Fußball: Von Oberleuken in die Champions League

Fußball : Von Oberleuken in die Champions League

Was für ein Aufstieg! Vor einem halben Jahr noch spielte Kim Nilles in der B-Jugend der JSG Moseltal. Dann wechselte sie zu den Damen des SC Bettemburg, wurde Meister — und spielt jetzt sogar in der Qualifikation zur Champions League.

„Am liebsten wären mir ja Kroatien oder Griechenland“, sagte Kim Nilles im Vorfeld über ihre persönlichen Wunsch-Reiseziele. Geworden ist es am Ende ein Land dazwischen: Bosnien-Herzegowina, genauer gesagt: Sarajevo. Doch es geht auch nicht um Strand-Urlaub, sondern quasi um eine Dienstreise. Denn in Sarajevo bestreitet die junge Fußballerin aus Oberleuken ab dem 22. August mit dem luxemburgischen Überraschungsmeister SC Bettemburg die Qualifikation zur Champions League der Frauen.

Neben Gastgeber SFK 2000 Sarajevo trifft Bettemburg noch auf den FK Vllaznia aus Albanien und auf PAOK Saloniki —  also ist auch zumindest aus griechischer Verein dabei. Für die 17-Jährige ist es fast ein Quantensprung, denn bis Ende letzten Jahres kickte sie noch in der von Vater Michael trainierten männlichen B-Jugend der JSG Moseltal. Jetzt darf sie von der Königsklasse träumen.

Als sich Nilles Anfang 2017 entschloss, den altersbedingten Wechsel ins Aktivenlager im Großherzogtum zu vollziehen, hätte sie sich das alles nicht träumen lassen. „Ich hätte nie gedacht, dass wir gleich so erfolgreich sind“, sagt die schnelle und zweikampfstarke Flügelspielerin. Im März debütierte sie dann als Einwechselspielerin, danach erkämpfte sich der glühende Fan von Borussia Mönchengladbach auf Anhieb einen Stammplatz als rechte Verteidigerin.

Und nun also Champions-League-Qualifikation.  „Ich bin sehr froh über die Auslosung. Nach Sarajevo kommt man ja nicht alle Tage. Und gegen solche Teams zu spielen, ist echt ein Erlebnis“, freut sich die gebürtige Vietnamesin schon auf das Königsklassenflair.

Bereits im Vorjahr hatten die Luxemburger Interesse an ihr. „Da habe ich mich aber noch nicht so richtig getraut“, gesteht Nilles, die den Schritt dann nicht bereuen sollte: Mit 61 Punkten distanzierte ihr Team den vorherigen Serienmeister Jeunesse Junglinster um sechs Zähler und feierte die erste Meisterschaft der Vereingeschichte. Vier Spiele vor Schluss stellte Bettemburg mit einem 3:2-Sieg beim Favoriten die Weichen – für die Saarländerin ein Höhepunkt: „Das Spitzenspiel bei Junglinster bleibt mir besonders in Erinnerung. Da habe ich gegen zwei starke Gegnerinnen auf meiner Seite ein richtig gutes Spiel gemacht“, sagt das 1,55 Meter kleine Energiebündel.

Sie sei in Luxemburg mit offenen Armen empfangen worden: „Die Mannschaft ist super. Ich wurde sehr gut aufgenommen, die Chemie stimmte sofort.“ Inzwischen hilft sie nicht nur auf dem Platz, sondern gibt den Kolleginnen als angehende Frisörin auch wertvolle Tipps in Sachen Haarstyling.

Als Bettemburg mit dem 9:0-Kantersieg über Rosport im vorletzten Saison-Spiel alles klar machte, stand für Nilles die erste große Sause im Neuland an. „Im Feiern sind die Luxemburger richtig gut“, verrät sie augenzwinkernd. Mit Blick auf die Champions-League-Qualifikation muss Bettemburg wohl kleinere Brötchen backen – da zählt primär das Erlebnis: „Wir hoffen, dass wir nicht zu hoch verlieren und versuchen, diese besondere Erfahrung irgendwo zu genießen“, sagt Nilles. Eine besondere Erfahrung war auch die Reise in ihr Geburtsland vor wenigen Monaten. In Vietnam, wo das Adoptivkind vier Geschwister hat, traf sie erstmals ihre dortige Familie. „Es ging mir einfach darum zu sehen, wo ich herkomme. Ich muss sagen: Wir sind in Deutschland schon verwöhnt.“

Kim Nilles (links) bei der Siegesfeier zum Meistertitel. Beim SC Bettemburg fühlt sie sich wohl — kein Wunder bei dem tollen Einstand . Foto: Nilles

Dass sie in ihrer neuen Heimat dann gleich zum Fußball kam, war dann eigentlich klar. Papa Michael, bezeichnet sich selbst als „Fußballverrückten“ und auch ihr jüngerer Bruder Tom (15) spielt schon seit Jahren. „Ich bin dann öfter eingesprungen, als zu wenig Spieler da waren“, blickt Kim auf die Anfänge 2009 zurück. Irgendwann musste schließlich der Gardetanz dem runden Leder weichen. „Fußball macht mir einfach großen Spaß“, sagt Nilles – umso mehr, wenn sich derartige Erfolge einstellen.