere und Pflanzen, die als Bilder an die Wand gehängt werden können, aber auch abstrakte Dinge, wenn sie etwa von Firmen für Werbezwecke gebraucht werden. Dabei spielen Alter, Geschlecht oder Größe des Modells keine Rolle. Frauen seien aber die besseren Modells, bei Männern störe zuweilen die Körperbehaarung, die entfernt werden muss. Bis ein Bild fertig ist, können schon einige Stunden ins Land gehen. "Das ist schon körperliche Arbeit, gute Disziplin und volle Konzentration sind ebenfalls notwendig", klärte Marwedel auf. Grundsätzlich male sie ihre Bilder nur einmal. Aber jedes Bild sieht auf einem anderen Körper auch anders aus. Anstrengend sei es auch für die Modells, wenngleich Ruhepausen vorgesehen sind. "Es ist durchaus eine angenehme Sache", sagte Modell Silvana über das Bepinseln auf der nackten Haut. Teilweise schwierig sei zuweilen die ungewohnte Körperhaltung. "Aber mit dem Interesse für diese Kunst hält man das aus", ergänzt sie.

An diesem Abend galt es still zu sitzen für einen bunten Vogel mit Fisch im Schnabel, den die Künstlerin auf ihre Haut malte. Dafür gab es viel Applaus. "Kreativität und künstlerische Umsetzung haben mich beeindruckt", sagte Besucherin Petra Lauk aus Nunkirchen. Interessant zu sehen war für sie auch, welche Köperteile in Szene gesetzt wurden. Für Jürgen Kreuder, Beigeordneter der Stadt Wadern und selbst Maler, war die gesamte Ausstellung und die Schluss-Vorstellung der Künstlerin eine Bereicherung nicht nur für die Hochwaldstadt, sondern auch für das Leibniz-Zentrum im Schloss Dagstuhl, das sich der Kunst verschrieben hat. Ein Besuch hier lohne allemal, denn es werde schon ein hohes Niveau geboten. Eine noch engere Zusammenarbeit von Stadt und Zentrum könne er sich vorstellen. "Mit der Vernissage und dem Abschluss heute habe ich zwei hochinteressante Abende erlebt", sagte er.

Zum Thema:

Gesine Marwedel, geboren 1987, studierte zunächst Rehabilitationspädagogik an der Uni Dortmund, ehe sich ein Studium der Kreativtherapie in Bochum anschloss (2009 bis 2011). Sie arbeitete zunächst als Sprach- und Psyhotherapeutin, seit 2016 ist sie hauptberuflich freischaffende Künstlerin.

Mehr von Saarbrücker Zeitung