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Beatrice Schmitt spricht über die Absage von "Erlesen" im Saarland

Interview im Beatrice Schmitt zu „Erlesen“ : Viel Verständnis für schwere Entscheidung

Die Buchhändlerin, die Mitglied im Orga-Team des Literaturfestivals „Erlesen“ ist, spricht über dessen Absage.

Aufgrund der Entwicklungen rund um das Coronavirus fällt das saarländische Literaturfestival „Erlesen“, das Ende dieser Woche gestartet wäre, aus. Was die Absage für die Veranstalter bedeutet und wie es im nächsten Jahr weitergehen soll, erzählt Beatrice Schmitt von der Bücherhütte in Wadern, die zum Orga-Team des Festivals gehört.

Das landesweite Literaturfestival „Erlesen“ wurde offiziell abgesagt. Wie schwer ist diese Entscheidung gefallen?

SCHMITT Unglaublich hart war das. Wir haben uns richtig schwergetan, diese Entscheidung zu treffen. Ein paar Tage lang habe ich mir immer mehr Gedanken gemacht, ob es sinnvoll wäre, so eine Entscheidung auch für andere mitzutreffen. Die letzte Nacht, bevor ich mit meinen Orga-Kollegen die Telefonkonferenz hatte, habe ich fast nicht geschlafen. Es war extrem schwierig, da es auf der einen Seite wirtschaftliche Gründe gibt und auf der anderen Seite die Verantwortung steht, der ich Rechnung tragen muss.

Was bedeutet die Absage denn wirtschaftlich für die Veranstalter?

SCHMITT Es wurde vonseiten des Orga-Teams richtig viel in Werbung investiert, die jetzt massiv für die Tonne ist: Flyer, Booklets, Plakate. Das ist Geld, das einfach futsch ist, und wir haben zudem enorm viel Zeit investiert. Bei einzelnen Veranstaltern kann es passieren, dass sie zum Beispiel Hotels nicht mehr stornieren können oder dass Autoren-Honorare trotzdem bezahlt werden müssen. Autoren leben ja zum Teil davon.

Wie waren die Reaktionen der Autoren und Verlage?

SCHMITT Im Großen und Ganzen waren alle verständnisvoll. Verärgerung habe ich nirgendwo gehört, aber in einem oder zwei Fällen schimmerte etwas Verwunderung oder Skepsis durch.

Es gibt ja auch abseits von „Erlesen“ Lesungs-Termine. Rechnen Sie damit, dass es damit in ein paar Monaten wieder weitergehen kann?

SCHMITT Das müssen wir abwarten. Unsere nächste Premiere ist am 23. April. Es kann sein, dass das klappt, aber es kann auch sein, dass wir es verschieben müssen. Der Autor, Frank P. Meyer, hat mir schon signalisiert, dass das kein Problem sei. Wir sind davon abhängig, was Ordnungs- und Gesundheitsämter sowie die Ortspolizeibehörde sagen.

Wie beobachten Sie die Auswirkungen von Corona auf den Buchhandel generell? Kommen weniger Leute? Oder sogar mehr?

SCHMITT Die Frequenz nimmt ein wenig ab, wobei es auch Menschen gibt, die sich ein bisschen eindecken. Das finde ich persönlich sehr wichtig: Wie soll man das ohne ein gutes Buch zu Hause überhaupt überstehen? Nein, im Ernst: Es ist nicht abzusehen, wie es weiterläuft – wir machen uns im Buchhandel auch Gedanken. Es ist wichtig, dass unsere Kunden wissen, dass sie bei uns auch im Internet bestellen können. Das gilt für die meisten Buchhandlungen vor Ort.

Haben Sie als Buchhändlerin Angst, wenn Sie in die Zukunft blicken?

SCHMITT Es ist ein mulmiges Gefühl, das kann man nicht anders sagen. Wir wissen gar nicht, was auf uns zukommt. Aber wir tun, was wir können. Die Bestellsysteme im örtlichen Buchhandel über Homepage und Internet sind perfekt und wir sind gern bereit, unseren Lieferservice zu erweitern, also auch mal nach Hause zu liefern.

Zurück zu „Erlesen“: Laut aktuellem Stand soll das Festival ja im kommenden Jahr wieder stattfinden. Laufen schon erste Planungen?

SCHMITT Kurz nach „Erlesen“ sind wir immer schon mit der nächsten Auflage beschäftigt. Wir haben schon die Fühler ausgestreckt, weil gewisse Sachen in diesem Jahr nicht geklappt haben. Ein paar Ideen haben wir bereits für das kommende Jahr. In einem bis zwei Monaten geht die Planung richtig los. Für konkrete Ankündigungen ist es aber noch zu früh – aber wir waren in diesem Jahr ganz nah an der Nobelpreisträgerin Olga Tokarczuk dran. Das wäre natürlich ein Highlight für nächstes Jahr. Und der Zeitraum steht schon fest: 10. bis 24. April 2021.

Wenn man sich „Erlesen“ nach Hause holen will – was würden Sie empfehlen?

Aus ihrem Buch „Laufen“ sollte Isabel Bogdan im Rahmen von „Erlesen“ in den Lichtspielen Wadern lesen. Foto: Heike Blenk
Beatrice Schmitt Foto: Tina Leistenschneider

SCHMITT Ich finde „Laufen“ von Isabel Bogdan literarisch hervorragend und trotzdem sehr lesbar – und ihren Bestseller „Der Pfau“ finde ich auch klasse, weil er so humorvoll ist und einen auf andere Gedanken bringt. Andreas Pflüger, quasi ein Exil-Saarländer, bietet mit „Geblendet“ Spannung pur und Hans-Jürgen Feldhaus, zum Beispiel mit „Genial verzockt“, sehr kurzweilige und witzige Geschichten für Kids.