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Wadern
Weiter mit Vehemenz für eine Klinik

Der neue Vorstand der BI-Nordsaarlandklinik (von links) mit Sprecher Bernd Schröder, Rita Lesch, Matthias Wagner (stellvertretender Sprecher), Regina Franz, Paul Schmitt (2. Kassenwart), Ute Barth, Jürgen Rech (1. Kassenwart) sowie Alfons Wack. Es fehlt Marilyn Heib.
Der neue Vorstand der BI-Nordsaarlandklinik (von links) mit Sprecher Bernd Schröder, Rita Lesch, Matthias Wagner (stellvertretender Sprecher), Regina Franz, Paul Schmitt (2. Kassenwart), Ute Barth, Jürgen Rech (1. Kassenwart) sowie Alfons Wack. Es fehlt Marilyn Heib. FOTO: Erich Brücker
Wadern. Auf ihrer Versammlung hat die Bürgerinitiative Nordsaarlandklinik deutlich gemacht, wie ernst es ihr mit der medizinischen Versorgung im Nordsaarland ist. Von Erich Brücker

Zur Mitgliederversammlung, der ersten nach der Gründung als eingetragener Verein, hatte die Bürgerinitiative (BI) Nordsaarlandklinik in die Schlossberghalle Büschfeld eingeladen. Die Neuwahl des Vorstandes sowie notwendige Satzungsänderungen aufgrund der vorgenommenen Umwandlung standen im Mittelpunkt der Versammlung, zu der 110 Mitglieder erschienen waren.


BI-Sprecher Bernd Schröder erstattete einen umfangreichen Rückblick. Gegründet wurde die BI am 25. Juli vergangenen Jahres, der Verein am 30. November aus der Taufe gehoben. „Wir sind mittlerweile ein mitgliederstarker Verein mit über 550 Mitgliedern und haben ein gutes mediales Echo“, betonte er. Von Beginn an habe sich der Verein mit Mahnwachen, Bannern, Plakaten, Flugblättern und Mitgliederwerbung auf sich aufmerksam gemacht. Das Ziel: sich stark machen für ein leistungsfähiges Krankenhaus im nördlichen Saarland, nachdem die Marienhaus GmbH die Waderner St Elisabeth-Klinik geschlossen habe und die ärztliche Versorgung für die Menschen nicht mehr entsprechend dem übrigen Saarland gewährleistet sei. Unzählige Besprechungen, Arbeitssitzungen und Gespräche hat die BI laut Schröder mit den zuständigen Ministerien der Landesregierung, weiteren politisch verantwortlichen Personen sowie möglichen Krankenhausträgern geführt.

„Erreicht wurde, dass ein durch die BI erstelltes Konzept einer Nordsaarlandklinik für etwa 180 Betten die Grundlage eines Gutachtens wurde“, sagte Schröder. „Die Gutachter hatten dieses Konzept ergänzt durch weitere Fachbereiche und für etwa 300 Betten ausgelegt, so dass diese bei 400 Arbeitsplätzen wirtschaftlich arbeiten könne.“ Zudem wurde laut Schröder beim Gesundheitsministerium erreicht, dass ein Kapitel Nordsaarlandklinik in den Krankenhausplan 2019 bis 2025 aufgenommen wird. Dazu findet sich die Anmerkung: „Die Versorgungssituation wird unter Berücksichtigung aller bedarfsnotwendigen Belange neu geplant, wenn sich ein Träger findet.“ Laut Schröder hört sich dieser Zusatz schön an, jedoch kann diese Zusicherung zum Knackpunkt werden, an dem alles scheitern könne. Aus Sicht des Ministeriums sei die stationäre Versorgung des nördlichen Saarlandes mit der Versorgungsroute, bestehend aus den Krankenhäusern Lebach, Merzig, Losheim, Hermeskeil und St. Wendel, sichergestellt.



Mit insgesamt sechs möglichen Trägern einer Nordsaarlandklinik sei Kontakt aufgenommen worden. Nur einer habe sich intensiv mit dem Vorhaben beschäftigt, aber auch abgesagt. Als Grund nannte Schröder die Rahmenbedingungen des Ministeriums, die nicht akzeptabel seien. Mit diesen Rahmenbedingungen werde die Zusicherung ad absurdum geführt. Ein möglicher Krankenhausträger müsse mit den benachbarten Trägern in allen Dingen Einigkeit erzielen. Als Beispiele nannte er die Verteilung der Fachbereiche, der Abteilungen, Betten und von Personal. Erst dann könnten die abgesprochenen Umverteilungen seitens des Gesundheitsministeriums vorgenommen werden. Bei einem soliden Finanzplan werde es den Bau genehmigen sowie die Bezuschussung von 30 Prozent zusagen. „Vor diesen Rahmenbedingungen sind alle möglichen Träger zurückgeschreckt.“

Schröder bescheinigte dem Ministerium, „keinen Zukunftsplan zu haben“. Seine bange Frage: „Müssen wir also warten, bis die letzte Klinik im Hochwald zumacht, und es dann allmählich der Landesregierung klar wird, dass hier dringend ein großes Krankenhaus nötig ist und nicht nur nötig war oder wäre?“ Er rief dazu auf, weiter mit guten Argumenten, nicht nur gesundheits-, sondern auch wirtschaftspolitischer Art an die Öffentlichkeit zu gehen.

Der BI-Sprecher erinnerte daran, dass CDU-Kreischef Marcus Hoffeld bei seinem Besuch vorgeschlagen habe, erneut das Gespräch mit der Landesregierung zu suchen, um auf irgendeinem Feld einen Konsens zu erzielen. „Wir lassen nichts unversucht, halten das Thema Nordsaarlandklinik weiter am Kochen“, versprach der BI-Sprecher. „Mit Beharrlichkeit und Entschlossenheit werden die Mahnwachen, vielleicht auch mal in Saarbrücken vor der Staatskanzlei, fortgeführt.“

Interessierter Gast war der SPD-Landtagsabgeordnete Magnus Jung, Vorsitzender des Gesundheitsausschusses des Landtages, mit dem ein lebhafter Meinungsaustausch gepflegt wurde. Der Mann aus dem Nordsaarland, der in Kastel wohnt, hat im Krankenhaus in Wadern das Licht der Welt erblickt. Er kennt nach seinen Worten die nicht einfache Situation bestens. Dennoch warb er um Verständnis für die Landesregierung, die die gesundheitliche Versorgung im Hochwald derzeit gesichert sieht. Damit erntete er lautstarken Protest der BI-Mitglieder. Ihre Arbeit lobte Jung – auch wegen des interessantes Konzeptes. Er verwies auf den neuen Krankenhausplan, der Raum für Veränderungen lasse. Die werde er auch gern unterstützen.