Charitytour: Auf Deutschlandtour für einen guten Zweck

Charitytour : Auf Deutschlandtour für einen guten Zweck

Carmen und Stefan Koscheny radeln und wandern von Hamburg nach Garmisch-Partenkirchen und sammeln Spenden für äthiopische Schüler. In der SZ berichtet das Ehepaar aus  Steinberg über seine Reise.

Damit Stefan nicht am Montagmorgen während des Berufsverkehrs aus Hamburg mit dem Fahrrad rausfahren musste, hatten wir am Sonntag, 16. Juli, ein Stück von der ersten Etappe als Prolog abgezwackt. Stefan zwei Stunden mit dem Fahrrad und Carmen zwei Stunden zu Fuß. Das brachte uns bis Buchholz in der Nordheide. Von dort aus ging es dann montags los Richtung Walsrode. Stefan durchquerte bei heiterem Wetter und knapp 20 Grad herrliche Heidelandschaften und begegnete Schafherden mit ihren Hirten.

In Mengebostel im Schützenhaus gab es zur Erfrischung ein „Alster“. Währenddessen wanderte Carmen durch ruhige Wälder, endlose Mais- und Getreidefelder und kleine Dörfer. Das Städtchen Dorfmark bezauberte sie mit einem idyllischen, liebevoll angelegten und gepflegten Park. Auch die Kultur kam nicht zu kurz.

In der Nähe von Bad Fallingbostel machte Carmen einen Abstecher zur Gedenkstätte von Herrmann Löns, dem Heidedichter. Die Tour endete in Walsrode in einem kleinen, gemütlichen Hotel. Kräftemäßig war auf der ersten Tour alles im grünen Bereich.

Auf der zweiten Etappe fuhr Stefan bei strahlendem Sonnenschein und 25 Grad 95 Kilometer von Walsrode nach Hannover-Döhring, während Carmen 28 Kilometer von Döhring nach Hildesheim-Nordstemmen zurücklegte. Auf gut asphaltierten Radwegen ging es vorbei an zahlreichen Gewässern: der Leine, dem Naturschutzgebiet „Alte Leine“, der südliche Leinaue und den Koldinger Seen.

Bäume spendeten stellenweise Schatten. Riesige Getreide- und Maisfelder wechselten sich mit grünen Wiesen ab. Kein Vergleich mit den unbefestigten Straßen in Äthiopien, den wenigen verkrüppelten Bäumen und den ausgetrockneten Böden. Beim Nachdenken bekommt die Charity-Tour für die Schule des Lichts, die Bildung sichern und Zukunft gestalten kann, eine ganz neue Bedeutung. Unsere Freizeitaktivitäten sind besser ausgestaltet als das Alltagsleben in Äthiopien.

Bemerkenswertes: Es gibt Wasserbrücken, und Norddeutschland hat ein sehr gut ausgebautes Radwegenetz.

Die dritte Etappe führte bis Friedland, immer noch in Niedersachsen. Bei heißen 30 Grad war es angenehm, wenn der Weg durch Waldgebiete führte. Einige Seen am Wegesrand luden zum Schwimmen ein. Stefan machte in Northeim einen Abstecher zum Bahnhof, um sich zusätzliche Getränke zu besorgen. Carmen verlief sich dummerweise in einer Kiesgrube. Bemerkenswertes: Die Schönheit der Natur lädt ein zum Verweilen, und es gibt Treppen mit einer extra Schiene in der Mitte für Fahrräder.

Die vierte Etappe führte von Friedland nach Eschwege. Eine relativ kurze Etappe, die vom Leine-Tal ins Werra-Tal führte. Dabei schlängelte sich der Weg immer an der Grenze der drei Bundesländer Niedersachsen, Thüringen und Hessen entlang. In Friedland überragt das schon von weitem sichtbare Heimkehrerdenkmal den Ort, der für viele Vertriebene, Spätaussiedler und Übersiedler aus der DDR erster Anlaufpunkt in Deutschland war.

In Städten ist es immer etwas schwierig, die Beschilderung der Radwege zu finden, so dass Stefan einen Umweg von etwa zehn Kilometer fuhr, was dazu führte, dass Carmen statt zehn 15 Kilometer wanderte. Trotzdem konnten wir einen Abstecher zur Wartburg in Eisenach machen und eine gelungene und informative Ausstellung über Luther in einer wunderbar restaurierten Burg mit einem fantastischen Ausblick besuchen. Carmen liebt solche kulturellen Highlights.

Am Ende des Tages waren wir doch ganz schön angestrengt. Das tägliche Unterwegssein wird zu einer Herausforderung.

Bemerkenswertes: 27 Jahre nach der Wiedervereinigung sind keine Grenzen mehr zu erkennen, und wir sind ein bisschen müde.

Vom hessischen Eschwege ins thüringische Bad Salzungen führte die nächste Etappe durch den Nationalpark Hainich und den Thüringer Wald. Auf den ersten vier Etappen bewegten wir uns auf gut ausgebauten, ebenen Fernradwegen vorbei an reizvollen Flussauen und durch idyllische Seengebiete. Auf dieser Strecke wagten wir uns, um etwas Abwechslung in die Tour zu bringen, auf unbefestigte Wanderwege, die abseits von Flusstälern über Hügel bergauf und bergab führten. Carmen kam zu Fuß gut mit diesen Wegen zurecht, während Stefan, um genügend Kilometer zurück zu legen, breite Wald- und Schotterwege nutzen musste. Dadurch werden die Etappen kürzer, aber anstrengender. Zeitlich hält es sich in etwa die Waage. Diese anderen Wege bieten schöne Panoramablicke hinab in Täler und auf Dörfer.

Die Hälfte der Tour liegt nun hinter uns. Gemeinsam haben wir 528 Kilometer zurückgelegt und freuen uns auf die zweite Hälfte.

Bemerkenswertes: Der 117. Deutsche Wandertag in Eisenach wirft seine Schatten voraus, und man darf die Drachenschlucht nicht mit dem Rad befahren.

Bei 25 Grad und mit immer weniger Wolken führte diese Etappe aus Thüringen heraus nach Bayern, wo wir auch bis zum Ende bleiben werden. Stefan hatte sehr anspruchsvolle 82 Kilometer zu absolvieren. Am Wegesrand begegneten ihm Schafe und Störche und in Bad Neustadt an der Saale machte er in einem wunderschönen Park Mittagspause.

Carmen legte 23 Kilometer bis nach Franken in den Süden von Schweinfurt zurück. Dies waren endlose Kilometer auf einer alten Heeresstraße mit Bunkeranlagen, die von der US Armee, die 2014 Schweinfurt verließ, zurückgelassen wurden, vorbei an zahlreichen Maschinenbau-Unternehmen, gelangte sie schließlich in Schweinfurt in die Grünanlagen am Main.

Müde, aber glücklich am Ziel: Carmen und Stefan Koscheny. Foto: Carmen und Stefan Koscheny
Auf dem Weg nach  Schweinfurt ging es endlose Kilometer auf einer alten Heeresstraße, vorbei an  Bunkeranlagen. Die eingezäunten Bollwerke haben die Koschenys fotografiert. Foto: Carmen und Stefan Koscheny
Trotz der anstrengenden Tour hat sich das Ehepaar nicht nehmen lassen, auch die Idyllen am Wegesrand zu fotografieren, wie etwa die weidenden Schafe. Foto: Carmen und Stefan Koscheny
Foto: Carmen und Stefan Koscheny

Nach dieser Etappe gab es einen Tag Ruhepause mit dem Besuch eines Gottesdienstes, Vorbereitung der nächsten Etappen und Faulenzen. Bemerkenswertes: Das Wetter meint es gut mit uns, und Ruhetage sind erholsam. < Wird fortgesetzt.

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