Auf Spurensuche in der KZ-Gedenkstätte Hinzert

Auf Spurensuche in der KZ-Gedenkstätte Hinzert

Sich darüber zu informieren, wie die NS-Zeit auch in der näheren Umgebung ihre Spuren hinterlassen hat, war Ziel einer Exkursion, die zum ehemaligen Konzentrationslager Hinzert führte. Die Schüler waren von dem Besuch beeidruckt.

Namenlose Steinkreuze erinnern an die Opfer des Konzentrationslagers. Foto: W. Burr. Foto: W. Burr

Wie nah Himmel und Hölle beisammen liegen können, das wurde den Schülern der Ganztagsklasse 7a des Hochwald-Gymnasiums (HWG) bei einem Projekttag in der KZ-Gedenkstätte Hinzert klar. Im Deutschunterricht hatten sie vorher ein Buch behandelt, das die Zeit des Nationalsozialismus anschaulich und altersgemäß verdeutlichte. Daraus entstand das Interesse, sich darüber zu informieren, wie die NS-Zeit auch in der näheren Umgebung ihre Spuren hinterlassen hat.

Als die Waderner Schüler aus dem Bus stiegen, konnten sie zunächst keine Spuren für die Existenz eines so grausamen Ortes wie eines KZs entdecken. Grüne Hügel gesäumt von Felder und im Hinterrund einige Windräder - auf den ersten Blick ein typisches Landschaftsbild für den Hochwald. Als die aber durch das Tor der Gedenkstätte traten und die namenlosen Steinkreuze auf Friedhof sahen, bekamen sie eine Ahnung von den Schrecken, die sich hier abgespielt hatten.

Aus einem Koffer suchten sich die Jugendlichen in Partnerarbeit Gegenstände aus, zu denen sie nähere Infos bekamen. Diese sollten sie dann in der Gesamtgruppe vorstellen Schnell wurde klar, dass normale Alltagsgegenstände im Kontext der KZ-Gedenkstätte eine ganz neue und meist grausame Bedeutung erhielten. So stand eine Haarschneidemaschine für die menschenverachtende Prozedur des Haarschneidens auf dem Appellplatz des KZ, bei dem den Häftlingen schmerzhafte Wunden zugefügt wurden und ihnen zudem ihre Persönlichkeit genommen wurde. Alle waren kahl rasiert, hatten die gleiche Häftlingskleidung und wurden zu einer Nummer degradiert, die sie an der Kleidung tragen mussten. Ein alter Blechlöffel erinnerte an die kargen Mahlzeiten und die entwürdigenden Regeln, denen sie beim Essen ausgesetzt waren.

Besonders beeindruckt waren die HWG-Schüler von Zeitzeugen-Interviews, die sie mit Hilfe von Audio-Guides an verschiedenen Bildschirmen erkunden konnten. Schließlich kamen hier Überlebende des KZ selbst zu Wort. Der Häftlinge Pierre Pixius zum Beispiel bezeichnete das Eingangstor zu dem Gelände als "Pforte zur Hölle". Besonders schlimm war diese Hölle für die Gefangenen, da der "Himmel" nicht weit entfernt lag. Der Himmel war für die Häftlinge nämlich das nahe gelegene Gebäude der SS-Bewacher, aus dem himmlische Düfte von Speisen durch das Lager wehten, während die Häftlinge unter extremem Hunger litten - Himmel und Hölle auf engstem Raum. Als letzte Etappe verarbeiteten die Jugendlichen die Erlebnisse des Projekttages kreativ. Eine Gruppe entwarf zum Beispiel ein Mahnmal für die Gedenkstätte, eine andere Gruppe einen Flyer mit Infos für Besucher. Viele Schüler entschieden sich auch dafür, eine Schwarz-Weiß-Aufnahme aus dem Lageralltag mit Farben so zu verfremden, dass aus dem Ort des Schreckens eine Landschaft entstand, die Hoffnung machen sollte.

Die Schüler waren sich im Abschlussgespräch einig, dass es eine besondere Erfahrung war, die sie hier gemacht hatten. Zum einen waren sie geschockt von der Grausamkeit und der Tatsache, dass sich solche Grausamkeiten quasi vor ihrer Haustür abgespielt hatten. Zum anderen fanden sie es wichtig, sich darüber zu informieren, damit dies nicht in Vergessenheit gerät und alles getan wird, dass so etwas nicht noch einmal geschehen kann.